Mick-Jagger-Interview war Fälschung

Blick - Journalist abgetaucht.

Ein fünfteiliges Interview im Blick mit dem Rolling-Stones-Frontman Mick Jagger hat sich als Fälschung erwiesen, wie der Blick in seiner Mittwochausgabe schreibt. Das Interview sei der Zürcher Boulevardzeitung vom deutschen Journalisten Robert Macher angeboten worden, der der Redaktion persönlich bekannt sei. Er sei nun aber offenbar abgetaucht, jedenfalls an seiner bisherigen Adresse nicht mehr erreichbar, sagte Blick-Chefredaktionsmitglied Ueli Walther auf Anfrage. Der Blick druckte das Jagger-Interview vom 9. bis 13. September ab. Teile davon sind auch in der holländischen Ausgabe von Penthouse erschienen.

Das Management von Mick Jagger hat Blick darauf aufmerksam gemacht, dass der Journalist Robert Macher nie ein Interview mit Jagger geführt hat. Macher habe das Interview nicht einfach von A bis Z erfunden, sondern aus verschiedenen Texten über Jagger "zusammengestiefelt", erklärte Walther. Er habe es aber "mit pikanten Details" angereichert. Bisher hat Macher, der laut Walther auch unter anderen Namen journalistisch tätig ist, selten für den Blick gearbeitet. Man werde versuchen, juristisch gegen den Journalisten vorzugehen, sagte Walther.

Macher habe kein Honorar für das Interview erhalten und werde nie mehr für den Blick arbeiten, wird versichert. Das Interview, aus dem auch ausländische Zeitungen zititiert hatten, werde aus dem Blick-Archiv entfernt. Es seien zudem "zusätzliche Sicherungsmassnahmen" eingeleitet worden, damit verhindert werden könne, dass künftig wieder eine Fälschung ins Blatt gelange.

Auch Fälschungen in NZZ am Sonntag und SonntagsBlick

Auch der NZZ am Sonntag und dem SonntagsBlick sind kürzlich gefälschte Artikel untergejubelt worden, wie die NZZaS in ihrer letzten Ausgabe mitteilte. Im März erschien ein Interview mit dem amerikanischen Schriftsteller und Anwalt Scott Turow über "die Todesstrafe und die Militärdoktrin der Eindämmung", das sich als Fälschung herausstellte. Der Schweizer US-Korrespondent Lorenz Wolffers habe nie mit Turow gesprochen, schreibt die NZZaS.

Der selbe Journalist soll auch den SoBli und die Juristenzeitung Plädoyer mit Artikeln getäuscht haben. Anfang September bot er dem SoBli eine Übersetzung eines Essays des New Yorker Journalisten David Margolick zum zweiten Jahrestags der Attentate vom 11. September an. Es stellte sich heraus, dass er den Text selbst geschrieben hatte und Margolick nichts davon wusste.

Auch für andere SoBli-Texte soll Wolffers Zitate aus dem Internet oder anderen Quellen verwendet und nicht mit den zitierten Personen selbst gesprochen haben. So in einem Artikel über den ehemaligen UBS-Wachmann Christoph Meili.

Gespräch mit US-Bundesrichter fingiert

Dem Plädoyer hatte Wolffers ein Porträt des US-Bundesrichters Antonin Scalia verkauft, mit dem er ein 45-Minuten-Gespräch geführt habe. Dieses beschriebene Gespräch hatte jedoch gar nie stattgefunden.

Im Jahr 2000 war aufgeflogen, dass der Schweizer Journalist Tom Kummer zahlreiche Interviews mit Hollywood-Stars, die unter anderem im Magazin des Tages-Anzeigers erschienen, frei erfunden hatte.