Die Schweiz und Luxemburg sind für Medien in anderen mehrsprachigen Ländern keine Modellfälle. Für die gesellschaftliche Identität sind Medien in der eigenen Sprache wichtig, wie Fachleute am Samstag an einer Tagung in Bern festhielten. Tagungsteilnehmer aus Mazedonien, Moldavien, Serbien-Montenegro, Luxemburg und der Schweiz diskutierten laut einer Mitteilung der Organisatoren vom Sonntag die Situation der Medien in diesen mehrsprachigen Ländern. Dort gebe es jeweils Medien für alle Sprachgruppen, jedoch nur wenige mehrsprachige Medien. Medien für sprachliche Minderheiten kämpfen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Diese Medien können nur bestehen, weil internationale Organisationen oder der Staat sie unterstützen. Einig waren sich die Fachleute, dass Medien in der eigenen Sprache für die gesellschaftliche Identität wichtig sind.
Allerdings gebe es keine allgemein gültige Formel, wie Medien für Minderheiten zu organisieren sind. Weder die Schweiz noch Luxemburg können den Ländern in Osteuropa daher als Modelle dienen. Es braucht aus Sicht der Tagungsteilnehmer Zeit, bis sich eine funktionierende Zivilgesellschaft herausbildet. Die Toleranz zwischen Sprachgruppen setze eine gesunde wirtschaftliche Grundlage voraus. Mehrsprachige Medien seien wünschenswert, befanden die Fachleute. Doch es brauche dazu ein mehrsprachiges Publikum oder eine gemischtsprachige Produktion mit getrennten Programmen oder Ausgaben.