Der Rhythmuswechsel von Stocks erinnert an den Beginn des Niedergangs von Dotcom-Publikationen wie dem amerikanischen Industry Standard. Ist das auch bei Ihnen der Anfang vom Ende?
Im Gegenteil. Die Massnahme ist ein Bekenntnis des Verlags zu Stocks. Damit hofft er die Zukunft des Titels zu sichern.
Die LeserInnen erhalten nun für das gleiche Geld nur noch halb so viel. Wie werden sie reagieren?
Das stimmt überhaupt nicht! Wir haben die Abo-Preise von 165 auf 115 Franken gesenkt, laufende Subskriptionen werden pro rata temporis fortgeführt -- schliesslich wollen wir unsere Abonnenten nicht verärgern. Die Rückmeldungen waren gemischt: Die Einen finden den Entschluss vernünftig, weil sie als Anleger auch nicht mehr jedem Trend nachrennen. Andere vermissen unser wöchentliches Erscheinen. Die meisten Leute verstehen aber, dass wir im gegenwärtigen Wirtschaftsklima Massnahmen ergreifen müssen. So gibt es meines Wissens auch noch keine Abonnementsauflösungen. Bei einem Abo-Anteil von 95 Prozent wird der Erfolg unserer Aktion allerdings erst mit der Zeit sichtbar.
Stocks steht künftig zwischen der aktualitätsbezogenen Tages- und auch Wochenpresse einerseits, und den hintergründigeren Monatstiteln andererseits. Da fallen Sie doch zwischen Stuhl und Bank.
Nein, denn im Anlagesektor besteht eine Chance für mehr Hintergrund, Analyse und Reflexion. Zumal wir durch unsere kurzen Produktionszeiten stark am Ball bleiben können. Aber natürlich ist die Umstellung auch ein Kompromiss.
Sie haben ein "erneuertes, den veränderten Märkten angepasstes Redaktionskonzept" angekündigt. Wie wird das aussehen?
Uns schwebt ein Ausbau vor, wir sind beim Planen aber noch nicht bei den Details. Die Entscheide fallen erst in den kommenden Wochen. Sicher ist, dass wir mehr Beratung, Service und Hintergrund bringen möchten sowie mehr Informationen über sogenannte "strukturierte Produkte" wie Zertifikate und Derivate. Letztere weisen einen grossen Erklärungsbedarf auf, da können wir eine wichtige Brückenfunktion zu den Banken wahrnehmen. Aber auch bei den Fonds und im Makrobereich Obligationen, Zinsen, Währungen -- wollen wir künftig mehr bieten. Hinzu kommen Interviews, Veränderungen in der Rubrik "Lifestyle" sowie ein neues Heft-Cover. Man muss aber klar sehen, dass Stocks eine Erfolgsmarke ist, wir werden daher nicht leichtfertig alles umstellen. Unser Kernthema ist und bleibt die Hilfestellung für private, relativ vermögende Anleger, die uns auch lesen, um ihren Finanzberater zu verstehen. Zu diesem Bevölkerungssegment beweisen wir in der Leserschaftsforschung eine grosse Affinität.
Werden Sie bei der nächsten Börsen-Hausse wieder ausbauen?
Natürlich wäre eine Rückkehr zum Wochenrhythmus wünschbar, und wenn bei den Anzeigen längerfristig wieder Verhältnisse absehbar wären, wie sie vor drei oder vier Jahren herrschten, könnte man über eine Aufstockung reden. Derzeit sieht es allerdings nicht nach einem Trendwandel aus.
Die Redimensionierung könnte einen Image-Schaden bewirken. Wie haben denn die Anzeigenkunden reagiert?
Mit Verständnis. Schliesslich haben die ja als erste die Frequenz der Schaltungen heruntergesetzt -- wir haben diesen Schritt bloss redaktionell nachvollzogen. Häme verspüren wir jedenfalls keine, geht es derzeit doch allen schlecht. Jenen Kunden, die verunsichert sind, versuchen wir, unsere Situation zu erklären.
Ihr Verlag spricht von einer "markanten" Kostensenkung. Immerhin sinken aber auch die Anzeigenerlöse. Wie sieht das Resultat konkret aus?
Die grössten Kosten verursachen bekanntlich Druck, Produktion und Vertrieb. Die werden bei einem Zweiwochenrhythmus halbiert. Hinzu kommt der Abbau in der Redaktion. Unter dem Strich dürfte die Einsparung etwa bei dreissig bis vierzig Prozent liegen.
Wie viele Kündigungen werden denn ausgesprochen?
Mit zehn Journalisten verfügen wir bereits über ausgesprochen schlanke Strukturen. Wir werden deshalb beim Personal bestimmt keine fünfzig Prozent abbauen. Weil die definitive Anzahl Kündigungen heute aber noch nicht in allen Details kommuniziert ist, möchte ich mich zu dieser Frage nicht weiter äussern.
Auch andere Wirtschaftspublikationen sahen schon rosigere Zeiten. Sehen Sie Ihre Umstellung als Beginn einer Welle?
Das müssen alle Häuser selber entscheiden. Man muss allerdings sehen, dass wir im Gegensatz zu Cash oder Handelszeitung weniger an die Tagesaktualität gebunden sind, was eine aufgelockerte Periodizität erleichtert -- zumal Anleger bei ihren Investitionen heute weniger rasch entscheiden. Persönlich bezweifle ich deshalb, dass so ein Rhythmuswechsel bei jedem Wirtschaftstitel gelingen würde.