MvH mit neuem Format und altem Selbstbewusstsein

"Weltwoche" - Sein hohes Einkommen sei "Abbild der Qualität des Angebots".

Herr van Huisseling, seit Anfang des Jahres bespielen Sie in Ihrem Stammblatt, der "Weltwoche", ein neues Format. Worum geht es?
Die Überschrift meiner neuen Kolumne lautet "MvH trifft". Darum geht es – interessante Leute zu treffen, mit ihnen spannende, lehrreiche und, vor allem, unterhaltende Gespräche zu führen und diese wiederzugeben.

Wie kommen Sie eigentlich an die Leute ran?
Einige Leute, die mit mir sprechen, kenne ich bereits. Andere gehe ich "kalt" an. Es ist ein Unterfangen, bei dem man viele Absagen bekommt und oft lange warten muss auf eine Zusage. Ein bisschen wie Versicherungen verkaufen, was ich auch einmal machte. Das Gute: Man sieht in der Zeitschrift und in meinem Gratis-Newsletter dann nur die, die zugesagt haben.

Neu bilden Ihre Texte den Abschluss des Heftes. Was ist mit der Hochzeitsrubrik passiert?
Die ist jetzt dort, wo früher meine "MvH-Kolumne" war, auf zwei Spalten, mit Bild.

Für Ihre Texte nehmen Sie eine Rolle ein: MvH, der coole Society-Löwe und supererfolgreiche Journalist. Wieso dieser Rollenwechsel?
Meinen Sie jetzt für die neue Kolumne, "MvH trifft" oder beziehen Sie das auf die alte "MvH-Kolumne"? Falls das Erste zutrifft: Es ist kein Wechsel, diese Rolle spiele ich seit über sechs Jahren. Falls es das Zweite ist: Ich denke, die Rolle des entmutigten Journalisten, der wenig aus der Redaktion geht, weil ihn ohne Byline keiner kennt, ist in der Schweiz bereits von vielen Kollegen besetzt. Vielleicht ist es auch keine Rolle.

Sie haben auch einen ziemlich eigenen Schreibstil entwickelt, mit Klammerbemerkungen und scharfen Seitenhieben. Hätte das nicht gereicht, um sich langfristig in diesem Metier zu etablieren?
Um Journalistendarling oder Branchen-bête-noire, je nachdem, wen man fragt, zu werden, hätte es gereicht, denke ich. Bloss zahlen Kollegen und Publizistikstudentinnen keine Honorare, also habe ich angefangen, eine Marke aufzubauen, die Auftraggebern und Kunden auffällt und, im Idealfall, gefällt.

Oft schiebt sich MvH in den Vordergrund. Im aktuellen Heft erzählt er etwa, er sei Millionär. Von Roman Camenzind, dem Interviewten, erfährt man hingegen nichts Neues. Wieso? Hat er nichts Spannendes erzählt?
Ich habe in seinen Antworten einiges Neues und viel Interessantes gelesen. Kommt dazu, dass er bekannter ist als ich und darum wahrscheinlich bereits mehr Angaben über ihn im öffentlichen Raum sind als über mich.

Sie haben in Interviews und in Ihren Kolumnen mehrfach herausgestrichen, dass Sie sich für den bestverdienenden freischaffenden Journalisten halten. Wieso ist Ihnen dies so wichtig?
Weil ich finde, dass zum Zeitpunkt, in dem man sich auf der beruflichen Laufbahn weiter hinten befindet, das Einkommen, das man erzielt, ein ziemlich unbeeinflussbares Abbild des Erfolgs und also der Qualität des Angebots ist.

Überdies: Sind es nicht verlegerische Tätigkeiten und prozentuale Anteile an den Anzeigenverkäufen der Sonderausgabe, die Ihnen schlussendlich das Geld einbringen?
Im Grunde schon. Aber alles, was ich tue, tue ich aus der Lage eines selbständigen Unternehmers, zu dessen Angebot freier Journalismus zählt.

Geben Sie den Journalisten da draussen doch ein paar Tipps: Wie verdient man heutzutage in diesem Job gutes Geld?
Fleissig sein. Kundennahe Geschichten schreiben sowie Zeitschriften machen – der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Und Glück haben.

Sie haben in der letzten Kolumne angetönt, dass Sie demnächst Harvey Weinstein treffen werden. Was werden Sie ihn fragen?
Nach der Telefonnummer seiner Frau, die ich sehr stilsicher finde – Georgina Chapman, eine Modedesignerin. Die tiefergehenden und für die Mehrheit der Leser interessanten Fragen überlege ich mir im Flieger nach New York.

Demnächst steht eine neue Buchveröffentlichung an. Was erwartet uns?
Ich durfte für Hoffmann und Campe ein Buch schreiben mit dem Titel "Zürich", weil dieser deutsche Verlag mit einer Reihe, in der Autoren über ihre Städte schreiben, Erfolg hat. Nachdem circa 20 Bände über Deutschland (und ein Band über über Salzburg) rauskamen, kommen jetzt einer über Basel (von Alain Claude Sulzer, einem Schriftsteller, der vergangenes Jahr auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises war) und einer, wie gesagt, über Zürich, von yours truly. Ich habe aufgeschrieben, wie ich Zürich finde, respektive was ich von der Stadt und den Bewohnern halte und so weiter. Und wo man hingehen/wohnen et cetera soll, und wo nicht. Das Kaufleuten kommt vor, und Ursula Koch auch – also eigentlich die Breite menschlicher Abgründe.

Interview: Adrian Schräder/Fotos: Tom Haller