"Nach ein paar Tagen gehört die Kamera zu deinem Leben"

3+ - Er passt wie die Faust aufs Auge: Lorenzo Leutenegger ist der aktuelle Quotenkönig des Schweizer Formatfernsehens. Als Bachelor lässt er auf 3+ die Frauen um sich buhlen. Kurz vor der siebten und letzten Folge am Dienstagabend unterhielt sich persoenlich.com mit dem Salesman von Goldbach Media über die persönliche Motivation, möglichen Imageverlust, Product Placement, seine "Mädels" und die Funktionsweise von Fernsehformaten dieser Art. Zum Interview:

Herr Leutenegger, sind Sie glücklich?

Glück ist schwer zu messen. Aber ja: Ich bin recht glücklich, würde ich sagen. Ich durchlebe gerade eine anstrengende, aber eben auch spannende und einmalige Zeit. Aber Sie wollen sicher etwas über meinen Beziehungsstatus wissen. Da müssen Sie sich noch bis am Dienstag gedulden. Dann wird sich alles klären.

Entspricht der Rummel Ihren Erwartungen?

Er ist weitaus grösser als ich erwartet hatte. Die Sendung hat mehr Anklang gefunden als vermutet. Der Bachelor erreicht einen deutlich besseren Wert als der Durchschnitt der Primetime von 3+. Die fünfte Folge hatte stolze 12,1 Prozent Marktanteil. Das hat mich natürlich sehr gefreut. Zusätzlich hat das Ganze auch in der Boulevardpresse ziemliche hohe Wellen geschlagen. Jeden Tag etwas über sich zu lesen, war neu für mich. Zum Teil waren auch die Fakten neu für mich (lacht). Will heissen: Da war auch viel Eigeninterpretation der Journalisten dabei.

Fernsehen ist Ihr Geschäft. Sie verkaufen bei Goldbach Media Werbesekunden für die Pro 7/Sat. 1 Gruppe. Nun haben Sie eine andere Seite des Fernsehens kennen gelernt. Wie war das?

Mein Geschäft ist die Kapitalisierung von Werbefläche. Fernsehen machen ist eine ganz andere Geschichte. Mich hat das Ganze aber auch aus einem professionellen Blickwinkel interessiert: Was läuft hinter den Kulissen ab? Wie setzt man so etwas um? Und wie baut man Product Placement geschickt ein.

Hauptsponsor vom Bachelor ist Minor. Wie nervig war das in Thailand bei 30 Grad ständig Schoggistängeli zu mampfen?

"Nervig" war’s nicht. Es war eine Herausforderung das einigermassen gut einzubauen. Ich selber bin nicht so der Schokoladentyp, deshalb gönnten sich die Girls ein paar Riegel mehr. Die waren chronisch unterzuckert. Grundsätzlich ist natürlich die Frage: Was macht das perfekte Product Placement aus? Ich glaube, das kann man so gar nicht sagen. Was man aber sagen kann, ist: Wenn’s nicht auffällt und es niemand sieht, dann war’s umsonst. Beim Bachelor hat man ganz klar darauf geachtet, dass das Product Placement jeder mitkriegt. Die Botschaft ist also angekommen. Ob sie gut angekommen ist und in erhöhte Verkäufe resultiert, kann ich nicht sagen.

Für 3+ sind Sie der perfekte Fang: Gutes Aussehen, gestählter Body, stehen mitten in Geschäftsleben, haben einen prominenten Vater. Was springt für Sie dabei heraus?

Dazu muss ich etwas ausholen: Ich wollte da erst gar nicht mitmachen. Mein Leben war eigentlich ganz okay. Und ich wusste, das würde einen toughen Eingriff in mein Leben bedeuten. Ausserdem war ich mir sicher, dass mein Daddy das nicht wahnsinnig toll findet. Und zudem gehört 3+ nicht zu den Sendern, die ich vermarkte. Blofeld, die PR-Agentur, die für 3+ die Medienarbeit macht, hat aber nicht locker gelassen. Ich habe eine gute Freundin, die dort arbeitet, deshalb kannten die mich.

Wie ging’s dann weiter?

3+ hat mich dann nochmals angefragt. Sie sagten: "Lorenzo, du passt wie die Faust aufs Auge!" Und mein Dad meinte, er hätte schon schlimmeres gehört als mit 21 Frauen in die Ferien zu gehen. Auch mein Freundeskreis und meine Vorgesetzten meinten: "Mach das! Du bist genau der Richtige!"

Was meinten die wohl damit?

Dass ich ganz dem Format entspreche, dass ich den Bachelor verkörpere.

 

(Bild) Beim Interview: persoenlich.com-Redaktor Adrian Schräder im Gespräch mit Lorenzo Leutenegger.

 

Was ist denn der Bachelor? Ein Sunnyboy? Ein Playboy?

Nein, nein, der Bachelor von 3+ ist ein aktiver, romantischer junger Mann, der 21 Frauen in die Ferien einlädt und aus ihnen seine Traumfrau aussucht. Ob das gelingt, werden wir sehen. Ich sage immer: I love it when a plan comes together. (lacht)

Aber was war denn nun wirklich der Reiz? Die Frau des Lebens in einer TV-Sendung zu suchen, kann ja nicht die Hauptmotivation gewesen sein...

Der Mensch ist ein Rudeltier und sucht immer nach Geborgenheit und Glück. So auch ich. Natürlich hat es mich auch gereizt mit 21 Frauen Urlaub zu machen. Und hinter die Kulissen zu blicken.

Und, wird viel geschummelt hinter den Kulissen?

