Medien stecken tief in der Krise

USA - Einbussen sogar im Internet.

Die US-Medienbranche rutscht immer tiefer in die Krise: Zeitungen verlieren weiter an Auflage, die Zuschauerzahlen der grossen Fernsehanstalten entwickeln sich negativ, die Hörerschaft der klassischen Radiosender schrumpft. Selbst bei der Internet-Nutzung für Informationen muss man Einbussen hinnehmen.

Einzige Gewinner sind neue Internet-Portale, Blogger sowie die Medien der ethnischen Minderheiten. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse des am Montag veröffentlichten Jahresberichts der "Columbia School of Journalism" an der Universität Columbia (New York) zur Lage der US-Medien.

"Die Veränderungen im Journalismus sind epochal", heisst es in der Studie. Angesichts sinkender Einnahmen sei vielfach der seriöse, daher oft aufwendige Journalismus bedroht. Ausserdem seien Journalisten nicht mehr die "Schrankenwärter" der Informationsströme. Die Webwelt öffne die Kommunikation in alle Richtungen.

Die Mediennutzung der Amerikaner verändere sich weiter, vor allem konkurrierten verstärkt alle möglichen Anbieter von Informationen mit den klassischen Medien. 2007 werde zunehmend von sinkenden Erwartungen der Medienbranche geprägt, heisst es in dem Analyse. Zeitungsauflagen, Aktienkurse der Medienhäuser und die Zahl der Zeitungsleser sind demnach im vergangenen Jahr weiter gesunken. Die Auflagen der Blätter habe 2006 um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr abgenommen, was einer deutlichen Beschleunigung des Negativtrends entspreche.

Auch die grossen Fernsehanstalten haben laut der Studie eine Million Zuschauer im Tagesschnitt verloren. Selbst die Zahl derer, die sich im Internet von Medien informieren liessen, sei von 34 Prozent im Juni 2005 auf 27 Prozent im Juni 2006 gesunken.

Auch konzeptionell gingen die Medien neue Wege: Viele Blätter würden sich stark aufs Lokale konzentrieren, selbst grosse Zeitungen wie der "Boston Globe" hätten ihr Auslandsnetz deutlich beschnitten. Andere versuchten mit starker Personalisierung und betontem Meinungsjournalismus attraktiver zu werden. Viele Zeitungen hofften, die Leser als Amateur-Reporter einbinden zu können.

Die US-Medienbranche, die in den vergangenen Jahren ihre Internet- Aktivitäten drastisch ausgeweitet hat, sei zunehmend enttäuscht über die Web-Einnahmen, heisst es. Kostenpflichtige Medienangebote seien am Markt kaum durchsetzbar, die Werbeeinkünfte blieben niedrig.