Der Druck auf regierungskritische Medien in der Türkei wächst weiter. Die türkische Justiz hat am Dienstag einen weiteren Prozess gegen drei Journalisten wegen Kritik an Staatschef Recep Tayyip Erdogan gestartet. Drei leitende Redaktoren der Zeitung "BirGün" stehen seit Dienstag in Istanbul vor Gericht, weil sie Erdogan im Februar als "Dieb" und "Mörder" bezeichnet hatten.
Mit ihren Schlagzeilen hatte die Zeitung dagegen protestiert, dass Teilnehmer an regierungskritischen Demonstrationen wegen ähnlicher Parolen vor Gericht gestellt worden waren. Bei einer Verurteilung drohen den drei Angeklagten nach übereinstimmenden Medienberichten jeweils bis zu vier Jahre Haft. Erst letzte Woche hatte die türkische Justiz den "Cumhuriyet"-Chefredaktor Can Dündar und den Hauptstadtkorrespondenten Erdem Gül wegen des Vorwurfs des Geheimnisverrats in Untersuchungshaft gesteckt und Anklage erhoben. Das Obere Gericht von Istanbul lehnte am Dienstag den Antrag der Anwälte der beiden Journalisten auf Haftentlassung ab.
Erdogan hatte im Mai persönlich Strafanzeige gegen "Cumhuriyet" erstattet, weil die Zeitung Fotos von der Durchsuchung eines Waffenkonvois des türkischen Geheimdienstes MIT im Januar 2014 veröffentlicht hatte. Die Waffen waren dem Bericht zufolge für die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien bestimmt. Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) startete eine internationale Kampagne, in der dem "Erdogan-Regime" unter anderem "Verhaftungen, Drohungen und Einschüchterungen" von Journalisten vorgeworfen werden.
In der Petition wird Erdogan vorgeworfen, "seit Jahren scharf und methodisch gegen die Medien in der Türkei vorzugehen" und dabei "immer erbarmungsloser" zu werden. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderen der berühmte US- Sprachwissenschaftler Noam Chomsky, der französische politische Ökonom Thomas Piketty und der international gefeierte türkische Pianist Fazil Say. (sda/afp)