Michael Ringier ist Medienmanager des Jahres

- Welche Medienmanager haben in der Schweiz 2006 am meisten bewirkt? Die "persönlich"-Redaktion hat sich zum Jahresende die wichtigsten Player nochmals genauer angeschaut und eine Klassifizierung vorgenommen. Bezeichnenderweise haben bei dieser Rangliste die Verleger immer noch das grösste Gewicht. Ausnahme ist die Wahl von Swisscom-Chef Carsten Schloter, der sich -- im Gegensatz zu seinen Kollegen -- ausdrücklich nicht als Medienmensch bezeichnet. Das Ranking ist auch in der Dezember-Ausgabe von "persönlich rot" erschienen.

Rang 1: Michael Ringier

"Michael Ringier hat Angst, gegen mich anzutreten", so Ringier-Berater und Alt-Kanzler Gerhard Schröder in der hauseigenen Zeitung Domo. Damit meint er allerdings nur das Tennisspiel. Der -- im doppelten Sinne -- grösste Schweizer Verleger bewies dieses Jahr grossen Mut zu Innovationen. Insgesamt vier neue Gratistitel hat Ringier auf den Markt geworfen, mit Heute und Cash daily zwei davon in der Schweiz.

Damit will Ringier -- mit leichter Verspätung -- auf den Gratiszug aufspringen, nachdem man 20 Minuten vor vier Jahren leichtfertig Tamedia überlassen hatte, was zu einem fast schon mantramässig heruntergeleierten Bekenntnis zur Bezahlzeitung führte. Diese strategische Änderung verdient Anerkennung, beweist es doch, dass sich der Verlag neuen Umständen durchwegs anpassen kann. Eine Fähigkeit, die bereits schon Ringier-Berater und Politgenie Schröder zu seinen Aktivzeiten perfekt beherrschte.

Rang 2: Martin Kall

Für Tamedia ist Martin Kall unbezahlbar. Obwohl er den Konzern mit seiner konsequenten, aber unschweizerischen Strategie durchgeschüttelt hat, befindet sich dieser wieder auf Vordermann. Aktionäre und Familie dürfte es freuen. Nicht zuletzt durch den Kauf von 20 Minuten ist der Gewinn in diesem Jahr auf 79,9 Millionen Franken angestiegen.

Für Tamedia ist Martin Kall unbezahlbar. Obwohl er den Konzern mit seiner konsequenten, aber unschweizerischen Strategie durchgeschüttelt hat, befindet sich dieser wieder auf Vordermann. Aktionäre und Familie dürfte es freuen. Nicht zuletzt durch den Kauf von 20 Minuten ist der Gewinn in diesem Jahr auf 79,9 Millionen Franken angestiegen.

Dass das soziale Image der Tamedia dadurch Risse bekommen hat, ist bei solchen Zahlen verschmerzbar, betont man an der Werdstrasse doch mit Nachdruck, dass durch die Regionalstrategie des Tagi und der Lancierung von 20 minutes Dutzende von neuen Stellen geschaffen wurden. Kalls Höhepunkt war der Auftritt an der internationalen Verlegertagung in Moskau. Sein Englisch war besser als dasjenige von Vorredner Putin, seine Perfomance auch, nur den Heimflug hat dieser nie verpasst. Gretchenfrage: Wie kommt er mit seinem neuen Chef Pietro Supino aus?

Rang 3: Hans-Peter Rohner

Der schlaue Appenzeller hat die damals vom Mief einer Einwohnerkontrolle umwehte Publigroupe in eine international ausgerichtete Netzwerk-Mediencompany gewandelt -- oder ist auf dem Weg dazu. Seine Väter haben sich in die Schweizer Medienlandschaft eingefressen, mit unglaublichem Erfolg. Aber die schrammt nun Eisberge. Deshalb ist das Gebot, zu internationalisieren und zu segmentieren.

Während andere zwischen Basel, Bern und Zürich kursieren, auch noch etwas in Chur, denkt er zwischen Shanghai, Bombay, Kuala Lumpur und New York. Daraus wird etwas entstehen. Hans-Peter Rohner als Chef der Publigroupe wird eingeladen, wenn in Südamerika die Mega-Medien-Mogule mit den Googles über die Zukunft debattieren. Drei Jahre später wird man davon dann in der Schweiz hören.

