Die Gewinnmarge von Tamedia lag 2025 bei 3 Prozent. Das definierte Margenziel für 2026 liegt bei 8 bis 10 Prozent. Wie wollen Sie das erreichen?
Das Ziel ist ambitioniert, ich weiss – es ist aber bewusst so gesetzt, um uns zu zwingen, alte Strukturen loszulassen, auch wenn das schmerzhaft sein kann, wie beispielsweise die noch bevorstehende Schliessung des Druckzentrums in Zürich. Diese und weitere Massnahmen haben wir schon vor zwei Jahren angestossen und umgesetzt, um dieses ambitionierte Margenziel zu erreichen. Entscheidend wird unser digitales Wachstum sein.
Welche konkreten Massnahmen haben Sie bis 2027 definiert?
Unsere Hebel sind klar: Erstens unsere qualitativen Inhalte, zweitens wollen wir mutige und moderne Produkte entwickeln, und drittens legen wir den Fokus auf sehr gute Beziehungen zu unseren Abonnenten. Wenn wir diese drei Hebel konsequent umsetzen, ist das Ziel erreichbar – aber nur mit grossem Engagement und klarem Fokus.
Tamedia fokussiert sich strategisch auf die vier Kernmarken Tages-Anzeiger, Berner Zeitung, Basler Zeitung und 24 heures. Wie sieht eigentlich die Strategie für Titel wie etwa Finanz & Wirtschaft oder die Schweizer Familie aus?
Diese Fokussierung auf unsere Kernmarken bedeutet nicht, dass unsere weiteren Titel weniger wichtig wären – im Gegenteil. Unsere Magazine stehen gleichberechtigt neben diesen starken Marken. Titel wie Finanz & Wirtschaft und die Schweizer Familie haben sehr klare, starke Profile und erreichen spezifische Zielgruppen mit hoher Bindung. Unsere Strategie ist es, diese Stärken gezielt weiter auszubauen.
Wird es 2026 in den Redaktionen der vier Kernmarken zu einem Stellenabbau kommen?
Wir befinden uns in einer Phase der Transformation, und das bedeutet, dass wir unsere Organisation laufend überprüfen und anpassen. Anfang 2025 haben wir die Redaktionen neu organisiert; am 1. März sind wir in unserer neuen Organisation gestartet. Unser Fokus liegt dabei klar darauf, unsere publizistische Leistungsfähigkeit zu sichern und gleichzeitig effizienter zu werden. Technologie, insbesondere KI, wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Damit können wir unsere Wirtschaftlichkeit sichern und unabhängig bleiben. Denn unabhängige Medien sind die Voraussetzung für eine starke Demokratie. Aber Unabhängigkeit hat eine Voraussetzung: ein tragfähiges Geschäftsmodell.
Und wie tragfähig ist das noch?
Dieses Geschäftsmodell verschiebt sich gerade fundamental – weg von Print, hin zu Digital. Das heisst, wir schrumpfen im Umsatz Jahr für Jahr, weil die Disruption des Werbemarkts grösser ist als angenommen. Deshalb mussten wir in der Vergangenheit schmerzhafte Schritte wie die Schliessung von Druckzentren und die Restrukturierung der Redaktionen vornehmen und können – wie andere Medienhäuser auch – weitere Schritte in Zukunft nicht ausschliessen.
Tamedia will sich auf Angebote und Formate konzentrieren, mit denen man sich von der Konkurrenz differenzieren kann – alles andere wird automatisiert. Was heisst das genau?
Das Prinzip ist einfach: Alles, was uns publizistisch unterscheidet – also Recherche, Einordnung, lokale Nähe, starke Persönlichkeiten – das stärken wir gezielt. Alles, was standardisierbar ist, vereinfachen oder automatisieren wir. Das ermöglicht es uns, Ressourcen genau dort einzusetzen, wo sie den grössten Mehrwert für unsere Leserinnen und Leser schaffen.
Die Tamedia-Redaktionen setzen stark auf KI für die Erstellung ihrer Beiträge. Lässt sich der Effizienzgewinn schon messen?
Es ist richtig, KI spielt für Tamedia eine zentrale Rolle. Wir setzen KI nicht ein, um Journalismus zu ersetzen, sondern um unsere Journalistinnen und Journalisten zu unterstützen. Dabei geht es sowohl um Innovation in unseren Inhalten und Produkten als auch um Effizienz in redaktionellen Prozessen. So entlasten wir unsere Journalistinnen und Journalisten dort, wo es sinnvoll ist, und schaffen gleichzeitig mehr Raum für die Themen, die unsere Qualität wirklich stärken. Und ja, diese Effekte sehen wir – und sie sind auch messbar. Ein gutes Beispiel dafür ist unser Hyperlokal-Ansatz. Hier machen wir Inhalte auf Gemeindeebene mithilfe von KI erstmals sehr erfolgreich skalierbar.
Die Berner Redaktion zieht aus dem Dammweg aus – das Gebäude wird saniert und an Dritte vermietet. Profitieren Berner Zeitung und Bund von günstigeren Mieten am neuen, kleineren Standort?
Unser Ziel ist es, nah bei den Menschen zu sein und mit unseren Marken mitten in der Stadt prominent vertreten zu sein. Wir hatten in Bern die Gelegenheit, in komplett neue Büroräumlichkeiten zu ziehen und unseren Mitarbeitenden hochwertige Büros zur Verfügung zu stellen. Diese Chance haben wir genutzt, und wir konnten die Räumlichkeiten gar nach unseren Wünschen einrichten. Wir freuen uns sehr auf diesen Neustart mitten in der Stadt und darauf, unsere Berner Titel damit noch nahbarer machen zu können.
Wer profitiert vom Ertrag, wenn der Dammweg neu vermietet wird?
Die Liegenschaft gehört der TX Group AG und ist etwas in die Jahre gekommen. Sie wird ab 2027 totalsaniert und ab 2029 dann wieder neu vermietet. Das war uns eine zu lange Übergangszeit, und deshalb schauten wir uns nach neuen Möglichkeiten um. Das Haus wird danach erneut als Bürogebäude genutzt.
Sie führen Tamedia durch einen grossen Wandel. Was treibt Sie persönlich an?
Mich treibt die Überzeugung an, dass unabhängiger Journalismus eine zentrale Rolle für unsere Gesellschaft spielt, gerade in einer geopolitisch so anspruchsvollen Lage. Mein Ziel ist es – und das sage ich jetzt auch als Mutter von drei Kindern –, dass wir als Tamedia eine führende Rolle in dieser grossen Transformation einnehmen können. Ich bin überzeugt, dass wir die richtigen Voraussetzungen dafür haben, um diesen Weg erfolgreich zu gehen. Ich fühle deshalb eine grosse Verpflichtung, die mich antreibt.