Medialer Schlagabtausch

"Weltwoche"/"Tages-Anzeiger" - Köppel nimmt zum "Scoop des Jahres" Stellung.

Nachdem "persoenlich.com" die diversen Autorenabgänge bei der "Weltwoche" publik machte, griff der "Tages-Anzeiger" das Thema in einer Artikelserie auf. Für Gesprächsstoff sorgt derzeit ein Artikel der Online-Redaktion des "Tagi", der am Montag publiziert wurde. Der Autor warf Roger Köppel vor, Geheiminformationen zum Machtwechsel bei der UBS nicht veröffentlicht zu haben. Die "Weltwoche" habe Wochen zuvor gewusst, dass Oswald Grübel das Zepter bei der Grossbank übernehmen werde. Es wäre der "Scoop des Jahres" gewesen ("Tagi").

Für Roger Köppel ist der "Tagi"-Vorwurf eine ganze Editorialseite wert: "Die Weltwoche schreibt nicht alles, was sie weiss. Die betreibt keine Enthüllungen um der Enthüllungen willen. Sie ergötzt sich nicht am Kult der Indiskretion. Die Vorwürfe der Kollegen gehen von der irrigen Annahme aus, Journalisten hätten ein absolutes Recht auf die Durchbrechung der Privatsphäre. Wer Geschäfts- oder Amtsgeheimnisse publik macht, muss über höhere Motive verfügen als die blosse Gier nach News."

Weiter schreibt Köppel: "Im Fall UBS war die Relevanz der Informationen nicht gegeben. Es ist keine Story, wenn eine Firma, die schwere Zeiten durchmacht, hinter den Kulissen Personalszenarien durchspielt und Verhandlungen führt. Es besteht kein öffentliches Interesse an vertrau­lichen Gesprächen unter Verwaltungsräten, zwischen denen es, wen wundert’s, zu Meinungsverschiedenheiten im Alltag kommen kann. Ausserdem muss man sich bewusst sein, dass ein seit Monaten medial attackierter Konzern durch unbedachte Indiskretionen weiter beschädigt werden kann. Hätte die Weltwoche zur Unzeit die Grübel-Interna ausgeplaudert, wäre der Kandidat möglicherweise abgesprungen. Mit welchen Kollateralwirkungen? Eine Zeitung sollte sich nicht zum Sprachrohr ­betriebsinterner Machtkämpfe machen, die durch anonyme Quellen aus oft zweifelhaften Beweggründen angeheizt werden. Niemand hat ein Interesse daran, einer UBS durch Tratsch und Klatsch zu schaden."