"Meine Aufgabe ist es, Peter Schellenbergs Vorgaben so menschenfreundlich als möglich umzusetzen."

- Eine Woche nach Amtsantritt musste SF DRS-Chefredaktor ad interim Ueli Haldimann (Bild) am Freitagmorgen seinen Mitarbeitern unter anderem das Ende vom "Mittagsmagazin" sowie "Schweiz Südwest" bekanntgeben. Beide Sendungen werden spätestens per Ende Jahr abgesetzt. Damit wird SF DRS voraussichtlich erstmals Kündigungen aus wirtschaftlichen Gründen aussprechen müssen. "persoenlich.com" wollte von Ueli Haldiman wissen, wo die Gründe liegen, aber auch, wie die Koordination zwischen den weiteren Newssendungen zukünftig aussehen soll. Das Interview:

Aus für das "Mittagsmagazin", Aus für "Schweiz Südwest" - was sind die Gründe?

Der Entscheid, die beiden Sendungen per Ende Jahr abzusetzen, ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass die SRG idée suisse SF DRS den Auftrag erteilt hat, 30 Millionen zu sparen. Dies vor allem wegen der gesunkenen Werbeeinnahmen. SF DRS hat seit langem die Strategie, die eigenen Mittel in der Primetime zwischen 18 bis 23 Uhr einzusetzen. Deshalb hat Peter Schellenberg jetzt eigenproduzierte Sendungen gestrichen, die tagsüber laufen.

Wieviele Mitarbeitende sind betroffen?

In meiner Abteilung sind rund 30 Vollzeitstellen betroffen, wobei es aber nicht so ist, dass ich jetzt 30 Kündigungen aussprechen müsste. Zum einen gibt es bei SF DRS ständig gewisse Fluktuationen. Bei beiden Sendungen arbeiten zum Teil sehr gute Leute, die in andern Redaktionen des Hauses begehrt sein werden. Wir planen unter anderem eine Jobbörse. Sollte es tatsächlich zu Entlassungen kommen, was bei SF DRS aus wirtschaftlichen Gründen erstmalig wäre, dann hat SF DRS eine faire Kündigungspolitik. Meine Aufgabe wird es jetzt sein, Peter Schellenbergs Vorgaben in meiner Abteilung so menschenfreundlich als möglich umzusetzen. SF DRS ist ein sozialer Arbeitgeber und wird sich entsprechend verhalten.

Ihnen kommt somit die Funktion eines Buhmanns zu, der kurzfristig 30 Millionen Franken einzusparen hat.

In unserer Abteilung sind es "nur" 10 Millionen, die 30 Millionen beziehen sich auf das ganze Haus. Es stimmt, ich war am Zustandekommen des Entscheids noch nicht beteiligt. Aber ich kann ihn nachvollziehen und stehe dahinter.

Eine Pendenz ist die immer wieder bemängelte Koordination zwischen den einzelnen Newssendungen. Was sind hier die nächsten Schritte?

Einer der Schwachpunkte im Haus ist tatsächlich die ungenügende Absprache zwischen Gefässen wie "Schweiz aktuell", "Tagesschau" und "10vor10". Aus diesem Grund habe ich die Tagesverantwortung seit dieser Woche selber übernommen. In Zukunft werde ich die Sendungen stärker verpflichten, sich an ihr Profil zu halten. Die Särke von "Schweiz aktuell" ist die Berichterstattung aus Kantonen und Gemeinden. Die "Tagesschau" bringt das Wichtigste in Kürze: relevante Themen und wenig Boulevard in einem kompakten Überblick. "10vor10" macht aktuelle Hintergründe und Magazinstories.

Sie sind von Fernsehdirektor Peter Schellenberg ad interim mit der Leitung der Chefredaktion beauftragt worden. Würde Sie diese Funktion auch längerfristig interessieren?

Ich habe mich nicht um den Interimsjob beworben; ich bin sehr glücklich als Redaktionsleiter der "Rundschau", deren Leitung ich behalte. Aber immerhin bin ich jetzt in der komfortablen Lage, ausprobieren zu können, ob ich die Aufgabe des Chefredaktors wahrnehmen kann und ob mir das Ganze Spass macht (lacht). Ob ich mich für bei der defitiven Stellenbesetzung bewerben werde, ist völlig offen.

Sie kennen ja nun durch Ihre Karriere sowohl den TV- als auch den Print-Bereich. Wo haben Sie Ihr Herzblut?

Eine schwierige Frage... Vor allem, da ich es immer gerade dort, wo ich bin, toll finde (lacht). Ich habe bei der Pendlerzeitung Metropol, die ich in ihrem ersten Jahr redaktionell aufgebaut habe, sehr geschätzt, dass alle alles gemacht haben. Ich habe die Mac-Welt kennengelernt. Ich habe gelernt zu gestalten und mit QuarkExpress zu arbeiten, was mir grossen Spass gemacht hat. Diese kreative Seite von Print hatte ich bisher nicht gekannt. Das journalistische Denken - was ist eine Story? - ist im Print und beim Fernsehen ziemlich unterschiedlich. Wenn ein Print-Journalist nach 15 oder 20 Jahren zum Fernsehen kommt, dann ist das meist mit grossen Schwierigkeiten verbunden. Ich habe gemerkt, dass ich inzwischen nur noch einen Schalter in meinem Kopf umlegen muss.