Mehr Aktualität und Lifestyle

"wir eltern" - Chefredaktorin Nicole Althaus zum Relaunch.

Es gehört zu den ältesten Zeitschriften der Schweiz: Seit 89 Jahren informiert "wir eltern" Mütter und Väter über die Bereiche Schwangerschaft, Geburt, Erziehung und Entwicklung. Im Zuge der Übernahme der Vogt-Schild Medien AG im Jahre 2009 gelangte der Titel ins Portfolio der AZ Medien. Letzten Herbst stiess die mit dem Schweizer Medienpreis ausgezeichnete Journalistin Nicole Althaus als Chefredaktorin zum Team. Über die Neupositionierung des Hefts unterhielt sie sich mit "persoenlich.com":

Nicole Althaus, am Freitag erstrahlt "wir eltern" in frischem Glanz. Was ist neu?

Das neue "wir eltern" ist gemacht für Mütter, die mehr als eine Rolle spielen und für Väter, die zählen wollen, nicht nur zahlen. Es soll stärker als zuvor die Welt und Lebensrealität von Eltern in der Schweiz spiegeln, Probleme, die daraus erwachsen aufgreifen und in fundiert recherchierten Geschichten diskutieren. Neu ist das "minimag", ein konzentrierter Service- und Newsteil, als Auftakt des Heftes. Dort findet die Leserschaft neue Erkenntnisse aus den Bereichen Schwangerschaft und Geburt, Erziehung und Entwicklung aber auch Tipps und Tricks von Fachleuten.

Und zum ersten Mal in seiner Geschichte bekommt das Heft einen Lifestyle-Teil, welcher auch die schönen Seiten des Elternseins zeigt: wandelbare Kindermöbel, multifunktionale Kinderwagen, süsse Outfits, Ideen für die nächsten Familienferien, schnelle und gesunde Rezepte sowie ein Do-it-yourself-Tipp, die auch für Eltern mit wenig Zeit und handwerklichen Ambitionen umsetzbar ist. (Siehe dazu auch: "persoenlich.com").

Das optische Konzept hat Adrian Hablützel vom Atelier für Editorial- und Grafikdesign, artdepartement, in enger Zusammenarbeit mit der Redaktion erarbeitet. Er hat als langjähriger Art Director von Magazinen wie "annabelle", "Facts" oder "casual" grosse Erfahrung im Reportage- wie auch im Lifestylebereich mitgebracht.

Sie sind seit letztem September Chefredaktorin des Hefts. Was haben Sie inhaltlich erneuert und warum?

Ich habe vorab auf den Relaunch hingearbeitet. Inhaltlich den Schritt zu mehr Aktualität und Meinung, sprich zu journalistischeren Zugängen zu Themen forciert. Und einen neuen Stamm an freien Autoren und Autorinnen aufgebaut.

Wie sieht Ihr Team aus?

Das "wir eltern"-Team besteht aus sechs Teilzeit-Journalistinnen, die sich 350 Stellenprozent für den Print teilen. Zur Zeit sind wir alles Mütter - das ist aber kein Anstellungskriterium. In erster Linie muss man hier - wie in allen Magazinen - ein Gespür für gute Geschichten haben, sie richtig recherchieren können und schreiberisch interessant umsetzten. Ich greife vorab bei den freien Autoren für jedes Heft immer auch auf Männer und Väter zurück. Ich lege ein besonderes Augenmerk darauf, dass "wir eltern" nicht ein "wir mütter" bleibt. Aus diesem Grund habe ich mit dem Relaunch auch die Kolumne "Aus dem Vaterland" eingeführt, in der wechselnde Autoren ihre Positionen darstellen können.

Spiegeln sich die Neuerungen auch in gesteigerten Leserzahlen?

Die Erhebung der neusten Leserzahlen MACH basic 2010-1, erfolgte bis in den Herbst des letzten Jahres. Somit widerspiegelt sich die Neuausrichtung noch nicht in den vorliegenden Zahlen. Selbstverständlich blicken wir gespannt den Resultaten der Studie im Herbst entgegen.

Früher schrieben Sie für "annabelle" und "Facts", dann lancierten Sie den Mamablog für den "Tagi online" und immer noch widmen Sie sich ganz den Kindern und ihren Eltern. Was reizt Sie an diesen Themen?

Ich bin in einem Elternhaus aufgewachsen, in dem am Tisch diskutiert und politisiert wurde. Der gesellschaftliche Zugang zu Themen hat mich schon im Studium interessiert. In der Familie - als kleineste gesellschaftliche Zelle - lassen sich viele grossen Themen in unserer Gesellschaft diskutieren. Die Sorgerechtsdiskussion, welche die Schweiz zur Zeit führt, hat seinen Ursprung im gewandelten Vaterbild. Väter engagieren sich zu Hause heute stärker und wollen zu Recht juristisch in dieser Rolle nicht diskriminiert werden. Dasselbe gilt für die Quotendiskussion: Frauen sind heute den Männern gleichgestellt, sie haben dieselben Chancen und dieselbe Lohntüte - bis zum Moment, in dem sie in den Babyurlaub verschwinden. Wir brauchen keine Frauenförderung - wir brauchen Mütter- und Elternförderung. Genau diesen beiden Themen widmet sich die erste Ausgabe nach dem Relaunch.

Sie sind selbst Mutter zweier Töchter. Elternthemen zu Hause, Elternthemen im Job - reduziert Sie das nicht auf die eine Rolle: Mutter? Vermissen Sie nichts?

Würden Sie dasselbe einen Kinderarzt und Vater auch fragen? Ich habe schon zu Mamablog-Zeiten immer wieder betont, dass ich mich in meinem Job in der Rolle als Journalistin verwirkliche - nicht als Mutter. Ausserdem schreibe ich als Autorin, etwa für "clack.ch", auch über andere Themen.

Welches ist Ihre Vision fürs "wir eltern"?

"wir eltern" soll zum Seismographen der Befindlichkeit von Müttern und Vätern in der Schweiz werden. Und aus der Ecke der "Special Interest Magazine" heraustreten. Kinder haben ist kein Special Interest. Kinder hat die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer .

Interview: Christine Schnyder