Rang 4: Roger Köppel

Hat er 1,2 Millionen Franken für die Weltwoche bezahlt, wie WOZ-Rechercheur Jürg Frischknecht behauptet, oder 8 Millionen, wie der hauseigenene Medienkritiker Kurt W. Zimmermann orakelte? Tatsache ist, dass man dies wohl nie so genau wissen wird. Klar ist aber, dass Köppels überraschende Rückkehr aus Deutschland an jenem heissen Julitag nicht nur die Fantasie der Branche anregte, sondern sie auch zu gehässigen Kommentaren (wie beispielsweise im Tages-Anzeiger) inspirierte.

Hat er 1,2 Millionen Franken für die Weltwoche bezahlt, wie WOZ-Rechercheur Jürg Frischknecht behauptet, oder 8 Millionen, wie der hauseigenene Medienkritiker Kurt W. Zimmermann orakelte? Tatsache ist, dass man dies wohl nie so genau wissen wird. Klar ist aber, dass Köppels überraschende Rückkehr aus Deutschland an jenem heissen Julitag nicht nur die Fantasie der Branche anregte, sondern sie auch zu gehässigen Kommentaren (wie beispielsweise im Tages-Anzeiger) inspirierte.

Unvergessen, wie ihm bei der Begrüssungs-Pressekonferenz der durch diesen Deal auch überraschte Jean-Frey-Chef Filippo Leutenegger das Mikrofon aus den Händen riss. Ob Köppel mit “seiner” Weltwoche Erfolg haben wird, hängt auch vom Umstand ab, wie der Chefredaktor und der Verleger in ihm kooperieren. Die WEMF-Zahlen 2007 werden für den Neoverleger zur ersten Bewährungsprobe.

Rang 5: Hanspeter Lebrument

Das Jahr begann für Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument schlecht. Seine Rede bei der traditionellen Dreikönigstagung entfachte den einhelligen Zorn der übrigen Vorstandsmitglieder und führte zu einer hoch emotionalen Krisensitzung. Lebrument schwor Besserung, sodass die diesjährige Verlegertagung in St. Moritz zu einem gelungenen Heimspiel wurde, bei welchem Duzfreund und Verteidigungsminister Samuel Schmid eine äusserst pointierte Rede hielt.

Auch geschäftlich lief es für Lebrument rund: Seine Südostschweiz startete mit grossem medialen Getöse ihre eigene Sonntagsausgabe. Dass es dabei auch Hiebe gegen die fremden Fötzel aus Zürich gab, gehört zur Lebrument’schen Folklore. Auch die Tatsache, dass sein ehemaliger Ziehsohn Stefan Bühler mit einem Konkurrenzblatt startet, muss den Patron nicht weiter stören. Da seine Medien darüber nicht berichten, weiss es im Bündnerland auch niemand.

Rang 6: Peter Wanner

Der Titel "Berlusconi vom Aargau" wirkte lange Zeit ironisch -- und war wohl auch so gemeint. Mittlerweile ist der richtige Berlusconi weg vom Fenster, während sich Wanners mediale Macht weiter verstärkt hat. Innert eines Jahrzehnts hat er mit seiner Mittelland Zeitung im publizistischen Niemandsland zwischen Zürich und Bern eine starke Marke geschaffen, die die Konkurrenz mit den sogenannten Grosszeitungen nicht scheuen muss.

Der Titel "Berlusconi vom Aargau" wirkte lange Zeit ironisch -- und war wohl auch so gemeint. Mittlerweile ist der richtige Berlusconi weg vom Fenster, während sich Wanners mediale Macht weiter verstärkt hat. Innert eines Jahrzehnts hat er mit seiner Mittelland Zeitung im publizistischen Niemandsland zwischen Zürich und Bern eine starke Marke geschaffen, die die Konkurrenz mit den sogenannten Grosszeitungen nicht scheuen muss.

Höchstwahrscheinlich dank eines Stillhalteabkommens mit Tamedia konnte er im Osten zusätzliche Konkurrenz durch einen Tagi-Split Limmattal verhindern. Nicht so im Westen. Wegen seiner Kooperation mit der Basellandschaftlichen Zeitung liegt er mit Verlegerkollege Matthias Hagemann von der Basler Zeitung in einem handfesten Clinch. Doch Wanner hat schon weitere Projekte im Köcher: Für die unmittelbare Zukunft plant er seine eigene Sonntagszeitung.

