Auf dem deutschsprachigen Nachrichtenmarkt entsteht ein neues Agentur-Schwergewicht: Die Berliner Agentur ddp übernimmt den deutschen Dienst des Konkurrenten AP. Dafür werde ein "mittlerer zweistelliger Millionenbetrag" gezahlt, sagte ddp-Miteigentümer Martin Vorderwülbecke am Dienstag. Der Deal umfasse auch die AP-Töchter in Österreich und der Schweiz, erklärte Vorderwülbecke der Nachrichtenagentur Reuters. Die 110 fest angestellten Mitarbeiter würden übernommen. Beide Agenturen zusammen haben 250 fest angestellte Redaktoren.
Erklärtes Ziel sei es, dem Marktführer dpa Kunden abzunehmen, sagte Vorderwülbecke. ddp sei bereits mit vielen Zeitungsverlagen im Gespräch. Stark sinkende Anzeigenumsätze und die Abwanderung der Leser ins Internet haben viele Medienhäuser unter Druck gebracht. Um die Kosten zu senken, wollen einige auch ohne dpa auskommen. Genau diese Verlage sollen laut Vorderwülbecke mit günstigeren Preisen zu ddp/AP gelockt werden.
Nach der Übernahme sollen im neuen Konzern voraussichtlich bis zu 15 Stellen gestrichen werden, vorrangig in der Verwaltung, erläuterte der Manager, dem ddp zusammen mit Peter Löw gehört. An eine Zusammenlegung der beiden Dienste sei vorerst nicht gedacht. "AP ist eine eigenständige Agentur mit einem eigenständigen Profil, das wir erhalten wollen", kündigte er an. Zudem sei AP "nachhaltig profitabel" und müsse nicht saniert werden.
Als Teil des Geschäfts erwirbt ddp auch die Lizenz, sämtliche Inhalte des mehrsprachigen internationalen AP-Dienstes zu nutzen, für den rund 3'000 Journalisten in 250 Büros weltweit arbeiten. Die Verkaufsverhandlungen zwischen Löw und Vorderwülbecke und der AP-Zentrale in New York hatten sich wegen des komplexen Lizenzabkommens über Monate hingezogen. (sda)