Peter Ackermann, seit einem halben Jahr sind Sie Redaktionsleiter von "BeobachterNatur. Was haben Sie seither verändert?
Die bisherige Ausrichtung auf Natur- und Umweltthemen erwies sich als sehr erfolgreich, was sich ja auch in unseren Abo- und den jüngsten WEMF-Zahlen zeigt. Nur zwei Jahre nach der Einführung im Markt verfolgen uns Ausgabe für Ausgabe 416'000 Leserinnen und Leser. Dieser Erfolg freut uns verpflichtet uns aber auch zu einer stetigen Verbesserung. In den vergangenen Monaten habe ich deshalb zusammen mit meinem Team das Konzept weiterentwickelt. Aufgrund der Ergebnisse aus Leserbefragungen und Marktforschungsanalysen erweitern wir nun unsere Themenvielfalt. Neu fokussieren wir uns neben den bisherigen Themen Natur und Umwelt, alltagsnahem Nutzwert sowie Genuss stärker als bis anhin auch auf "Wissen". Gleichzeitig habe ich in den vergangenen Monaten den jetzt vorgenommenen Relaunch vorbereitet.

Warum kommt dieser Relaunch genau jetzt?
"BeobachterNatur ist eine Erfolgsgeschichte und wächst gut. Wir optimieren das Magazin also zu einem Zeitpunkt, an dem uns keine äusseren Umstände dazu zwingen. Eine gute Ausgangslage, um den eigenen Charakter zu verstärken und neue Wege einzuschlagen. "BeobachterNatur ist eine Line Extension von "Beobachter und war daher visuell am Hauptblatt angelehnt. Neu erscheint "BeobachterNatur" in einem sinnlicheren, "magaziniger" gestalteten Layout. Es liegt, wenn Sie so wollen, sozusagen in der Natur der Sache, dass ein Natur- und Wissensmagazin sinnlicher daherkommt als eine Publikumszeitschrift.
Im neuen Bereich "Wissen" kann man viele neue Themen einordnen. Ist man mit Natur und Umwelt zu eng gefahren? Sprich: Gingen Ihnen die Themen aus?
Keineswegs. Aber gut vermitteltes Wissen liegt im Trend: Wissensmagazine verzeichnen Zuwachs, fast jede Sonntagszeitung verfügt über einen Wissensteil. Wir haben also ausgebaut, was die Menschen interessiert und schon vorher in unserem Magazin vorhanden war. Wir vermitteln deshalb künftig verstärkt relevante und verblüffende wissenschaftliche Zusammenhänge alltagsnah und verständlich und sorgen so für Denkanstösse und schlauen Gesprächsstoff.
Alle machen plötzlich Yoga, ernähren sich gesund, leben bewusst: Solche Themen werden längst auch von anderen Medien bespielt.
Stimmt, und ich freue mich darüber. Denn wenn auch andere Medien Natur- und Umweltthemen aufgreifen, so spiegelt dies das grosse Bedürfnis vieler Menschen nach Informationen zu diesen Themen. Auch wir zeigen, wie man sich im Alltag schönen und natürlichen Sachen zuwenden kann. Entscheidend aber ist, dass Natur- und Umweltthemen bei "BeobachterNatur" nicht als Feigenblatt für andere Interessen dienen müssen. Die Beschäftigung mit der Natur ist für uns kein hipper Lifestyle. Wir beleuchten den Lebensstil von aussergewöhnlichen Schweizern, die sich mit ihrer Umwelt beschäftigen. Wir greifen aktuelle und relevante Themen auf, wie etwa in unserer Serie über die Folgen der Energiewende. Wir befragen renommierte Experten und nicht einfach nur prominente Menschen. Wir vermitteln alltagsnahe Tipps, wie man sein Leben mit kleinen Kniffs umweltschonender gestalten kann. Gleichzeitig sorgen wir mit unseren Reportagen und phänomenologischen Geschichten für unterhaltenden und vergnüglichen Lesestoff.
Zu den Magazinen, die auf sehr ähnliche Themen setzen, würde wohl mancher "SI Gruen" oder "natürlich" nennen. Wie unterscheiden Sie sich von diesen Produkten?
