Nachdem der Grossverleger Tony Ridder im Juni die zweitgrösste US-Mediengruppe "Knight Ridder" an den Regionalverlag McClatchy um etwa 4.5 Mrd. Dollar verkauft hat, halten Investoren den amerikanischen Zeitungsmarkt zurzeit für unberechenbar. Dass diese Einstellung nach wie vor aktuell ist, zeigt die Reaktion der Investoren vergangene Woche: Als die Gerüchte über einen möglichen Verkauf der New York Times Überhand nahmen, stiegen die Aktien der Zeitung um 4.2 Prozent auf 28.36 Dollar und hielten sich das ganze Wochenende auf diesem hohem Niveau.
Grund für die Nervosität im amerikanischen Printbereich sei die zunehmende Konkurrenz durch das Internet, berichtete gestern, Montag, die Financial Times. Vor allem das sinkende Anzeigengeschäft mache den Zeitungen zu schaffen: Derzeit würden zwar nur fünf bis zehn Prozent der traditionellen Verlagsumsätze in das Onlinegeschäft abwandern, mittelfristig werde sich dieser Anteil jedoch auf 50 Prozent erhöhen. Kurzfristig reagieren viele amerikanische Konzerne mit Kostenkürzungen und Stellenabbau auf die immer grösser werdende Konkurrenz aus dem Internet, wodurch wiederum interne Konflikte geschürt werden.
Auch deutsche Zeitungen in schwieriger Situation
Ob die Situation in Deutschland ähnlich sei, beantwortete Anja Pasquay, Pressesprecherin des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), im Gespräch mit pressetext: "Deutsche Zeitungen haben zwar durch das Internet Konkurrenz bekommen. Die derzeitig schwierige Situation der deutschen Zeitungen ist jedoch nicht nur allein durch das Internet zu Stande gekommen. So haben die wirtschaftliche Lage und strukturellen Probleme massgeblich dazu beigetragen". Seit dem Jahrtausendwechsel hat der deutsche Zeitungsmarkt etwa 30 Prozent der Umsätze verloren, die Situation wird aber besser.