Medienleute rufen zur Kundgebung in Bern auf

Media Alliance - Journalistinnen und Journalisten aus der ganzen Schweiz wollen am 21. November in Bern gegen den Abbau in den Medienhäusern protestieren. Sie sehen die Qualität des Journalismus gefährdet. Wer dahintersteht und worum es geht.

von Nick Lüthi

Unter dem Motto «Journalismus retten – Demokratie verteidigen» mobilisiert eine bisher unbekannte Media Alliance zu einem Protestanlass. Die bewilligte Kundgebung soll am Samstag um 15 Uhr auf dem Berner Bundesplatz stattfinden.

Hinter dem Aufruf stehen Medienschaffende von Tamedia, Ringier, SRG, CH Media, NZZ und Tsüri.ch, aber auch von verschiedenen Lokalzeitungen sowie Freischaffende. Seit der Ankündigung am vergangenen Freitag hätten sich Hunderte Kolleginnen und Kollegen mit dem Aufruf solidarisiert, schreibt Pascal Scheiber, Reporter beim Blick und Vorstandsmitglied des Zürcher Pressevereins.

«Unsere Kundgebung soll ein Weckruf sein»

Der Appell richte sich an die Gesellschaft, die auf die Arbeit der Medienschaffenden angewiesen sei und ihnen vertrauen können müsse, teilt Lea Schüpbach, Redaktorin bei SRF und Vorstandsmitglied beim Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM), mit. «Unsere Kundgebung soll ein Weckruf sein», ergänzt Scheiber. Beide gehören zur Media Alliance und organisieren den Anlass mit.

Der Zusammenschluss versteht sich als politisch neutral. Konkrete Forderungen an Medienhäuser oder Politik nennt die Gruppe bisher nicht. Ein Programm soll demnächst folgen.

Auslöser sind die angekündigten Sparmassnahmen. Tamedia etwa hat am 5. Oktober die Streichung von 34 Vollzeitstellen angekündigt. Am 20. Oktober protestierten gegen 400 Personen vor dem Hauptsitz in Zürich. Bei SRF fallen rund 40 Stellen weg. «Dass Medienkonzerne stolze Gewinne erwirtschaften, ihren Aktionären Dividenden auszahlen und alleine in diesem Herbst Hunderte Medienschaffende auf die Strasse stellen, ist für die Arbeitnehmenden nicht verständlich», schreibt Scheiber.

«Schweizer Journalismus blutet aus»

SRF-Redaktorin Schüpbach sieht die Qualität des Journalismus in Gefahr. Viele Publikationen setzten nicht mehr in erster Linie auf überzeugende Inhalte, sondern auf Klickzahlen. «Wenn sich nicht bald etwas ändert, blutet der Schweizer Journalismus aus», schreibt sie. Als Beispiele nennt sie Nora Zukker, Literaturredaktorin des Tages-Anzeigers, und Susanne Brunner, ehemalige Auslandchefin von Radio SRF, die beide ihre Stelle verlieren. Zudem drohten kleinere Kantone zu «Newswüsten» zu verkommen, wenn alle Nachrichten nur noch aus Zürich kämen.

Zur Teilnahme rufen auch die Gewerkschaften Syndicom und SSM sowie der Berufsverband Impressum auf. Laut Schüpbach unterstützen sie die Anliegen der Gruppe. Der Protest gehe aber von den Medienschaffenden selbst aus, betont sie.

Ob die Media Alliance über den 21. November hinaus bestehen bleibt, ist offen. «Wir hoffen, dass es unsere Allianz danach nicht mehr braucht», schreibt Scheiber.