Er hat es schon wieder getan: Die NZZ analysierte in ihrer Ausgabe vom Samstag diverse Texte von Tom Kummer, die seit dem Jahr 2013 erschienen sind. Dabei stiess sie auf verschiedene Plagiate. Kummer habe sich für seine Texte in der «Weltwoche» oder dem Magazin «Reportagen» beim «Spiegel», der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», der «Zeit», «Focus», der «Süddeutschen Zeitung», dem «Daily Telegraph», der «Welt», «Watson» und weiteren bedient.
Die NZZ illustriert ihre Vorwürfe unter anderem mit einem Kummer-Text im Magazin «Reportagen». Kummer schreibt da über das Medium Radio: «Es kann sich alles erlauben – die geflüsterte Beichte ebenso wie die gebrüllte Beleidigung. Alles im Schutz anonymer Körperlosigkeit. Es ist hypnotisches Kopftheater, nichts als Stimme – pure Magie.» Matthias Matussek formulierte diese Gedanken bereits im Jahr 1995 sehr ähnlich: «Nun beweist Radio wieder, daß es das intensivste aller Medien ist. Es läßt sich so einfach konsumieren. Es hat Macht über die Gefühle. Es kann mit geschlossenen Augen genossen werden. Es kann sich alles erlauben, die geflüsterte Beichte ebenso wie die gebrüllte Beleidigung, alles im Schutz anonymer Körperlosigkeit. Es ist hypnotisches Worttheater, Kopftheater, nichts als Stimme - pure Magie», schrieb er im «Spiegel».
Auf Anfrage der NZZ sagt Kummer, er habe sich der Technik des «Sampling» bedient. Durch Zusammensetzen verschiedener Originalbausteine entstehe ein «völlig eigener Tom-Kummer-Sound». Quellenangaben würden den Lesefluss hemmen. Daniel Puntas Bernet, Chefredaktor von «Reportagen», ist enttäuscht und will nicht mehr mit Kummer zusammenarbeiten. «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel weist darauf hin, dass seine Publikation bereits seit zwei Jahren keine Texte von Kummer mehr gedruckt habe.
Kummer wurde bekannt, als im Jahr 2000 aufflog, dass er diverse Interviews mit Prominenten frei erfunden hatte. Die Interviews erschienen unter anderem im «Magazin» des «Tages-Anzeiger», dessen Chefredaktor Roger Köppel war.