Medienminister kritisiert SRG

Leuenberger - Pochen auf Autonomie sei Ablenkungsmanöver.

"Die SRG hat die Tendenz, bei jeder Kritik -- an der Organisation, an den Ausgaben oder an Löhnen und Honoraren -- auf ihre Autonomie zu pochen. Doch das ist ein Ablenkungsmanöver", sagte Bundesrat Moritz Leuenberger im Interview mit "Sonntag". Ausserdem will er dem Gesamtbundesrat vorschlagen, die SRG-Honorare tiefer anzusetzen. Leuenberger: "Ja. Ich werde Beträge nennen, die von den Vorstellungen des Zentralrates abweichen."

SRG-VR-Präsident Jean-Bernard Münch sagte, wenn die Honorare nicht angehoben würden, fänden sich keine guten Leute mehr für den Verwaltungsrat. Dazu meint Leuenberger: "Das muss ja die Bisherigen vor den Kopf stossen und auch alle, die bereit sind, sich für die Allgemeinheit einzusetzen und dafür anständig, aber nicht extensiv entschädigt werden wollen." Nicht für alle Leute hänge das Selbstwertgefühl von der Höhe des Salärs ab.

Leuenberger äussert sich in "Sonntag" auch kritisch zur Rolle der Medien während des Wahlkampfs: "Die meisten Medien gaben vor allem das sehr professionell inszenierte Getöse der Wahlkämpfer und ihrer Organisatoren wieder. Sie hinterfragten die politischen Behauptungen der Parteien kaum und arbeiteten sie auch nicht auf."

Der Medienminister hat den Eindruck, dass sich die Medien instrumentalisieren liessen: "Vom angekündigten angeblichen Komplott bis zur angeblichen Widerlegung eines anderen angeblichen Komplotts wurde alles eins zu eins übernommen und verstärkt." Wahlen sollten nach Meinung des Bundesrates vor allem eine Auseinandersetzung sein mit den Leistungen der letzten vier Jahre und der Frage, welchen Kandidaten und Parteien man in Zukunft was zutraut. "Da hätten die Medien als kritische Begleiter tiefer zu schürfen."