Nein, es ist alles echt. Die Mädels sind wirklich so. Wenn Vanessa sagt: "Wenn ich der Bachelor wäre, würde ich mich am Liebsten immer selber daten", dann kommt das von ihr. Und wenn Larissa sagt, dass Vanessa eine "mega Matratze" ist, dann ist das auch sie. Die Mädels sind so. 3+ hat ein grossartiges Casting gemacht. Das muss man einfach sagen. Wenn das nicht stimmt, dann würde’s für den Zuschauer irgendwann langweilig.

Haben Sie sich je geschämt beim Zuschauen?

Ja, als ich für eine Kandidatin gesungen habe. Da war ich wirklich kurz davor 3+ anzurufen und sie zu bitten das rauszuschneiden. Hätten sie natürlich auch gemacht. Aber nach fünf Minuten hatte ich mich dann beruhigt. Ist doch lustig geworden! Ich hatte insgesamt schon zwei, drei Änderungswünsche, und denen sind sie auch sofort nachgekommen.

Das Casting war gut, sagen Sie. Trotzdem sind Sie dann Teil einer Castingshow und stehen einem sauber ausgewählten Arsenal von Frauen gegenüber.

Ich geben Ihnen recht: Man steht nicht 21 Frauen gegenüber, die alle das Potential haben, die eigene Traumfrau zu werden. Da sind natürlich dann auch Frauentypen dabei, die einem weniger gefallen. Aber das weiss man von Anfang an. Damit muss man halt ein umgehen können. Hauptsache es sind ein paar dabei, die man wirklich attraktiv findet.

Erklären Sie das doch noch mal für alle, die nicht im Fernsehgeschäft arbeiten oder selber schon bei einer solchen Show mitgemacht haben: Wieso kommen da echte Gefühle ins Spiel, obwohl alle bezahlt wurden, um dort zu sein und obwohl ständig ein grosses Fernsehteam um einen herumschwirrt?

Das kann ich relativ einfach erklären. Zwischen den einzelnen Sendungen liegen Welten. Mit der Zeit gewöhnt man sich einfach an die Kamera. Nach ein paar Tagen gehört sie zu deinem Leben. Das ist einfach die Atmosphäre. Man hat kein Handy, das ständig klingelt, man hat keine anderen Verpflichtungen, man hat kein Vorwissen und keine Vorurteile gegenüber den Anderen. Die deutsche Produktionsfirma Eyeworks hat vorher nichts rausgerückt. Man kann sich voll in das Abenteuer reinstürzen. Und das haben wir gemacht.

Aber mit einer realen Situation hat das doch gar nichts zu tun. Da wird doch ständig an einem rumgezupft, da werden Einzelstatements eingefordert.

Ja, aber trotzdem. Das erste romantische Date war mit Rachele. Das war noch nicht die Superlative an Romantik. Als ich dann mit Cam in dem schönen Restaurant im Liegen gegessen habe, war schon mehr da. Es ist ja auch eine schöne Situation: Man ist in einem tollen Land, es ist warm, es gibt leckeres Essen bei Kerzenlicht, neben dir liegt eine schöne Frau. Dann läuft das einfach.

Jetzt kommt die letzte Folge. Spätestens danach fängt das normale Leben wieder an. Haben Sie sich je überlegt, dass Ihnen die Rolle auch schaden könnte?

Ein gewisses Risiko besteht immer.

 

(Bild) Blickt er in eine grosse mediale Zukunft oder wird er von der Boulevardpresse schnell abgestempelt und ausrangiert?

 

Sie sind politisch aktiv, sind SVP-Parteimitglied.

Nein, ich bin nicht mehr politisch aktiv. Ich habe zwar mal für den Gemeinderat kandidiert und bin immer noch Parteimitglied, aber eigentlich ist die Sache für mich abgeschlossen. Das ist nicht so meine Welt. Da ging’s ständig um Kleinigkeit. Wer jetzt auf welchem Listenplatz steht und so weiter. Es geht irgendwie nicht voran. Ich bin schon eher der Macher.

Sehen Sie auch eine Zukunft für sich in den Medien? "Lorenzissimo" statt "Benissimo" vielleicht?

Im Moment sehe ich da gar keine Zukunft. Ich habe schlichtweg keine Idee und keine Zeit. Für mich ist es wichtig eine Basis zu haben: Meinen tollen Job bei Goldbach. Darin bin ich gut, da stecke ich meine Energie rein. Das hält mich auf dem Boden. Wenn ich ins Büro komme, ist der Bachelor ganz weit draussen und ich bin fürs Unternehmen im Markt unterwegs. Alles, was sonst noch läuft, ist einfach Zusatz.

Aber nehmen wir doch mal an, Sie haben nun Ihre Traumfrau gefunden. Vielleicht Rachele? Dann wäre doch als nächstes ein "Zuhause beim Ex-Bachelor"-Format fällig. Und danach eine Miniserie über die Hochzeit.

Es ist noch zu früh, um zu sagen, wo das hinführt. Ob wirklich eine lange Beziehung daraus entsteht und schliesslich eine Ehe. We’ll see. Wenn’s so kommt, dann wäre das durchaus eine Option.

Also sind die Medien nicht zur Sucht geworden?

Nein. Ich hatte zwar wirklich Spass an der Sache, ich glaube aber nicht, dass ich jemals wieder bei einem Format als Hauptdarsteller mitmachen werde.

 

Interview: Adrian Schräder / Bilder: Lukas Mäder (lukasmaeder.ch)

 

 

Die siebte und letzte Folge von "Der Bachelor" wird am Dienstag, dem 11. Dezember um 20:15 Uhr auf 3+ ausgestrahlt. Lesen Sie zu diesem Thema auch das Interview mit 3+-Chef Dominik Kaiser.