Mit Festplatten-Rekorder in den Massenmarkt

Cablecom - Gas geben vor dem Einstieg der Swisscom in das digitale TV.

Mit einem neuen Festplattenrekorder hofft der Kabelnetzbetreiber Cablecom, endgültig im Massenmarkt anzukommen. Die Kunden sollen durch einen elektronischen Programmführer angelockt werden, der das Aufnehmen wesentlich einfacher macht. Mit den neuen Funktionalitäten würden die Zuschauer unabhängig vom "Diktat der Programmanbieter", sagte Cablecom-Managing-Direktor Rudolf Fischer am Dienstag.

Neben der Aufnahme von ganzen Sendungen auf der Festplatte können die Zuschauer auch das laufende Programm unterbrechen oder während der Sendung zurückspulen, sagte der Verantwortliche fürs digitale Fernsehen bei Cablecom, David Salzmann. So wird es beispielsweise möglich, ein Tor im Fussball nochmals zu bejubeln

Kein Werbeblocker

Mit einem Festplattenrekorder lassen sich auch Werbeblöcke überspringen. Eine solche Funktion steht bei den Zuschauern zuoberst auf der Wunschliste: Gemäss Markterhebungen wollen 80 Prozent diese Möglichkeit.

Dies hat gravierende Folgen für TV-Sender, die vom Verkauf der Werbeblöcke leben: Denn jemand, der keine Werbung sehen wolle, werde sie bei einer aufgenommenen Sendung überspulen, sagte Fischer.

Wohl deshalb zeigt sich der neue Festplattenrekorder sehr zurückhaltend: Weder sendet Cablecom ein elektronisches Signal im Netz, welches die Werbeblöcke anzeigen und die Aufnahme unterbrechen würde. Noch bietet das Gerät eine Funktion zum späteren Ausschneiden der Werbung aus der Aufnahme an.

Cablecom steht hier unter Druck der Programmanbieter: "Wir können Disney nicht erklären, warum wir die Werbung rausschneiden", sagte Salzmann.

Geringer Anteil

Beim digitalen TV nahm die Zahl der Cablecom-Kunden bis Ende September 2005 im Vergleich zum Vorjahr um 28 000 auf 128 000 zu. Neuere Zahlen wollte Fischer nicht bekannt geben.

Angesichts von 1,5 Mio. Cablecom-Kunden beim analogen Fernsehen aber ist die Verbreitung von digitalem TV in der Schweiz klein. Der Marktanteil liegt bei 7 Prozent, verglichen mit 23 Prozent in Frankreich oder 42 Prozent in Grossbritannien.