Matthias Ackeret feiert 10-Jahres-Jubiläum

In eigener Sache - Chefredaktor und CEO im Interview.

Am Montag, 3. September wird am Hauptplatz 5 in Rapperswil angestossen: "persönlich"- und persoenlich.com-Chefredaktor Matthias Ackeret feiert sein 10-Jahre-Jubiläum beim Verlag. Die Redaktion gratuliert herzlich und packt die Gelegenheit, um dem Chef in gewohnter persoenlich.com-Manier ein paar Fragen zu stellen, die das Team und hoffentlich auch unsere Leser interessieren.

Herr Ackeret, 10 Jahre im Minenfeld zwischen Werbegurus, Medienzaren und Strippenziehern aus der PR-Branche. Wie haben Sie das ausgehalten?

Das ist überhaupt kein Problem. Ich war vorher acht Jahre VJ bei TeleZüri und habe im täglichen journalistischen Nahkampf ganz andere Branchen erlebt. Im Gegenteil, ich hatte immer schon eine grosse Affinität zur Kommunikationsbranche, nicht zuletzt wegen meiner Dissertation, in welcher ich medienrechtliche Fragen behandelte.

Was muss man mitbringen, um in diesem Haifischbecken zu überleben?

Wenn man mittendrin steht, ist es sicher nicht immer einfach. Wir von “persönlich” sind weniger Akteure als Beobachter. Der Konkurrenzkampf in der Medien- und Werbebranche ist in den letzten 10 Jahren zweifelsohne härter geworden. Wir erleben durch das Aufkommen des Internets wirklich eine Zeitenwende, bewährte Lese- und Finanzmodelle werden plötzlich in Frage gestellt. Niemand weiss, wohin die Reise geht. Das tönt zwar banal, trifft es aber auf den Punkt, obwohl – und das finde ich das Schöne – gerade im Werbemarkt die gedruckten Medien allen Untergangsszenarien zum Trotz immer noch das Oberwasser haben.

Nun etwas ernsthafter: Sie sind nebenbei auch Buchautor, Moderator, Fernsehmensch - was reizt Sie weiterhin an "persönlich"?

“persönlich” ist das führende Medium in der spannendsten Branche. Diese Position wollen wir auch weiterhin behalten. Dank unserem Team ist dies möglich.

Eine Begegnung, ein Interview, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Das Interview mit Bild-Kolumnist Franz-Josef Wagner in Berlin, einen Tag vor dem Final der Fussball-WM 2006. Plötzlich setzt sich Franz Beckenbauer zu uns an den Tisch und diskutiert mit.

Sie äussern sich immer wieder sehr pointiert in Ihren Kolumnen oder im persoenlich-Blog. Gab es auch hier schon Reaktionen, die Ihnen für immer in Erinnerung bleiben werden?

“Für immer” ist ein grosses Wort. Als Kolumnist freue ich mich über jede Reaktion, egal ob positiv oder negativ. Wer sich ins Schaufenster stellt, darf die Zuschauer nicht fürchten.

Seit Anfang 2012 sind Sie nebst Chefredaktor auch noch Geschäftsführer des Verlags. Was waren Ihre ersten Schritte als CEO?

Wir planen derzeit einen aufwändigen Relaunch von persoenlich.com. Damit wollen wir unsere Position verteidigen, aber auch den neuen technologischen Entwicklungen Rechnung tragen. Verantwortlich ist Peter Schneider von Denon, welcher schon das bisherige persoenlich.com konstruierte. Anfangs 2013 starten wir mit der “restaurierten” Seite. Ab Montag beschäftigen wir zudem eine zweite Verkaufskraft. Dies ist für “persönlich” eine Premiere. Bislang hat unser Verlagsleiter Roman Frank alle Anzeigen und Banner alleine verkauft.

Wie wollen Sie die Marke und die Produkte von "persönlich“ weiterentwickeln?

Der Relaunch von persoenlich.com ist für uns enorm wichtig. Gleichzeitig freut es uns, dass wir für unser Heft anfang des nächsten Jahres neue Partnerverbände begrüssen können. Wir wollen sowohl in Print wie im Netz “der” Treffpunkt der Kommunikationsbranche sein.

Die Medien- und Werbebranche konzentriert sich deutlich in Zürich. Warum halten Sie am Redaktionsstandort Rapperswil fest?

Das ist historisch bedingt. Meine “alten” Chefs, Oliver Prange und Bruno Hug, waren in Rapperswil ansässig, der neue Verleger, die PubliGroupe, hat die Räumlichkeiten inmitten der Altstadt übernommen. Für mich ist dies - obwohl ich in Zürich lebe - kein grosses Problem. Wir Schweizer schwärmen doch immer von Amerikanern und ihren grossen Distanzen, die sie täglich bewältigen müssen. Haben wir hingegen einen Arbeitsweg von über einen halben Stunde, wird es schwierig. Ich kann mir trotzdem vorstellen, mit unserem Verlag irgendwann nach Zürich zu kommen. Momentan ist es aber kein Thema.

Teilweise kennen Sie die Leute eher als "Moderator von Teleblocher“ als als "persönlich“-Chefredaktor. Inwiefern freut oder stört Sie das?

Ich hatte in meinem “Vorleben” schon viele Rollen, während meiner TeleZüri-Zeit titulierte mich die “SonntagsZeitung” zum Beispiel einmal als “Schawinskis Zirkuspferdchen”. Mittlerweile werde ich selten auf Teleblocher angesprochen. Für mich ist dies auch keine politische Tätigkeit sondern eine journalistische. Es wundert mich, dass wir für diese Sendung, welche Pioniercharakter hat, seit fünf Jahren ausgestrahlt wird, rund 30'000 Zuschauer hat und wohl das meistzitierte Interview der Schweiz darstellt, noch keine Auszeichnung erhalten haben. Oder sogar einen Effie... (lacht)

Mit welcher Rolle identifizieren Sie sich am meisten (CEO, Chefredaktor, Buch-Autor, Moderator, Journalist…)?

Journalist.

Warum?

Nur wenn wir gute journalistische Arbeit leisten, können wir auch überleben.

Haben Sie noch weitere berufliche Ziele oder sehen wir Sie auch in 10 Jahren noch als "persönlich"-Chef?

Momentan bin ich mit meiner Tätigkeit glücklich. Ich war vergangene Woche im Leutschenbach und hatte – als ehemaliger Fernsehmann – keine Lust, dort zu arbeiten. Das ist für mich ein sehr gutes Zeichen und sagt viel über meine Motivation mit "persönlich".

Wie feiern Sie Ihr "persönlich"-Jubiläum?

Ich habe unser Team ins Dieci eingeladen. Das ist das Kaufleuten von Rapperswil. (lacht)

Interview: Corinne Bauer, Edith Hollenstein, Benedict Neff und Adrian Schräder.