Am Mittwoch moderierte Reto Brennwald zum 200. Mal die Rundschau. Seine Angriffslust hat der 42-Jährige in den vergangenen fünf Jahren nicht verloren, auch wenn er öfter seinen Charme spielen lässt. Im Interview mit "persoenlich.com" spricht Brennwald über die Druckversuche seiner Gäste und bedauert es, dass sich einige Top-Manager weiterhin davor scheuen, sich bei ihm auf den heissen Stuhl zu setzen.
Heute moderieren sie zum 200. Mal die "Rundschau": Feiern Sie die runde Zahl?
Nein, das nicht. Aber das Jubiläum soll den Erfolg in den vergangenen fünf Jahren mit meiner Person als Visitenkarte der Sendung markieren. Unsere Quoten sind praktisch ständig gestiegen, die Glaubwürdigkeit ist sehr hoch. Darüber freuen wir uns natürlich.
Haben sich bei Ihnen noch keine Abnützungserscheinungen eingestellt?
Man ist nie davor gefeit, seine eigenen Macken zu übersehen. Ich hoffe, ich habe nicht viele entwickelt. Insgesamt glaube ich, dass ich souveräner auftrete als früher. Von anfänglichen Ängsten und von Nervosität habe ich mich befreit.
Von welchen Macken mussten Ihre Kollegen Sie schon kurieren?
Aus Mangel an Erfahrung habe ich anfangs viel zu oft genickt. Das sah mit der Zeit ziemlich seltsam aus. Ich habe mir dies jedoch rasch abgewöhnt.
Sind Sie noch genauso angriffslustig wie in der ersten Sendung?
Ich denke schon, ja. Ich habe noch genauso viel Biss, vielleicht bin ich noch präziser als früher und lasse öfter auch Mal meinen Charme spielen.
Was waren für Sie die Höhepunkte, seit Sie die "Rundschau" moderieren?
Als Gesprächsleiter des heissen Stuhls zählen die gelungenen Interviews zu den Highlights. Dann wenn der Interviewpartner sehr schlagfertig war. So etwa Christoph Blocher, Jens Alder oder Philippe Gaydoul. Ich erinnere mich auch gerne an das Gespräch mit Bruno Ganz zurück. Vergessen wird allerdings oft: Ich bin nicht die "Rundschau". Die guten Geschichten stammen vom Team, das ist der Hauptteil. Ich denke da etwa an die Raser-Geschichte.
Schweizer gelten rhetorisch nicht als allzu beschlagen. Kommt es oft vor, dass Sie als Medienprofi Ihrem Interview-Partner überlegen sind?
Ich bin auch ein Schweizer. Deshalb beneide ich manchmal die Kollegen aus den USA, Frankreich und Deutschland um ihre rhetorischen Fähigkeiten. Insofern sind die Spiesse in der Live-Situation des Interviews gleich lang. Das wir live sind, geht oft vergessen.
Lassen sich Ihre Gäste gerne auf dem heissen Stuhl rösten? Oder erhalten Sie vor allem Absagen auf Ihre Einladungen?
Die meisten Gäste sagen zu. Bei einigen wenigen bemühen wir uns jahrelang, sie in die Sendung zu bringen. Leider jedoch haben es einige Top-Manager nicht nötig, zu uns zu kommen. Sie sehen einen Auftritt in der "Rundschau" eher als Risiko, denn als Chance. Wer dann allerdings bei uns war, bereut seinen Auftritt in aller Regel nicht. Denn er kann in einem glaubwürdigen Umfeld seinen Standpunkt erklären, auch wenn dies während der Sendung vielleicht nicht sehr angenehm ist. Immerhin registriere ich erste Anzeichens eines Umdenkens: So kommt in einer der nächsten Sendungen ein Grosser aus der Wirtschaft zu uns. Wer dies ist, kann ich leider noch nicht verraten.
Kommen Druckversuche und thematische Vorgaben von Seiten der Gäste oft vor?
Ja, natürlich. Interviews sind immer Verhandlungssache. Wir beanspruchen das Recht alles zu fragen. Wenn ein Gast keine Antwort geben will, soll er dies tun und es erklären. Grundsätzlich gilt für die "Rundschau": Sollte es einen Deal geben, muss er für den Zuschauer transparent sein.
Das Konzept des heissen Stuhls ist schon alt, ist es nicht gar schon veraltet?
Veraltet ist meines Erachtens das Dekor. Es gibt Überlegungen, die Ausstattung mittelfristig aufzufrischen. Allerdings ist die Kriegskasse auch nicht mehr so voll, wie auch schon. Denn zuerst kommen nun die "Tagesschau" und "10vor10" dran. Und dann hoffentlich bald die "Rundschau". Inhaltlich dagegen erachte ich das Konzept des heissen Stuhls in der heutigen Form als sehr aktuell.
Hätten Sie nicht Lust, mittelfristig andere Sendeprojekte in Angriff zu nehmen? Und wenn ja, was würde Sie reizen?
Ich würde gerne mehr filmen, als Reporter tätig sein. Jeweils im Sommer produziere ich bei Kurt Schaad im "Fernweh" Filme. Ich stamme ja aus der VJ-Tradition von TeleZüri. Allerdings reicht schon dafür meine Zeit kaum aus. Und gäbe es eine Sendung mit längeren Gesprächen, aber im selben Geist, Tempo und der kontroversen Situation wie der "Rundschau" könnte ich kaum Nein sagen.
Könnten Sie ganz auf das Scheinwerferlicht verzichten?
Viele meiner Kollegen würden sagen: "Kein Problem!" aber mal ehrlich, mir gefällt das Fernsehen.