Mit stehenden Ovationen in den Ruhestand

Hans Heinrich Coninx - Pietro Supino als Nachfolger gewählt.

An der Generalversammlung der Tamedia AG am Donnerstag im Zürcher Kongresshaus ging eine Ära zu Ende: Zum letzten Mal führte Hans Heinrich Coninx durch die Traktanden und übergab das Zepter an seinen Nachfolger und Neffen Pietro Supino. Sichtlich bewegt bedankte sich der Verleger beim Verwaltungsrat, Mitarbeitern und Aktionären für die 20-jährige Unterstützung seiner Tätigkeit als Verwaltungsratspräsident des Medienhauses.

Der Generationenwechsel im Hause Tamedia ist perfekt: mit grosser Mehrheit wurde Pietro Supino an der GV als Nachfolger von Hans Heinrich Coninx bestätigt. Der 41-jährige gelernte Jurist ist dabei alles andere als ein Zufallskandidat. Wie Coninx in seiner Rede betonte, sei man bereits vor vier Jahren überein gekommen, Supino der Generalversammlung zu gegebener Zeit für die Wahl in die obersten Führungspositionen von Tamedia vorzuschlagen. Er könne sich keinen besseren Nachfolger vorstellen, so Coninx zu den Aktionären. Mit Andreas Schulthess wurde am Donnerstag ein weiterer Neffe Coninx’ in den Verwaltungsrat gewählt.

Supino sagte in seiner Rede, dass es die Konstanten Professionalität und Offenheit seien, die es der Tamedia erlaubt haben, sich immer wieder einer veränderten Umwelt anzupassen und neue, zusätzliche Geschäftsfelder zu erschliessen. Nach dem erfolgreichen Markteintritt im Thurgau und in der Westschweiz wolle Tamedia weiterhin neue Märkte in der Schweiz und vielleicht sogar im Ausland erschliessen, so Supino zu den Aktionären. Seinen Onkel lobte er für sein Traditionsbewusstsein, seinen grossen Erfahrungsschatz und seine liberalen Haltung. Er sei ein Optimist, der überschaubare Risiken eingänge. "Ich glaube, dass diese Haltung eine deiner grossen Stärken als Verleger war, und ich wünsche uns allen auch eine Portion davon", so Supino zu Coninx.

Als besondere Überraschung und Abschiedsgeschenk würdigte die Tamedia Unternehmenskommunikation den scheidenden Präsidenten Coninx mit einem eigens produzierten Kurz-Film, der die Meilensteine des Unternehmens unter seiner Führung noch einmal Revue passieren liess. Aber auch die Rückschläge blieben nicht unerwähnt, wie zum Beispiel das Scheitern des Tamedia Fernsehsenders TV3.

Coninx bedankte sich in seinem Schlusswort vor allem bei den Tamedia-Mitarbeitern. Sie wurden für 2006 mit einer Gewinnbeteiligung von knapp 3'000 Franken pro 100 Prozent Stelle belohnt. Neben der positiven Konjunkturlage seinen vor allem sie für das gute Ertragsergebnis 2006 verantwortlich. Ein sichtlich bewegter Coninx verabschiedete sich von Mitarbeitern und Aktionären und schloss seine letzte Generalversammlung. Die Aktionäre verabschiedeten sich auf ihre Art: Mit stehenden Ovationen entliessen sie eine grosse Verleger-Persönlichkeit in den Ruhestand.

(Bericht: Catharina Steiner)