Am Samstag moderieren Sie die erste Sendung "Die grössten Schweizer Talente" im Schweizer Fernsehen. Auf was freuen Sie sich am meisten?
Ich freue mich auf den Moment, in dem ich endlich mit Freunden über die Darbietungen diskutieren kann - bis jetzt haben ja nur wir sie gesehen, und ich bin unendlich gespannt, wie sie auf das Publikum wirken.
Die Show lehnt sich ans englische Vorbild "Britains got Talent" an. Was macht die Schweizer Version besser?
Einfache Frage: Die Schweizer! Ich wusste bisher wirklich nicht, welche verborgenen Eigenschaften in den Eidgenossen schlummern. Ich bezweifle, dass in Grossbritannien Kühe auf der Bühne standen...
Sie moderieren gemeinsam mit Sven Epiney. Gibt es eine Art Rollenaufteilung oder wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Sven betreut alle Kandidaten über 1.70 Meter und ich die darunter... Quatsch, nein, das Format sieht eine Doppelmoderation vor, wobei ich sagen muss, dass wir in den vier Castingsendungen eher die kleine Rolle der Beobachter und Kommentatoren des Geschehens haben. Wir sprechen also miteinander über das, was auf der Bühne geschieht, aber natürlich auch mit den Kandidaten.
Sie sagten in einem Pressebericht, dass Sven Epiney mit ein Grund für ihre Zusage für den Moderationsjob war. Weshalb?
Eine Live-Show ist - um gleich beim Motiv der Sendung zu bleiben - eine Bergbesteigung. Einmal am Hang kann man nicht mehr umkehren, und man muss sich gegenseitig vertrauen können: man weiss, dass es der andere auch alleine schafft, sichert ihn aber gleichzeitig ab. Diese Komponenten sind bei Sven und mir gegeben - wir respektieren uns und kennen beide die Bergluft, was uns Raum für Spass und Improvisation gibt.
"Die grössten Schweizer Talente" ist nach "Music Star" die zweite Castingshow, die Sie im Schweizer Fernsehen präsentieren. Was reizt Sie an Talentshows?
Es ist wohl eher der Zeitgeist, der die Castingformate hervorbringt, und Zufall für mich. Die letzten zwei Jahre habe ich ja mit "SF Unterwegs" eine Reisesendung präsentiert. Das Schöne an Talentshows finde ich, dass sie den Menschen eine Plattform bieten, ihre Kunst zu zeigen. Vielleicht können sie für sich selber Aufträge generieren, oder inspirieren jemand anderen, ein Hobby aufzunehmen oder an sich selber zu glauben. Ich kann mir gut vorstellen, dass nach "Die grössten Schweizer Talente" der eine oder andere Turnverein Zulauf haben wird!
Sie waren bereits an den Jury-Castings im Dezember dabei. Auf was für Kandidaten dürfen sich die Zuschauer besonders freuen? Wer ist ihr persönlicher Favorit?
Ich möchte natürlich noch nicht viel verraten, um den Spoiler-Effekt zu vermeiden. Aber es gab eine Schlangenfrau, die mich aus den Socken gehauen hat. Eine Buschauffeuse hat mich zum Weinen gebracht und ein paar Berner Jungs haben mich mit einer Arie schier von der Bühne gefegt. Den Rest gibts diesen Samstag.
An den Castings war auch schon die Jury mit Christa Rigozzi, DJ Bobo und Roman Kilchsperger im Einsatz. Wie zufrieden sind Sie mit der Zusammensetzung? Was für Qualitäten bringen die drei in die jeweilige Kandidatenbeurteilung ein?