Wir betreiben Journalismus.
Wie ist das bei Ihnen: Passiert es oft, dass Unternehmen versuchen, sich im Heft als besonders nachhaltig zu verkaufen?
Ja, und sie tun dies als Inserenten. Ein Inserat ist eine grossartige Erfindung für die Vermittlung von Informationen. Im Weiteren existiert bei "BeobachterNatur" wie es bei der "Beobachter"-Gruppe üblich ist - eine klare Trennung zwischen Redaktion und Werbemarkt. Gerade aufgrund dieser Trennung und der daraus entstehenden Glaubwürdigkeit sind wir gleichermassen attraktiv für unsere Leserschaft und unsere Werbekunden.
Apropos "Beobachter"-Gruppe angesprochen. Das Logo von "BeobachterNatur" ist neu erstens weiss statt grün, zweitens wurde das klassische, rote "Beobachter"-Logo integriert. Will man damit die Dachmarke stärken?
Wir sind eine Zeitschrift der starken Dachmarke "Beobachter". Mit der Integration des Beobachter-Logos wird der Absender noch deutlicher. Das Logo signalisiert: Wir verbinden die Glaubwürdigkeit vom Beobachter mit der Sinnlichkeit der Natur.
Dass man auf den Trend der bewussteren und nachhaltigen Lebensweise setzte, hat sich bis jetzt bewährt. Doch wie lange dauert die "grüne Welle" noch an?
Wenn die Geschichte der Erde auf 24 Stunden reduziert würde, gäbe es den Menschen seit gerade mal 3,6 Sekunden. Ich bin deshalb davon überzeugt: Das Interesse an dem, was uns umgibt, wird nicht so schnell nachlassen. Es gibt aber weitere Gründe, weshalb die "grüne Welle" nicht so schnell verebben wird: Wir stehen vor grossen Fragen mit ökologischem Hintergrund oder ökologischen Auswirkungen: Wie wollen wir mit den zur Neige gehenden Ressourcen sinnvoll umgehen? Wie mit den Auswirkungen des Bevölkerungswachstums? Wie decken wir unseren steigenden Energiebedarf? Wie begegnen wir dem Klimawandel? Fragen, die nach journalistischer Einordnung und nach Orientierungshilfe verlangen. Dass die hohe Affinität für Umweltthemen in unserer Gesellschaft vorhanden ist, zeigen auch all die ernsthaften Aktivitäten vieler Unternehmen, die erkannt haben, dass man heute ökonomische Themen immer auch unter ökologischen Gesichtspunkten betrachten muss. Und entsprechend handeln.
Künftig wollen Sie mit "BeobachterNatur" vermehrt moderne Frauen ins Visier nehmen. Sie waren zuvor zehn Jahre beim Frauenmagazin "annabelle". Sie wissen also bestimmt, auf was Frauen anspringen?
Richtig ist: Wir verzeichnen ein schnelles Wachstum bei den Frauen zwischen 30 und 59 - eine im Lesermarkt und für die Werbewirtschaft interessante Zielgruppe. Wir sprechen mit unseren Themen aber weiterhin beide Geschlechter an. Worauf Frauen anspringen? Auf dasselbe wie Männer. Auf guten Inhalt. Frauen wie Männer wollen schlau und seriös informiert werden und sich dabei gut unterhalten fühlen. Ein Grund übrigens, weshalb wir bei unserer Weiterentwicklung zuerst den Inhalt neu konzipiert und uns erst danach dem neuen Layout angenommen haben.
Trotzdem: Sie erklären urbane Frauen als Zielgruppe, die man noch besser abholen möchte. Was sind typische Geschichten, die vor allem Frauen lesen wollen?
Frauen wissen, so weit ich das als Mann beurteilen kann, eine Menge über sich und ihr Umfeld. Sie reflektieren gerne und betrachten auch ihre Umgebung genau. Sie sind deshalb immer auch an sozialen und psychologischen Geschichten interessiert. An Geschichten über Menschen, an denen sie sich letztendlich spiegeln können. Dem tragen wir Rechnung. Männer hingegen wollen vermehrt wissen, wie etwas funktioniert.









Interview: Corinne Bauer.

