Im Mai sorgt der "Klartext" in der Branche für ein Aufhorchen. Das Branchenmagazin konnte in Erfahrung bringen, dass die Chefredaktion des "Tages-Anzeigers" Martin Senn von der "NZZaS" als neuen Bundeshaus-Chef engagieren konnte. Nur knapp drei Monate später kommt es nun zur überraschenden Trennung. Wie entsprechende Recherchen von "persoenlich.com" ergaben, muss Senn seinen Schreibtisch kurz vor Ablauf seiner Probezeit räumen. Tamedia bestätigt die Recherche auf Anfrage. Gründe will man derzeit noch nicht nennen.
Langjährige "Tagi"-Insider sagten gegenüber "persoenlich.com", dass die Chefredaktion unter Druck gekommen sei. So hätten Mitarbeiter aus dem Bundeshaus- und Inland-Ressort mit ihrem Weggang gedroht, sollte Senn weiterhin für das Amt verantwortlich zeichnen. Intern werfen ihm Angestellte von "Bund" und "Tages-Anzeiger" ungenügende Führungsqualitäten vor. Auch der "Klartext" weiss mittlerweile mehr. "Das konnte nicht funktionieren, und Martin war nicht der geeignete Mann für diesen Posten", zitiert das Branchenmagazin Redaktoren, die den Vorgang aus der Nähe beobachten konnten. Senn sei die Sache "unsensibel" angegangen. Die Bundeshaus-Redaktion von "Bund" und "Tages-Anzeiger" steht interimistisch ab 1. September unter der Leitung von Patrick Feuz.
Martin Senn trat seine Tätigkeit als Chef der gemeinsamen Bundeshausredaktion von "Bund" und "Tages-Anzeiger" am 1. Juli an und nahm in der Redaktionsleitung beider Zeitungen Einsitz. Senn studierte an der Universität Bern zunächst Philosophie und Germanistik und erwarb dann das Sekundarlehrerpatent. Danach absolvierte er den Grundkurs am Medienausbildungszentrum MAZ in Luzern. Von 1986 bis 1991 war er Inlandredaktor beim "Bund", nach einem Studienaufenthalt in den USA und Tätigkeiten bei der "Weltwoche" und der "SonntagsZeitung" gehörte Martin Senn 2001 zur Projektierungs- und Gründungsequipe der "NZZ am Sonntag", wo er bis Juni 2009 als Ressortleiter Hintergrund und Meinungen sowie stellvertretender Chefredaktor wirkte.