Ganz ehrlich? Ich war ursprünglich von der Zusammensetzung nicht so begeistert, fand sie zu wenig kantig. Wie man sich täuschen kann! Die drei haben sich sofort gefunden und ihren Job sehr ernst genommen. Unsere Jury hat es gottseidank nicht nötig, sich selber zu inszenieren, sondern hat allen Kandidaten und Kandidatinnen ein ehrliches, respektvolles Feedback gegeben. Wenn gelacht wurde, dann haben alle gelacht - Jury und die, die auf der Bühne standen, das fand ich toll. Zu den einzelnen Juroren: Roman ist wie gewohnt witzig und scharfzüngig, und ein Volksmusikkenner. Akrobatik und vor allem Rhönräder haben bei ihm allerdings einen schweren Stand. Christa ist eine Bombe. Ich glaube, "DGST" wird für sie ein riesiger Durchbruch. Sie ist sehr, sehr witzig - oder eben "luschtig", wie sie sagt. Bobo nimmt seine Aufgabe sehr ernst und ich glaube sogar, dass er die Kameras ab und zu vergessen hat. Den Jöh-Bonus gibt es bei ihm nicht, sondern er hat wirklich eine Mission: ein neues Talent zu finden.
Schlussendlich entscheidet das Fernsehpublikum darüber, wer weiterkommt. Bei Sendungen wie "Music Star" kamen so oft Kandidaten aus ländlichen Regionen weiter, weil dort die Mobilisierung eines ganzen Dorfes den Teilnehmenden zu tausenden Stimmen verhalf. Ist das befriedigend oder eher ungerecht?
Das ist doch eher ein gesamtheitliches Phänomen, das auch bei allen anderen Abstimmungen zutrifft, finde ich. Wenn man jemanden kennt, gibt man ihm seine Stimme -seis ein Regierungsrat, ein Dschungelbewohner oder ein Quartierpräsident. Ich habe überhaupt nichts gegen Lokalpatriotismus, ich bin ja auch Bernerin. Aber ich denke trotzdem nicht, dass jemand schlussendlich nur gewinnt, weil er aus einem bestimmten Kanton stammt. Das Gros der Zuschauer ist objektiver, als man denkt.
Hat man sich beim SF überlegt, der Jury mehr Mitspracherecht zu verleihen oder auch andere Kriterien in die Entscheidung einfliessen zu lassen? Was wäre ihr Vorschlag?
Ich kann leider keine Auskunft darüber geben, was sich das SF überlegt, da ich in diesen Schritt der Produktion nicht involviert bin. Ich selber bin der Meinung, dass der Status quo sehr gerecht ist, und alle Kandidaten dieselben Voraussetzungen erhalten. Wollte man da eingreifen oder regulieren, gäbe es ja keine Grenzen - haben Frauen die besseren Voraussetzungen als Männer? Kinder als Erwachsene? Brünetten vor Blondinen?
Nach dem schlimmen Unfall in der letzten "Wetten dass"-Sendung wurde Kritik an Unterhaltungsshows und auch deren Moderatoren laut. Kurt Felix forderte auf ("persoenlich.com" berichtete) einen Verhaltenskodex für solche Produktionen. Ihre Meinung?
Was bei "Wetten dass" passiert ist, war ohne Frage ein schlimmer Unfall. Ich bin aber nicht der Meinung, dass der Sender, die Redaktion oder die Moderatoren die Verantwortung dafür tragen. Ein Verhaltenskodex existiert für mich im weitesten Sinne bereits. Man vergisst oft, dass Fernsehen, und auch die Unterhaltung, journalistische Erzeugnisse sind. Auch wenn die Erklärung der Richtlinien für Journalisten eher auf den Nachrichtenbereich gemünzt sind, so bleibt für mich der Kerngedanke doch derselbe, nämlich der sorgfältige Umgang mit Inhalten - seien dies Hintergrundberichte oder eben auch künstlerische Auftritte. Die Würde des Menschen und seine Sicherheit kommen bei den Journalisten des Schweizer Fernsehens an erster Stelle.
SF hat nach dem "Wetten dass"-Unfall der Akrobatengruppe "Flyness" die Teilnahme an der Talent-Show verweigert. Gab es noch weitere Fälle, wo SF eingreifen musste?
Nein.
Mit was für einem besonderen Talent könnten oder würden Sie gerne in einer solchen Show auftreten?
Ich trete ja auf - mit meinem Talent, vor vielen Leuten gerade Sätze sprechen zu können. Sonst habe ich leider keine Ausnahmebegabung zu bieten.
Interview: Corinne Bauer