17.02.2006

Studie

Medien beeinflussen Urteile über Wirtschaftslage stark

Bild berichtet unwesentlich weniger über Wirtschaft als FAZ.

Die Habilitationsschrift des Dresdener Kommunikationsforschers Lutz M. Hagen befasst sich mit dem Einfluss von Medienberichten auf die Konjunkturlage. Laut der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) wurde dieser Aspekt in der Forschung bis anhin stark vernachlässigt. Das Hauptergebnis der Studie ist, dass die "Medien die Urteile stark prägen, die in der Bevölkerung über die Wirtschaftslage herrschen".

Vor allem in der Fernseh-Berichterstattung findet Hagen einen "starken Negativismus". Dieser korrespondiere mit einer "sozialoptischen Täuschung". Die Bevölkerung nehme, so Hagen, "die gesamtwirtschaftliche Situation im Vergleich zur persönlichen Lage stets negativ verzerrt" wahr.

Erstaunlich ist, dass die Bild-Zeitung in drei von vier Ausgaben mindestens einen Beitrag zur Wirtschaftslage veröffentlicht. Damit liegt "die Zahl der Titelblöcke mit Urteilen über die nationale gesamtwirtschaftliche Entwicklung in der Strassenverkaufs-Zeitung lediglich um ein Viertel niedriger als in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Die NZZ kritisiert an der Studie jedoch das Alter der Forschungsdaten: Der empirische Teil der Untersuchung ist von 1992 bis 1997. Dies sei angesichts der "rasanten Entwicklung, in der sich Medieninhalte verändern und das Internet gerade im Bereich der Finanzkommunikation zum Leitmedium geworden" sei "arg lange" her.


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