TV-Präsenz als Sprungbrett: Dass SRF-Moderatoren mit ihren Nebenverdiensten als Moderoren oder Dozenten zu Spitzenverdienern der Branche werden, sorgte im Frühling 2010 für grosse öffentliche Aufregung (persoenlich.com berichtete). Immer deutlicher wurde die Forderung: TV-Moderatoren sollen zur Kasse gebeten werden und einen Teil ihrer Zusatzeinkünfte abliefern. Im Zuge dessen rief der damalige Bundesrat Moritz Leuenberger zum Handeln auf: Er verlangte von der SRG, die Nebenverdienste zu regeln. Die SRG ihrerseits beteuerte damals, verschiedene Abteilungen seien bereits daran, einen umsetzbaren Vorschlag zuhanden der Geschäftsleitung zu erarbeiten. Es schien, als seien nur noch letzte Detailfragen zu klären.
Wie nun am Freitag die Tageswoche berichtet, foutiert sich die SRG um die bundesrätliche Forderung. Der von der SRG noch im Jahr 2010 in Aussicht gestellte Vorschlag liess auf sich warten, denn Dringlichkeit bestand plötzlich keine mehr, weil Moritz Leuenberger Ende 2010 von seinem Amt als Bundesrat zurück trat. Das Schweizer Fernsehen vertagte den Entscheid auf Frühjahr 2011 (persoenlich.com berichtete). Jetzt plötzlich stufte die SRG das Geschäft herab und neu auf "eine tiefe Priorität" und habe es schliesslich ganz versanden lassen. Auf Anfrage der Tageswoche erklärt die Medienstelle der SRG, die Sache sei längst erledigt. Als Beleg habe sie einen Auszug aus einem Interview mit Generaldirektor Roger de Weck in der "Schweizer Illustrierten" geschickt.
Deshalb können SRF-Stars wie Sven Epiney, Patrizia Laeri, Rainer Maria Salzgeber und Stephan Klapproth weiter ihrem lukrativen Nebengeschäft nachgehen. Sie müssen sich dabei aber, falls sie für Ihre Moderationen entschädigt werden, unentgeltlich bei Anlässen der SRG-Trägerschaft und ausgewählten gemeinnützigen Anlässen engagieren. Wie SRG-Mediensprecher Daniel Steiner gegenüber persoenlich.com erklärt, gibt es dazu jedoch keine Regelung, sondern ein Gentlemans Agreement. Roger de Weck habe dies begründet, so Steiner auf Anfrage von persoenlich.com und Steiner verweist wiederum - wie bereits auf Anfrage der Tageswoche - auf das Interview in der Schweizer Illustrierten vom 19. Dezember 2011. Steiner hält zudem fest, dass die von der Tageswoche erwähnten Verdienstangaben (zitiert aus Der Sonntag) völlig überrissen seien, und zwar um ein Vielfaches: "Rainer Salzgeber beispielsweise erreicht auch mit seinen zusätzlichen Moderationen nicht annähernd den Lohn des Generaldirektors." (tageswoche/eh)