"Markus Popp, was machen Sie besser?"

- Quizfrage: Für welche Schweizer Site weist die Wemf-Messung die meisten Page Impressions aus? Die Antwort ist überraschend: Keine Stellenvermittlung, die beste kommt erst auf Platz vier. Und auch keine Mediensite, wenngleich nzz.ch und tagesanzeiger.ch immerhin die Ränge zwei und drei belegen. Leader aber ist laut Net-Audit die Party-Site tilllate.ch. Wie kommt es dazu, was bietet die Site und wer steckt dahinter? "persoenlich.com" hat mit dem tilllate-Mitbegründer Markus Popp (Bild) gesprochen, der als Geschäftsleitungsmitglied für das Marketing verantwortlich ist. Das Interview:

tilllate.ch ist gemäss aktuellsten Wemf-Zahlen die Schweizer Web-Site mit den meisten Page Impressions -- noch vor nzz.ch oder tages-anzeiger.ch. Wie haben Sie das geschafft?

Hauptverantwortlich für die vielen Zugriffe ist unser Content-Konzept, das wir beim Start von tilllate vor vier Jahren entwickelten und das auf drei Säulen basiert: Party-Kalender, Party-Fotoalbum sowie verschiedene Community Features. Aus der Kombination dieser Angebote ergibt sich für unsere Nutzer eine Entertainment-Plattform mit täglich neuen Inhalten.

Was sind "Community Features"?

Kurz gesagt geht es um alles, was mit Interaktion und Kommunikation zu tun hat. Tilllate beherbergt eine Community von 61'000 registrierten, aktiven und regelmässig wiederkehrenden Mitgliedern, die sich mit verschiedenen persönlichen Informationen wie Alter oder Präferenzen beim Ausgang eingetragen haben. All unsere Members können nun im Community-Bereich unserer Site ihren Freundeskreis definieren, ihr eigenes Fotoalbum einrichten, mit anderen Members chatten und abmachen.

Und welche Angebote ziehen bei den Usern am besten?

Ganz klar das Zusammenspiel von Fotoalbum und Community Features: Erst sieht sich einer die Bilder an, später baut er sich eine Member-Page und tritt mit anderen Mitgliedern in Kontakt.

Sie tönen vage. Heisst das, dass Sie gar nicht so genau verfolgen, was Ihre User interessiert?

Es ist einfach schwer auseinanderzuhalten, denn beispielsweise Seiten im Partykalender dienen gleichzeitig als Vor- und Rückschau auf Veranstaltungen und Community-Zwecken. Da ist es dann nicht immer klar, ob die Leute Fotos anschauen, Party-Infos holen oder nachschauen, welche anderen Member an diese Party gehen werden. Insgesamt wissen wir aber, dass der Foto-, Member- und Community-Bereich am meisten genutzt wird.

tilllate ist nicht die einzige Party-Site. Was machen Sie besser als die Konkurrenz?

Ohne unbescheiden wirken zu wollen, darf man behaupten, dass die Innovationen jeweils von uns kommen, alle wirklich neuen Features entwickeln wir.

Das ist so weit mal eine Behauptung.

Die Erfahrung zeigt, dass die Konkurrenz immer erst hinterher kommt. Es ist noch nie passiert, dass andere etwas Bahnbrechendes erfunden hätten, was wir dann kopieren mussten. Im Gegenteil. Man muss aber auch sagen, dass es schon vor tilllate Eventkalender, Chats und Foto-Sites gegeben hat. Unser Haupterfolgsfaktor ist aber die Fusion aller Features zum erwähnten Drei-Säulen-Konzept, mit dem wir als "Erfinder" einfach am meisten Erfahrungen haben. Zudem sind wir von der Organisation her besser strukturiert: Wir sind als einzige Wemf-beglaubigt, und bei einem Pool von 220 frei schaffenden Fotografen kommt bislang niemand an uns heran, weder quantitativ, noch qualitativ. Professor Philip Kotler sagt ja in seinem Buch "Marketing der Zukunft", dass die digitale Welt keine Gnade zeige gegenüber Nachahmern, auch wenn die Produkte leicht zu kopieren seien. Das zeigt sich bei uns.

Wie gross ist ihre Reichweite?

Die Wemf-Messung weist sogenannte Unique Clients aus, also einzelne Besucher, die die Website anschauen; die bewegen sich zwischen 200'000 und einer Viertelmillion im Monat, gut ein Viertel davon ist als Member der Community registriert. Die exakte Reichweite haben wir bislang noch nicht erheben können, bewegen uns aber monatlich um die 15 Prozent in der Zielgruppe der 14-34-Jährigen. Wir können aber sagen, dass uns in der Kern-Zielgruppe der 18- bis 34-jährigen Partygänger kaum jemand nicht kennt – die klare Fokussierung auf dieses Alterssegment sehen wir als eine unserer Qualitäten.

