Seit dem 1. Mai werden auf der Wetterkarte von "Meteo" statt Basel, Zürich, Bern, Genf, Sitten, St. Gallen, Chur und Luzern kleine und den meisten Zuschauern gänzlich unbekannte Schweizer Ortschaften eingeblendet. Etwa Vex (VS, 1600 Einwohner), Lumino (TI, 1200 Einwohner) oder Courtepin (FR, 2998 Einwohner).
"Mit dem Wechsel der Ortschaften machen wir klar, dass wir die ganze Schweiz mit Wetterprognosen bedienen und nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Basel, Zürich, Bern und Genf", sagt Meteo-Chef Thomas Bucheli dem "Tages-Anzeiger". Die Änderungen kommen nicht überall gut an. Wenig begeistert ist Maurus Lauber, Marketingchef von Zürich Tourismus. "Es macht den Eindruck, die Auswahl basiert auf der Überlegung: Seht, wir haben noch einen Ort gefunden, den niemand kennt", sagt Lauber. Der Nutzen für den Zuschauer und geneigten Gebührenzahler sei fraglich. "Ein minimaler Bekanntheitsgrad bei den Ortsangaben müsste schon gegeben sein, denn bei Orten ganz ohne Wiedererkennungswert bleibt der Zuschauer ratlos", sagt Lauber.
Peter Wick, mit seiner Meteo News ein Konkurrent von Bucheli, beliefert ausser TeleBärn und TeleBasel sämtliche privaten Regionalsender mit Wetterprognosen. Er zweifelt an der Reinheit von Buchelis Idée Suisse. Für Wick ist klar, dass Bucheli neuerdings den Eindruck erwecken will, SF Meteo könne für jede kleine Region die gleich guten Prognosen senden wie die Regionalsender die Wick beliefert.
"Die rein zufällige Wahl der Ortschaften als Referenzpunkte zeigt das klar. Er spürt unsere Konkurrenz", sagt Wick. Ausserdem kriege Bucheli jeweils von den grossen Tourismusregionen "auf den Deckel", wenn die Prognose für ihr Gebiet zu schlecht war, weshalb er nun zur Ablenkung auch kleinere Orte anschreibe. Bucheli ist ob Wicks Darstellung irritiert: "Die Orte sind nicht zufällig ausgewählt, sondern Referenzpunkte in Wetterzonen. So können wir klarer zeigen, dass es zwischen Niederweningen oder Oberebersol Gewitter gibt, als wenn wir Zürich und Lugano anschreiben."