"Moderieren lernt man nur beim Moderieren"

- Seit Ende August moderiert Tania Kummer an der Seite von Röbi Koller das Montagabend-Quiz "Zart oder Bart?". Bereits nach der ersten Sendung wurde die Moderatorin scharf kritisiert. Sie wirke "verkrampft" und "steif", ihr Outfit sei "schrecklich" und über die Rolle eines "intellektuellen Beistelltischchens" komme sie nicht hinaus. "Als die Kritiken auf mich einprasselten, befand ich mich in einer Stimmung, in der sie meinen Gefühlen widersprachen", räumt Kummer im Gespräch mit "persoenlich.com" ein. Das Interview:

Tania Kummer, Sie haben vor der ersten Ausgabe von "Zart oder Bart?" gesagt, obwohl sie nun schlagartig bekannt werden, würde sich bei Ihnen nicht viel ändern. Ist wirklich alles gleich geblieben?

Ja, in meinem Leben hat sich eigentlich nichts verändert. Es ist aber noch zu früh, um dies abschliessend zu beurteilen. "Zart oder Bart?" ist noch nicht lange zu sehen. Mein Gesicht hat sich in den Köpfen des Publikums wohl noch nicht soweit eingeprägt, dass ich nun überall erkannt werde.

Vor ihrem Debüt erhielten Sie Vorschusslorbeeren von SF selbst und auch die Medien erachteten es als cleveren Schachzug des SF, Sie an die Seite von Röbi Koller zu stellen. Hat Sie das besonders unter Druck gesetzt?

"Vorschusslorbeeren" ist ein klischiertes Wort. Ich empfand die Berichterstattung im Vorfeld des Showstarts nicht so. Die Medien zitierten meine bisherigen Tätigkeiten als Schriftstellerin und als Redaktorin beim Schweizer Fernsehen.

Wurde also fälschlicherweise eine gute Schriftstellerin automatisch mit einer guten Moderatorin gleichgesetzt?

Vielleicht wurde dieser Schluss gezogen, das kann ich nicht beurteilen. Meine Ansicht ist das sicher nicht.

Im Gegensatz zu den Medien bezeichneten Sie die Premiere von "Zart oder Bart?" als "extrem gelungen". Wie erklären Sie sich diese Differenz?

Ich verfiel nicht in Eigenlob und meinte damit meine Moderationsleistung. Ich war und bin aber der Meinung, dass wir das Konzept, welches zuerst nur auf dem Papier entstand, zu einer gelungenen Show entwickelten. Die Kritiken zur Sendung und zu meiner Person nehme ich zur Kenntnis und picke das für mich heraus, was ich für wichtig halte.

Waren Sie von der massiven Kritik an Ihrer Person überrascht?

Dafür arbeite ich schon zu lange für das Fernsehen. Zudem bin ich mir bereits von meiner Tätigkeit als Schriftstellerin her Kritik gewöhnt und weiss, dass diese unerwartet kommen kann. Unerwartet in dem Sinne, weil ich als involvierte Person einem Projekt gegenüber eine ganz andere Haltung habe als ein Aussenstehender. Ich weiss, wieviel Fleiss und Einsatz hinter meiner Arbeit für "Zart oder Bart?" steckt. Als die Kritiken auf mich einprasselten, befand ich mich in einer Stimmung, in der sie meinen Gefühlen widersprachen.

Sind Sie enttäuscht, dass bereits nach der ersten Sendung auf Sie eingeprügelt wurde?

Die Kritiken waren nicht durchwegs negativ. Es ist nicht meiner Beurteilung überlassen, ob man mich schon nach einer Sendung bewerten darf oder nicht.

Aber Sie können Kritik als fair oder unfair empfinden?

Schlussendlich geht es für mich darum, dass ich meiner Arbeit einen Wert beimesse. Würde mir meine Tätigkeit keinen Spass machen und hätte ich der ganzen Sache gegenüber keine guten Gefühle, würde mich die Kritik sicher mehr beschäftigen.

Kritisiert wurde unter anderem die Rollenverteilung zwischen Röbi Koller und Ihnen. Es hiess, Sie würden zu sehr in die Assistentinnenrolle gedrängt. Teilen Sie diese Einschätzung?

Nein, das tue ich nicht. Ich sehe mich nicht als Assistentin. Wenn mein Job darin bestehen würde, Röbi Koller in der Sendung ein Glas Wasser zu bringen, könnten wir darüber reden.

Ihr Outfit wurde als "schrecklich" bezeichnet. Fühlen Sie sich manchmal als Schaufensterpuppe?

Ich würde nichts anziehen, was mir nicht gefällt. Darum fühle ich mich in meinen Outfits auch wohl. Da auch ich gerne Lifestyle- oder Klatschheftli anschaue, bin ich die Letzte, die sich darüber mokieren darf, wenn meine Kleider kritisiert werden. Was ich allerdings nicht möchte, ist nur auf meine Kleider reduziert zu werden.

Was haben Sie sich für die weiteren Sendungen vorgenommen?

Ich habe die Rückmeldung erhalten, dass ich mich klar und verständlich ausdrücken kann. Das will ich beibehalten. Moderieren lernt man aber nur beim Moderieren. Die Entspanntheit im Umgang mit der Kamera lässt sich nicht beim Spazieren üben. Sie kann sich nur durch die Erfahrung vor der Kamera entwickeln.

(Interview: Stefan Wyss)