Rang 7: Erwin Bachmann

Um den Vierwaldstättersee wird weniger gekämpft als um den Zürichsee. Kaum ein anderes Medienhaus bricht in die von Bergen abgeschottete Innerschweiz ein. Umgekehrt hüpfen die LZ Medien auch nicht über die eigenen Grenzen hinaus. Darum hört man wenig von Erwin Bachmann, der 1987 beim damaligen Verlag Vaterland begann und seit vielen Jahren der operative Chef des Luzerner Medienhauses ist.

So fällt nicht auf, dass es sich hier um eines der rentabelsten Medienhäuser der Schweiz handelt. Die Luzerner erzielen einen Gewinn von 12 Millionen Franken. Das ist beachtlich! Umso mehr, als der Anzeigenumsatz von der Bestmarke Anfang 2000 von 70 Millionen auf 45 Millionen einbrach. Das musste kompensiert werden -- mit Ideen. Zum Beispiel mit einer Internet-Druckerei, deren Lizenz man jetzt in andere Länder verkauft. Vielleicht sollte die NZZ mal zu ihrer Tochter nach Luzern schielen, um zu sehen, wie man sich schön macht.

Rang 8: Carsten Schloter

Der neue Swisscom-Chef Carsten Schloter gebärdet sich als medialer Messias. "Hier kommt etwas Gutes", ist die Message seines Prestigeprodukts "Bluewin-TV", welches nach jahrelanger Verzögerung doch noch gestartet ist und dem Konsumenten eine Auswahl von über 100 Sendern inklusive Fussball- und Eishockeyübertragungen anbietet.

Der neue Swisscom-Chef Carsten Schloter gebärdet sich als medialer Messias. "Hier kommt etwas Gutes", ist die Message seines Prestigeprodukts "Bluewin-TV", welches nach jahrelanger Verzögerung doch noch gestartet ist und dem Konsumenten eine Auswahl von über 100 Sendern inklusive Fussball- und Eishockeyübertragungen anbietet.

Nicht zuletzt dank gütiger Mithilfe von Bakom und Preisüberwacher konnte Schloter auch seinen Dauerrivalen Cablecom kurzzeitig in die Schranken weisen. Schloters Kriegskasse ist gut gefüllt; mit seinen 12 Milliarden Franken könnte er alle Schweizer Printtitel zusammen problemlos aufkaufen. Dass dies in der Branche nahezu unbekannt ist, kann man Schloter nicht vorwerfen. Bei seiner Rede an der diesjährigen Verlegertagung blieb der Saal halb leer.

Rang 9: Dominik Kaiser

Zumindest eines hat 3+-Initiant Dominik Kaiser bereits geschafft: einen eigenen Eintrag im Internetlexikon Wikipedia. Loben jedenfalls muss man Kaiser für seinen Mut, mit einem eigenen, landesweit empfangbaren TV-Programm zu starten, nachdem damit zuvor bereits klingende Namen wie Roger Schawinski oder Jürg Wildberger gescheitert waren.

Über mangelnden Goodwill kann sich Kaiser nicht beklagen: Seine Vermarktungsfirma Cinecom hat zum Start eine Million Franken Werbegelder akquiriert, die Vorzeigeagentur Ruf Lanz eine äusserst attraktive Kampagne gestartet, und SF-DRS-Direktorin Ingrid Deltenre lässt sich zu einem lächerlichen Rechtsstreit wegen des Sendernamens provozieren. Nun liegt es nur noch an Kaiser, ein Programm zu kreieren, dass nicht nur wegen des Rausschmisses von Weltwoche-Kolumnist Mark van Huisseling für Schlagzeilen sorgt.

Zu guter Letzt: Conrad Meyer

Das Schlusslicht dieser Rangliste bildet Conrad Meyer. Nicht weil er es verdient hätte, unter den zehn Besten zu stehen. Die Platzierung ist mehr als Ansporn gedacht. Denn der Professor für Rechnungswesen und NZZ-Verwaltungsratspräsident hat den längsten Weg von allen vor sich. Er hat die beste Zeitung und die schlechteste Struktur.

Das Schlusslicht dieser Rangliste bildet Conrad Meyer. Nicht weil er es verdient hätte, unter den zehn Besten zu stehen. Die Platzierung ist mehr als Ansporn gedacht. Denn der Professor für Rechnungswesen und NZZ-Verwaltungsratspräsident hat den längsten Weg von allen vor sich. Er hat die beste Zeitung und die schlechteste Struktur.