Bundesrat Moritz Leuenberger ist am Dienstagabend bei einem privaten Besuch in Solothurn mit dem Schauspieler Bruno Ganz zusammen getroffen. An einem Empfang an den Filmtagen unterhielten sich die beiden Zürcher anregend. Leuenberger hat sich anschliessend zusammen mit Ganz dessen Film "Der amerikanische Freund" von Wim Wenders angeschaut. Der Film läuft im Rahmen der Retrospektive, welche die Solothurner Filmtage dieses Jahr dem Schweizer Schauspieler widmen.
In einer Kurzansprache sagte Bundesrat Leuenberger, er habe als Politiker eine persönliche, 40 Jahre alte Verbindung zu Bruno Ganz. Ganz habe in der Aera Löffler am Zürcher Schauspielhaus zusammen mit Peter Stein am eigenen Leib erfahren, was schweizerische, präziser gesagt zürcherische Politik sein könne. Die damaligen Jagdszenen des etablierten Zürich gegen die Equipe des Schauspielhauses hätten sich nicht einfach gegen kulturelles Schaffen gerichtet, sondern gegen eine ganze Generation, die sich an der Gestaltung des Landes habe beteiligen wollen. "Eine in jeder Hinsicht erfolgreiche Arbeit wurde aus bornierter Ideologie sabotiert, verfolgt und schliesslich verunmöglicht. Wenn der Zürichberg seine brodelnde Lava ausspeit, kann es mitunter brutal und zerstörerisch werden", sagte Leuenberger.
Bild einer anderen Schweiz
Bruno Ganz sei mit den damals Vertriebenen solidarisch gewesen und habe Zürich und der Schweiz vorerst den Rücken gekehrt. Er sei zurückgekommen und habe am Bild einer andern Schweiz mitgearbeitet. Die schweizerische Kulturszene und damit eben auch die Schweiz seien in den letzten 40 Jahren anders geworden. "Eine kulturelle Veranstaltung wie die Solothurner Festtage ist auch eine politische Veranstaltung und die Präsenz von Bruno Ganz ist ein politisches Manifest", sagte Leuenberger. "Ich danke ihm, dass er gekommen ist." Insgesamt sind in Solothurn 13 Filme mit Bruno Ganz zu sehen, darunter die Dokumentation "Bruno Ganz -- Stationen einer Karriere" von Norbert Wiedmer über den Schauspieler selber. Dieser Film eröffnete die Retrospektive am Dienstag.
Über das Theater zum Film
Bruno Ganz wurde 1941 als Sohn einer Italienerin und eines Schweizers in Zürich geboren. Nach der Schauspielschule in Zürich kam Ganz zu Beginn der 70er Jahre an die Berliner Schaubühne, die mit ihrem Leiter Peter Stein bald zu einer Institution wurde. Zum Film kam Ganz über das Theater: Nachdem dem Team der Schaubühne mit dem Stück "Sommergäste" von Gorki ein weiterer Erfolg gelungen war, machte man 1975 daraus einen Film. Es war der Anfang einer beispielhaften europäischen Filmkarriere. Seine ersten Filme waren Literaturverfilmungen. Ganz drehte etwa mit Eric Rohmer "Die Marquise von O.", mit Hans W. Geissendörfer "Die Wildente", und mit Peter Handke "Die linkshändige Frau".
Adolf Hitler in 'Der Untergang'