"Medien stehen nicht unter Heimatschutz"

- Nach einem Einbruch des Pressewerbeumsatzes von 600 Mio. Franken gegenüber Bestzeiten muss sich die PubliGroupe neu strukturieren. Doch der Aufschwung ist in Sichtweite. Dies glauben auch eine amerikanische und eine englische Finanzfirma, welche die "P" als ein Early-Cycle-Unternehmen erkannt und sich massiv an ihr beteiligt haben. Kann die "P" einem Raider zum Opfer fallen? Was ist im Pressewesen auf der Achse Bern, Aarau, Zürich zu erwarten? Welche Rolle spielt künftig die Telekommunikation für die Presse? PubliGroupe Generaldirektor Hans-Peter Rohner (Bild) gibt im neusten "persönlich rot" Auskunft. "persoenlich.com" bringt einen Ausschnitt:

Durch den Berner Pressehandel haben sich die bislang gegenüberstehenden Parteien PubliGroupe und Berner Zeitung angefreundet. Trägt diese neue Freundschaft nun auch in anderen Regionen Früchte, zum Beispiel in Solothurn?

Die Espace Media Groupe, welche die Berner Zeitung herausgibt, zählt Solothurn bekanntlich zu ihrem Einflussbereich. Die in Solothurn klar führende Solothurner Zeitung entschied sich aber für den Verbund der Mittelland Zeitung. Daraufhin gründete Espace als Kampfansage das Solothurner Tagblatt, dessen Erfolg ist aber -- gelinde gesagt -- überschaubar geblieben.

Aber 2006 läuft der Vertrag des Verbunds der Mittelland Zeitung aus. Er müsste dann erneuert werden. Wird die PubliGroupe als Aktionärin des Verlags Vogt-Schild, welcher die Solothurner Zeitung herausgibt, nun aufgrund des erfolgreichen Berner Pressedeals dafür votieren, dass sich die Solothurner Zeitung auch Richtung Bern begibt?

Wir sind Minderheitsaktionär und gedenken, dies auch zu bleiben.

Trotzdem: Was würde es bedeuten, wenn die Solothurner Zeitung nach 2006 zur Espace Media Groupe wechseln würde?

Die Mittelland Zeitung ist eines der erfolgreichsten Kooperationsmodelle in der Schweiz. Überdies sollte man in diesem Kräftespiel die Rolle der Zürcher Verlage nicht vergessen. Die Tamedia besitzt 49 Prozent der Berner Zeitung, die NZZ 40 Prozent des Bunds. Gleichzeitig ist die Tamedia Hauptlokomotive des Swisspools. Ich höre immer wieder, dass sowohl Tamedia wie auch NZZ verstärkt eine über Zürich hinausgehende Regional-Kooperationsstrategie entwickeln wollen. Langfristig stellt sich hiermit auch die Frage, ob die Mittelland Zeitung eher mit der NZZ oder dem Tages-Anzeiger kooperieren wird.

Soeben ist die PubliGroupe Mitglied des Verbandes Schweizer Presse geworden. Verstehen Sie sich mittlerweile als Verleger, nachdem Sie an vielen Verlagen beteiligt sind?

Nein. Wir hatten bis Anfang der Neunzigerjahre eine intensive und auch institutionalisierte Beziehung zum Verband Schweizer Presse. Durch die Neustrukturierung des Verbandes lockerten sich diese Verbindungen. Hingegen haben 90 Prozent der Verbandsmitglieder den Werbeteil ihrer Zeitung exklusiv der PubliGroupe verpachtet. Aus diesem Grund ist die Publi-Groupe nach Klärung aller Modalitäten assoziiertes Mitglied geworden und nimmt an allen Sitzungen teil, die den Werbemarkt betreffen.

Was erhoffen Sie sich von dieser Mitgliedschaft?

Der Leidensdruck der Verleger ist heute so gross, dass man gewillt ist, bei verschiedenen Branchenthemen vernünftige Lösungen zu finden. Da muss die PubliGroupe mit dabei sein. Wir interessieren uns für alle Angebotsgestaltungsfragen im Werbemarkt ebenso wie für Standards im Bereich der digitalen Anzeigenübermittlung.

Eine Aktie der "P" war vor zwei Jahren 2000 Franken wert, heute notiert sie bei etwa 240 Franken. Müssen Sie befürchten, einem Raider in die Hände zu fallen, zumal die PubliGroupe auf festen Fundamenten steht: einem marktkontrollierenden operativen Geschäft, einem breiten Beteiligungs-Portefeuille an Schweizer Verlagen und einem noch immer starken Immobilienbestand?

Das dürfte schwierig sein. Unser Aktionariat ist sehr stabil. Nebst der Familie Borter mit 10 Prozent ist die Stiftung Jean-Robert Gerstenhauser mit 11 Prozent langjähriger Akionär. Im letzten Dezember hat die amerikanische Private Equity Bank Tweedy, Brown Company LLC, eine alteingesessene Investitionskompanie aus New York, 7 Prozent unserer Aktien erworben. Im Juli dieses Jahres hat zudem die englische Investmentfirma Marathon Asset Management rund 5 Prozent unseres Aktienkapitals übernommen. Diese Investitionsfirmen glauben, dass wir ein so genanntes Early-Cycle-Unternehmen sind, welches auf einen möglichen Aufschwung sehr rasch und früh reagiert. Wenn jemand über längere Zeit gezielt Aktien aufkaufte, würde das sofort bemerkt, da das Handelsvolumen sehr gering ist. Die Konsequenzen auf den Aktienkurs würden nicht auf sich warten lassen.