Nicht nur die Städte hadern mit dem umstrittenen Minarett-Plakat der SVP. Auch die Medienhäuser tun sich schwer mit der Minarett-Kampagne. Noch hat das Pro-Komitee keine Anzeigen in der Presse in Auftrag gegeben, doch bereits verlautbaren erste Verlage, sie würden das Sujet mit den Moscheetürmen, die wie Raketen aussehen, nicht publizieren.
"Das vorliegende Inserat setzt Minarette und den Islam mit Gewalt gleich", erklärt Ringier-Sprecherin Prisca Wolfensberger auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnetz, "dies ist eine Herabwürdigung, weshalb wir dieses Inserat ablehnen." Die Publikation eines Inserats mit einem anderen Sujet oder ein reines Wortinserat des Initiativkomitees würde man allerdings prüfen. "Grundsätzlich bieten die Ringier-Publikationen Platz für die freie Meinungsäusserung und berücksichtigen daher verschiedene Positionen gleichberechtigt."
Auch in Bern hat man Mühe mit dem umstrittenen Plakat. "Ich tendiere aus ethischen Überlegungen zu einer Absage", erklärt Espace-Chef Ueli Eckstein von der Tamedia, der für die Belange des Verlags der Zeitungen "Bund" und "Berner Zeitung" verantwortlich ist. Er spricht von einem "Grenzfall". Sobald man eine Inserate-Anfrage erhalte, werde man eine genaue rechtliche Prüfung einleiten.
Ob auch andere Tamedia-Publikationen, etwa der "Tages-Anzeiger", oder "20 Minuten", auf eine Veröffentlichung des Sujets und damit auf Anzeigenerlöse verzichten wollen, ist noch unklar - und Sache der Verlagsleiter der einzelnen Publikationen. Sicher aber ist laut Christoph Zimmer, Sprecher der Tamedia, zu der auch Tagesanzeiger.ch/Newsnetz gehört: "Bei diesem Inserat werden die Zeitungsverlage ganz genau prüfen, ob ein Verstoss gegen das Antirassismus-Gesetz vorliegt."
Entscheidend sei, wie sich die weitere Debatte zur Minarett-Initiative entwickeln werde, so Zimmer. Insbesondere wolle man auch abwarten, wie die Stellungnahme der EKGR ausfällt. Zum Zeitpunkt der Publikation dieses Artikels waren die Verlagsleiter von «20 Minuten» und «Tages-Anzeiger» nicht erreichbar.
Nicht auf die Äste herauslassen, will sich derzeit die NZZ. "Wir haben noch keine Inserate-Anfrage zum Thema Minarette bekommen", erklärt Sprecherin Bettina Schibli. Sobald eine Anfrage eintreffe, werde man die Veröffentlichung in Absprache mit der Chefredaktion und Verlagsleitung prüfen. (Newsnetz, David Vonplon)