Mörder des Journalisten Dink gefasst

Türkei - Tausende demonstrierten.

Nach dem Mordanschlag auf den türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink ist am Samstagabend der mutmassliche Attentäter gefasst worden. Die Polizei hatte mit einem Zwei Tage nach der Erschiessung des armenisch-stämmigen Journalisten Hrant Dink in Istanbul hat ein türkischer Jugendlicher den anschlag gestanden. Der 17-Jährige wurde in der Nacht zum Sonntag festgenommen.

Die Polizei stellte ihn auf der Rückfahrt mit dem Bus in seine Heimatstadt Trabzon am Busbahnhof der ebenfalls am Schwarzen Meer gelegen Stadt Samsun. Dabei soll er die Tatwaffe bei sich getragen haben. Der mutmassliche Attentäter habe das Verbrechen gestanden, sagte Samsuns Generalstaatsanwalt Ahmet Gökcinar. "Ich bereue es nicht", sagte der Jugendliche türkischen Medienberichten zufolge.

Er sei "von Internetseiten beeinflusst" worden, die sich gegen den Herausgeber der türkisch-armenischen Wochenzeitung "Agos" richteten. Er habe dort gelesen, dass Dink gesagt haben soll, türkisches Blut sei schmutzig. Dink war die bekannteste Stimme der Armenier im Land und hatte sich für eine Aussöhnung mit den Türken stark gemacht. Er war am Freitag vor dem Redaktionsgebäude in Istanbul erschossen worden.

Der von Nationalisten angefeindete Journalist war im vergangenen Jahr wegen "Beleidigung des Türkentums" zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er hatte den Völkermord an etwa 1,5 Millionen Armeniern während und nach dem Ersten Weltkriegs im Osmanischen Reich als solchen bezeichnet.

Tausende demonstrierten

Unterdessen wurde Kritik an den türkischen Sicherheitsbehörden laut, die es versäumt hätten, den gefährdeten Journalisten zu schützen. Provinzgouverneur Güler wies diese Kritik mit dem Hinweis zurück, Dink habe keinen Personenschutz gewünscht. Nur an Prozesstagen sei ihm Polizeischutz zuteil geworden.