Wie finanziert sich die Site?

Zum allergrössten Teil über Werbung, der Rest ist das Bereitstellen von technischen Lösungen und Auftragsreportagen. Damit rentiert tilllate, das übrigens vollständig eigenfinanziert ist, schon seit dem Beginn. Wenngleich wir als Privatunternehmen keine Finanzzahlen bekannt geben, kann ich doch sagen, dass unser Umsatz reicht, um sieben Voll- und 15 Teilzeitangestellen marktübliche Löhne zu bezahlen, eine IT-Infrastruktur mit zwölf parallel rechnenden Servern zu unterhalten und die sonstigen Betriebskosten eines KMU zu begleichen. Dabei bleibt ein anständiger Gewinn, der jeweils reinvestiert wird.

Stichwort "Werbung": Sie haben Ihren Tausender-Kontakt-Preis vor kurzem von den branchenüblichen rund 70 auf 20 Franken gesenkt. Mit solchem Dumping machen Sie doch den Markt kaputt!

Ich sehe das nicht wirklich als Dumping, sondern viel mehr als eine Anpassung an ein marktfähiges Niveau. Wir verzeichnen im Monat zwischen 25 und 30 Millionen Page Impressions -- ein Kunde, der auf unserer Plattform einen vernünftigen Werbedruck erzeugen will, müsste bei einem TKP von 60 bis 100 Franken Unsummen ausgeben, sonst ist die Gefahr gross, dass er die Kampagne auf der Seite selber nicht mal sieht. Mit der Preissenkung können wir nun bei gegebenem Budget einen wirkungsvollen Werbedruck bei unseren 200'000 Besuchern offerieren. Letztlich geht es also um ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Davon abgesehen werden andere Preismodelle wie etwa Fixplatzierungen immer beliebter; wenn man bei diesen einen fiktiven TKP ausrechnet, liegt dieser ebenfalls weit unter den althergebrachten 70 Franken.

Welche Ausbaupläne hegen Sie?

Zum einen forcieren wir derzeit unsere geographische Expansion: Nachdem wir in Ibiza, Manchester und Paris bereits heute Marktleader sind, wollen wir in diesen Ländern weitere Regionen erschliessen und den Verkauf von Werbeplätzen in Frankreich und England vorantreiben. Zum anderen entwickeln wir laufend neue Nightlife-Produkte, sowohl auf der Site für die Besucher, als auch für Veranstalter und andere Stakeholder.

Das tönt noch nicht sehr aufschlussreich...

Wir werden alle unsere Angebote noch interessanter machen. Die konkreten Pläne wollen wir aber noch nicht verraten.

Ihrer Site wird Seichtigkeit und Unterstützung des Narzissmus’ vorgeworfen. Wie leben Sie damit?

Relativ gut. Dass wir keinen wahnsinnigen redaktionellen Tiefgang bieten wollen und können, ergibt sich schon aus unserem Konzept als Unterhaltungs-Site: Wir möchten eine Art Foto-Service anbieten, wo man sich nach der Party sieht und trifft. Wir bieten "Happy-Pics", Erinnerungen, die den Kunden Freude bereiten sollen und die meisten Partybesucher sehen dies auch so. Dass dieses Konzept Narzissmus substanziell fördert, wage ich zu bezweifeln. Zudem gibt es bei uns nackte Party-Informationen: Wann, was, wo? Schöngeistige Veranstaltungs-Rezensionen hingegen überlassen wir gerne den Print-Journalisten, das können die besser, und bei uns würde das eh niemand lesen. Dass jemand dieses Konzept möglicherweise nicht so cool findet, bereitet mir keine Probleme. Zumindest hiess es ja im etwas reisserischen "Tagi-Magi"-Artikel vor zwei Wochen, die Leute seien süchtig nach tilllate. So falsch machen wir unsere Sache also offensichtlich nicht.

Wie steht es mit dem Aufriss? Als Fotografen stehen Sie ja geradezu in Pole-Position...

(Lacht) Unsere Geschäftsleitung, die auch immer wieder mal selber an Veranstaltungen auftaucht, ist bereits in festen Händen. Unseren Fotografen verbieten wir natürlich nicht, Leute kennen zu lernen. Doch wir haben strikte Richtlinien, die wir nötigenfalls auch konsequent durchsetzen. Denn eine Belästigung des Publikums müssen wir vermeiden. Dennoch glaube ich, dass die Richtlinien flexibel genug sind, dass das Fotografieren Spass macht.