Sie waren nur gerade neun Monate Chefredaktor des SonntagsBlicks. Warum gehen Sie? Und warum so schnell?
Ich glaube, dass ich beim SonntagsBlick viel bewegt und erreicht habe -- so etwa den Ausbau der Wirtschaftsberichterstattung, um nur ein Beispiel zu nennen. Jetzt müsste man weiter gehen, wofür ich aber nicht der richtige Mann bin.
Warum nicht?
Es bestehen verschiedene Ansichten über Führung und Strategie.
Konkreter?
Details darüber sind nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.
Sie haben nach der Borer-Affäre eine Zeitung mit einem Glaubwürdigkeitsproblem übernommen. Nach den gefälschten Texten von Lorenz Wolffers sagt nun manch einer "schon wieder!". Hat Ihr Rücktritt mit den Wolffers-Texten zu tun?
Nein, da besteht kein Zusammenhang. Ich bin mir sicher, dass diese Artikel die Glaubwürdigkeit nicht zusätzlich beeinträchtigen. Wir haben sauber und richtig gehandelt, transparent und unmittelbar informiert -- ich wüsste nicht, was man hätte besser machen können.
In der Redaktion glaubte man bei Ihnen ein zunehmendes Desinteresse zu verspüren. Auch soll Ihr offenbar wenig harter Führungsstil bemängelt worden sein. Wie sehen Sie das?
Ach wissen Sie, es wird viel geredet.
Bei Ihrer Anstellung baute man auf Ihre menschlichen Qualitäten, um die Redaktion nach den Borer-Wirren zu stärken. Jetzt wirft man Ihnen Profillosigkeit vor. Empfinden Sie das als ungerecht?
Diesen Anwurf kenne ich nicht.
Auch Ihr Vorgänger Mathias Nolte sass nur kurze Zeit im Chefsessel, es folgte ein ebenfalls kurzes Interregnum von Bernhard Weissberg. Wie ist der ideale Chefredaktor des SonntagsBlick beschaffen?
Auch hierzu will ich selbstverständlich nichts sagen.
Muss der SoBli-Chef eine "Kampfsau" sein?
Nochmals: Ich nehme hierzu keine Stellung.
Was werden Sie jetzt tun?
Ein Kollege, der in Brasilien weilt, hat mich eingeladen. Er lockt mich mit fünf Tickets der besten brasilianischen Teams. Als grosser Fussballfan ist das Angebot für mich betörend. Beruflich lasse ich die Zukunft erst einmal auf mich zukommen.
Handelt es sich bei Ihrer Kündigung demnach um einen kurzfristigen Entscheid?
Nein, er ist im Verlauf der vergangenen Wochen gereift. Als Kämpfertyp mache ich mir so einen Entschluss nicht leicht.
Es gab also ein Zerwürfnis mit Ihren Vorgesetzten?
Das kann ich nicht bestätigen. Wir haben einfach nicht zusammengepasst.
Wer könnte Ihr Nachfolger beim SoBli werden?
Da bin ich die falsche Adresse.