Murdoch ringt im Abhörskandal um Milliardendeal

News Corp. - Poker um BSkyB.

Im Skandal um illegale Methoden britischer Zeitungsreporter kommen immer neue Details an Licht. Am Montag berichtete die BBC, der frühere Premierminister Gordon Brown soll von der "Sunday Times", einem als seriös geltenden Blatt aus dem Medienimperium von Rupert Murdoch, bespitzelt worden sein. Nach Informationen der BBC hat ein Reporter der "Sunday Times" mit sechs Anrufen bei einem Call Center persönliche Informationen über Brown ergaunert. Die Familie befürchte, dass auch Informationen über eine Krankheit von Browns Sohn Fraser erschwindelt worden sein könnten.

Sollte sich der Verdacht erhärten, wäre bereits das dritte Medium in Grossbritannien von dem Skandal betroffen. Neben Reportern der "News of the World" wird auch eine Königshaus-Reporterin der Nachrichtenagentur PA das illegale Abhören von Telefon-Mailboxen vorgeworfen. Am Sonntag hatte Murdoch sein Boulevardblatt "News of the World" im Zuge der Abhöraffäre schliessen müssen - nach 168 Jahren erschien die letzte Ausgabe.

Poker um BSkyB

Murdoch pokerte am Montag im Ringen um die Komplettübernahme des britischen Fernsehkonzerns BSkyB hoch. Er nahm sein Kompromissangebot zurück, den Nachrichtenkanal Sky News aus dem rund acht Milliarden Pfund schweren Übernahmepaket herauszulösen. Die britische Regierung überwies daraufhin den Fall zur Prüfung an die Wettbewerbskommission. Die wegen der Medienmacht Murdochs in Grossbritannien ohnehin umstrittene Milliarden-Übernahme war nach den Enthüllungen im Abhörskandal auf noch mehr Kritik gestossen.

Die Labour-Opposition und die Liberaldemokraten als kleinerer Partner in der Regierungskoalition von Premierminister David Cameron sehen in Murdochs Konzern News Corp. und dessen britischem Ableger News International keinen geeigneten Übernahmekandidaten für den grössten Medienkonzern der Insel.

Clegg: Murdoch soll Übernahme überdenken

Der Chef der Liberaldemokraten, Vize-Premierminister Nick Clegg, sagte am Montag zu Murdoch: "Tun Sie, was sich gehört und was vernünftig ist, und denken sie noch einmal über ihr BSkyB-Angebot nach." Camerons Konservative hatten den Deal dagegen bisher befürwortet. Clegg hatte sich mit den Eltern der 2002 im Alter von 13 Jahren entführten und später tot aufgefunden Milly Dowler getroffen. In der vergangenen Woche war ans Licht gekommen, dass Journalisten der "News of the World" Millys Mailbox angezapft und sogar Nachrichten gelöscht haben sollen, um Platz für neue zu machen.

Neben Milly sollen die Telefone von bis zu 4000 Prominenten, Politikern, Soldatenwitwen und Opfern von Terroranschlägen und Straftaten abgehört worden sein. Ausserdem sollen Bestechungsgelder an die Polizei gezahlt und Beweismittel unterschlagen worden sein.