Tamedia wandelt sich von einem Medienunternehmen zu einem Tech-Konzern. Das bedeutet, dass der Stellenwert der Medien im Unternehmen sinkt. Wie sich das auf die Arbeitssituation der Redaktionsmitarbeitenden auswirkt wird, wollte persoenlich.com von Gewerkschaft und Berufsverband wissen.
Für Christian Capacoel, Mediensprecher der Gewerkschaft Syndicom, ist die Umstrukturierung keine neue Entwicklung. «Aber es ist kein gutes Zeichen für die Druckabteilungen und die Medientitel.» Seit längerem sei es so, dass auf Abbau und Sparen gesetzt werde, diese Neuankündigung führe dies aber noch weiter.
Rendite-Druck auf Medientitel werde zunehmen
«Wir spüren, dass die Nervosität bei den Arbeitnehmenden hinsichtlich des Drucks auf die Stellen und die Arbeitsbedingungen zunimmt», so Capacoel gegenüber persoenlich.com. Dies komme auch daher, dass sich Tamedia der durch Gesamtarbeitsverträge abgesicherten Sozialpartnerschaft entziehe. «Wir können uns vorstellen, dass mit dieser Neustruktur der Rendite-Druck auf die einzelnen Medientitel noch zunimmt, obwohl Tamedia alleine im letzten Jahr über 120 Millionen Franken Gewinn gemacht hat.»
Die Namensänderung deutet Capacoel, dass die Verpflichtung hinsichtlich der Medien kein Kerngeschäft mehr sei. «Das sind aus unserer Sicht keine guten Zeichen für die Mitarbeitenden und die Medienlandschaft. Tamedia hat Dutzende von Medientitel aufgekauft und ist massgebend für die Ausdünnung der Medienvielfalt in der Deutschschweiz und in der Romandie verantwortlich.»
«Voraussetzungen für Verkauf geschaffen»
Michael Burkard, Zentralsekretär des Schweizer Berufsverband von Journalistinnen und Journalisten, mutmasst, dass mit dieser Umstrukturierung die Voraussetzungen geschaffen werden, die Mediensparte von Tamedia einst abstossen zu können. «Das wäre aber ein Albtraum, denn wir uns nicht zu träumen trauen», sagte Burkard gegenüber persoenlich.com.
Ein Verkauf der Medientitel wäre laut Burkard für das ganze System extrem heikel. Er betonte aber, dass solche Thesen zum jetzigen Zeitpunkt nur Spekulation seien. «Allerdings wollen wir Tamedia nicht nur kritisieren, sondern möchten auch betonen, dass wir die Entwicklung zu mehr internationaler Zusammenarbeit bei Recherchen begrüssen.»
Arbeitsbedingungen für freie Journalisten inakzeptabel
Impressum fordert ebenfalls, dass die Arbeitsbedingungen für Medienschaffende sich nicht noch mehr verschlechtern. Dabei müsse vor allem ein Augenmerk auf die regelmässigen freien Journalisten, die mit der Tamedia zusammenarbeiten, gelegt werden. «Deren Arbeitsbedingungen haben sich bereits in einem nicht mehr akzeptablen Ausmass verschlechtert», so Burkard.
Laut einer später herausgegeben Mitteilung von Impressum erwartet der Verband, dass Tamedia verstärkt in den Journalismus investierte. Die digitalen Marktplätze von Tamedia selbst hätten dazu beigetragen, «dass die redaktionellen Medien die meisten ihrer Anzeigen- und Rubrikenkunden verloren haben», heisst es in der Mitteilung von Dienstagnachmittag.
Gewinne sollen Journalismus stützen
«Es ist höchste Zeit und gerechtfertigt, dass nun die Gewinne aus digitalen Marktplätzen den immer noch hervorragenden Journalismus bei Tamedia wirtschaftlich stützen. Immerhin hat der Journalismus dem Unternehmen milliardenhohe Gewinne beschert und damit den Aufbau der digitalen Marktplätze erst ermöglicht», lässt sich Urs Thalmann, Geschäftsführer von Impressum, in der Mitteilung zitieren.
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26.11.2019 18:03 Uhr
26.11.2019 16:19 Uhr

