Medienkonzern weiter auf Einkaufstour

Springer - Mehrheit an Briefzusteller PIN übernommen.

Axel Springer forciert sein Engagement im Postgeschäft: Der Verlag sichert sich für 510 Mio. Euro die Mehrheit am Postdienstleister PIN Group und will sich so vor dem Ende des Briefmonopols der Deutschen Post auf dem Markt positionieren. Der zweitgrösste Anbieter im deutschen Briefmarkt nach der Deutschen Post soll schon bald durch weitere regionale Briefzusteller verstärkt werden. Neben der PIN Group gilt TNT Post als stärkster Konkurrent der Deutschen Post.

"Wir wollen gemeinsam mit den Altgesellschaftern und künftigen Neugesellschaftern von der weiteren Liberalisierung des Postgeschäfts profitieren", sagte Springer-Chef Mathias Döpfner am Donnerstag. Springer stockt seinen Anteil an dem Luxemburger Unternehmen zunächst von 23,5 Prozent auf 71,6 Prozent auf. Die Anteile kommen von den Mitgesellschaftern WAZ-Mediengruppe, der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und der Rosalia AG, die aber als Kooperationspartner mit Minderheitsanteilen im Boot bleiben wollen. Das Unternehmen werde weiter von Günter Thiel geführt. Im Laufe des Jahres sollen weitere Regionalzeitungsverlage ihr Postgeschäft einbringen. Der Springer-Anteil wird sich dadurch voraussichtlich wieder auf 63,7 Prozent reduzieren.

PIN wurde im September 2005 von Springer, WAZ, Holtzbrinck und Rosalia gegründet. PIN deckt nach eigenen Angaben 96 Prozent des Bundesgebiets mit eigenen Verteilnetzen oder über regionale Kooperationen ab. 2006 erzielte PIN 168 Mio. Euro Umsatz und will die Erlöse im laufenden Jahr mehr als verdoppeln. Der deutsche Postmarkt soll zum 1. Januar 2008 vollständig für den Wettbewerb freigegeben werden. Noch darf allein die Post Briefe bis zu 50 Gramm über die normale Zustellung befördern. Dienstleister wie PIN haben Lizenzen der Bundesnetzagentur, die ihnen auch die Zustellung dieser Briefe erlaubt. Jedoch müssen sie dafür Sonderleistungen erbringen, etwa eine termingenaue Zustellung, die Abholung der Post beim Kunden oder die satellitengestützte Verfolgung von Sendungen. (sda)