"Manchmal habe ich mich auch unbeliebt gemacht"

- Felix Kilchsperger tritt als Head of Radio bei Radiotele ab und geht in Pension. Dabei scheint er seinem Business nicht unbedingt nachzutrauern, wie im Gespräch mit "persoenlich.com" deutlich wird. Er kritisiert die heutigen Wettbewerbsverhältnisse und die Grabenkämpfe unter den Vermarktern und Sendern: "Heute ist die ganze Szene zerstritten." Das Interview:

Herr Kilchsperger, Sie sind seit 17 Jahren bei Radiotele. Warum diese Treue?

Die Firmentreue hatte in den letzten Jahren vor allem mit meinem Alter zu tun. Wäre ich erst 40 Jahre alt, hätte ich meine Stelle vor einiger Zeit gewechselt.

Was hat Ihnen denn im Unternehmen nicht mehr gefallen?

Als die Firma noch unter den Besitzverhältnissen von Bruno Oetterli lief, hatte ich eine sehr schöne Zeit. Seit dem Verkauf der Firma im 2006 war es mir in der Radiovermarkter-Szene nicht mehr ganz so wohl.

Was mit dem neuen Besitzer PubliGroupe zu tun hatte?

Nein, Grund sind die Strukturen der Radiovermarktungslandschaft. Radiotele war lange Jahre praktisch alleine und exklusiv unterwegs und hatte dementsprechend gute Jahre. Mit dem Markteintritt der IP Multimedia hat sich das Geschäft grundlegend verändert. Seit letztem Jahr macht auch Mediasense den anderen Vermarktern das Leben schwer. Heute haben wir Wettbewerbsverhältnisse, bei denen es sehr schwer ist, nur zu den üblichen Tarifen Radiowerbung zu verkaufen.

Das heisst für den Radiovermarkter bleibt zu wenig Kommission übrig?

Der Tarif hat mit der Kommission für unsere Arbeit nichts zu tun. Das kommt aber dazu. Von Mediasense bekommen wir Radiovermarkter noch 7,5 Prozent Kommission. Von dem kann kaum ein Vermarkter leben. Zum Vergleich: als ich bei Radiotele anfing, waren durchschnittlich noch Kommissionen von ca. 20 Prozent üblich.

War früher alles besser?

Einfacher, weil Vermarkter und Radiosender harmonisch Hand in Hand arbeiteten. Heute ist die ganze Szene zerstritten. Die Devise heisst: jeder gegen jeden und Mediasense gegen den Rest. Durch die gegenwärtigen Verhältnisse können die Vermarkter gar nicht mehr verbunden unterwegs sein. Das Kunststück wäre es, dass man der gesamten Radiobranche genau gleich gut schaut wie früher, aber die heutigen Grabenkämpfe lassen das nicht mehr zu.

Ist die Harmonie auch gestört, weil hinter den grossen Privatsendern Verleger stehen, die sich auch in anderen Bereichen konkurrenzieren?

In der Deutschschweiz gehören die Privatradios mehrheitlich den Verlegern -- in der Westschweiz nicht. Und die Grabenkämpfe finden tatsächlich vor allem in der Deutschschweiz statt. Vielleicht wäre es einfacher, wenn die Besitzverhältnisse anders wären. Es scheint mir, dass den Verlegern ihre Blätter mehr am Herzen liegen als die Radiosender. Eine Vorwärtsentwicklung beim Radio könnte ja der Zeitung eine Seite Inserate kosten.

Kann ein Privatradio in der Schweiz ohne Medienhaus im Rücken noch langfristig überleben?

Gerade in der Westschweiz wird täglich der Beweis geliefert, dass es möglich ist. Allerdings braucht es im Hintergrund Leute, die über genügend Mittel verfügen. Nur mit Werbung kann ein Privtaradio wohl nicht überleben.

Dann wäre Roger Schawinskis Radio 1 ihr Musterbeispiel?

Sein Wiedereinstieg freut mich und tatsächlich zeigt er, wie es funktionieren kann. Schawinski hat aber den Vorteil, dass er seinen Sender in einem Gebiet betreibt, in dem viele Menschen bzw. Hörer leben. Wer im Grossraum Zürich keinen Erfolg hat, macht grundsätzlich etwas falsch. Im Jura oder im Emmental einen Sender zu führen, wo es weniger Ohren hat, ist viel schwieriger.

Für Spannung sorgt im Moment die Konzessionsvergabe für die Privatradios in Zürich. Welche Sender werden das Rennen machen?

Sicher habe ich Präferenzen, aber ich möchte keine Namen nennen. Wichtig ist, dass die Sender ein grosses Publikum haben. Sind die Radios erfolgreich, geht es auch den Vermarktern gut.

Halten Sie es eigentlich für richtig, dass eine staatliche Instanz darüber bestimmt, wer Radio machen darf und wer nicht?

Nein, ganz und gar nicht. Ich war schon immer Verfechter der freien Marktwirtschaft und würde eine Liberalisierung begrüssen. Der Beste soll das Rennen machen.

Kehren Sie dem Radio nun ganz den Rücken?

Es ist noch zu früh, um als Pensionär nur darauf zu warten, dass der Rasen wieder gewachsen ist, um ihn zu mähen. Es wäre schön, weiterhin in der Radiobranche tätig zu sein -- allerdings eher in beratender Funktion und sicher nicht mehr Vollzeit.

Treten Sie frustriert ab?

Aufgrund der erwähnten Verhältnisse bin ich nicht unglücklich darüber, nicht noch weitere zehn Jahre auf diesem Gebiet arbeiten zu müssen. Manchmal habe ich mich auch unbeliebt gemacht -- aber ich ich habe immer für das Radio gekämpft.

(Interview: Stefan Wyss)