Medienhäuser springen auf den DAB-Zug auf

- Allen Zweifeln am Erfolg von DAB zum Trotz: Mit Ringier, Tamedia und NZZ wollen drei grosse Medienhäuser künftig digitale Radiosender betreiben und haben entsprechende Projekte angekündigt oder sich gar um eine Konzession beworben. Ringier und Filippo Leutenegger, der Immo-Radio lancieren möchte, betreten als Radiobetreiber Neuland. Tamedia und NZZ kämpfen mit den Konzessions-Beschränkungen des neuen Radio- und Fernsehgesetzes. Die Hintergründe:

Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hat im letzten Jahr acht DAB-Konzessionen ausgeschrieben (DAB steht für Digital Audio Broadcasting). Die Ausschreibungsfrist ist Ende 2006 abgelaufen. Insgesamt haben sich 18 Interessenten um eine Konzession beworben. Unter den eingegangenen Gesuchen lässt Immo-Radio von Filippo Leutenegger aufhorchen. Der Sender wäre als Ergänzung zu "Neue Ideen“, dem Monats-Magazin für Hauseigentümer und Mieter, das der ehemalige CEO von Jean-Frey lanciert hat, gedacht. Ziel wäre es mittelfristig ein Vollprogramm aufzubauen, wie Leutenegger auf Anfrage von "persoenlich.com" erklärt. Inhaltlich kann er sich vorstellen, dass das Radio vor allem für die Beratung ein sehr geeignetes Medium darstellt. Sofern Leutenegger die Konzession erhalten würde, wäre der Sendestart relativ schnell zu erwarten, da für das Magazin die Infrastruktur bereits aufgebaut ist.

Im April 2007 tritt das neue Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt braucht man für den Betrieb eines Radio- oder Fernsehsenders keine Konzession mehr. Es genügt, beim Bakom ein so genanntes "meldepflichtiges Programm" anzukündigen. Leutenegger bemüht sich dennoch um einen der acht vom Bakom ausgeschriebenen Sendeplätze: "Entscheidend ist die Distribution." Damit verweist er auf das Recht auf Verbreitung, das man als Inhaber einer Konzession vom Bakom zugesprochen erhält. Zudem profitiert ein Konzessionär bei den Verhandlungen mit dem Distributor von kostenorientierten Preisen. Der Distributor darf nicht viel mehr als die Eigenkosten in Rechnung stellen. Ebenfalls kann das Bakom einem konzessionierten Sender Technologieförderungsmittel zusprechen.

Tamedia opfert UkW-Konzession nicht für DAB

Für Andreas Meili, Leiter Elektronische Medien der Tamedia, ist das Argument "Verbreitung" nur noch für den Betrieb eines Fernsehsenders wichtig. Eine Konzession werde aber mit der kommenden Umstellung von analogen auf digitale Sendernetze auch im TV-Bereich an Bedeutung verlieren. Tamedia hat beim Bakom zwei "meldepflichtige Programme" angekündigt, auf ein DAB-Konzessionsgesuch wurde verzichtet. "Bei der DAB-Technologie gibt es keine Verbreitungsengpässe wie beim UkW-Netz", so Meili. Zudem würden die preislichen Vorteile und möglichen Förderungsbeiträge die Vorzüge eines "Free Radio", das keinen Leistungsauftrag des Bakoms zu erfüllen hat, nicht überwiegen.

Tamedia hat aber laut Meili vor allem für eine DAB-Konzession keine UkW-Frequenz opfern wollen. Im neuen RTVG ist nämlich festgelegt, dass ein Medienhaus nicht über mehr als zwei Radio-Konzessionen verfügen darf. Mit Radio 24 und Radio Basilisk hat Tamedia damit das Kontingent bereits erschöpft. Noch seien zu wenige Zuhörer über DAB erreichbar, als dass sich eine DAB-Konzession auf Kosten einer UkW-Frequenz lohnen würde. Unter welchem Namen Tamedia die Radioprogramme lancieren will, steht gemäss Meili noch nicht fest: "Eine Option ist Radio 24, denkbar ist aber auch ein anderer Brand." Mit den neuen Programmen wolle man Spartenbereiche abdecken, die sich an ein spezifisches Publikum richten.

NZZ hat bereits eine Konzession zu viel

Die Freie Presse Holding (NZZ) hat ebenfalls mit dem neuen RTVG zu kämpfen. Mit den Beteiligungen an den Radios BE1, aktuell und Pilatus verfügt man bereits über mehr Konzessionen als künftig gestattet. Zusammen mit der Zürichsee Medien AG (Radio Zürisee) hat man trotzdem zwei Gesuche um eine DAB-Konzession eingereicht. Diese Bewerbungen sind inhaltlich identisch, unterscheiden sich aber in der Beteiligungsstruktur. Bei der ersten Variante ist die Freihe Presse Holding (FPH) Mehrheitseignerin und die Zürichsee Medien AG als Minderheitsbeteiligte aufgeführt. Beim anderen Gesuch sind die Anteilverhältnisse gegenteilig aufgegliedert.

Weil das Bakom aber schnell signalisiert hat, dass ein Gesuch mit der FPH als Mehrheitseignerin chancenlos ist, wurde die entsprechende Bewerbung zurückgezogen und das Projekt "Radio.ch" auch als "meldepflichtiges Programm" angekündigt. Mit dem zweiten Gesuch bemüht man sich aber weiter um eine Konzession. Ausschlaggebender Grund ist auch bei diesem Projekt der Vorteil der garantierten Verbreitung, wie Christoph Romer, Geschäftsführer von Radio Zürisee auf Anfrage von "persoenlich.com" erklärt.

Mit Ringier bemüht sich ein weiteres Medienhaus um zwei DAB-Konzessionen. Da Ringier noch keine Radiosender betreibt, stellt sich das Problem der Konzessionsbeschränkung nicht. Mit Bendicht Luginbühl hat Ringier den ehemaligen Programmchef von DRS 3 und Virus an Bord geholt. Er betreut die beiden Projekte "Cash Classics" und "Chartradio". "Cash Classics" will Ringier als Klassikradio mit Wirtschaftsinformationen konzipieren. "Chartradio" konzentriert sich auf die Musik der internationalen Hitparaden.

Das Bakom wird nun alle 18 Konzessionsgesuche prüfen und voraussichtlich noch im Januar mit der Anhörung beginnen. Wer den Zuschlag erhält, wird auf der Basis des neuen Radio- und Fernsehgesetzes im Frühling oder Sommer entschieden. Der Betrieb von "meldepflichtigen Programmen" ist frühestens ab April nach Inkrafttreten des neuen RTVG möglich.