Der "NZZ"-Journalist Jeroen van Rooijen hat Anfang April das Männermagazin "Gentlemen's Report" lanciert. Es sollte etwas "Richtiges" werden für den "stilbewussten Meinungsmacher" in der Gesellschaft. Was damit gemeint ist, erklärt Jeroen van Rooijen im Interview mit "persoenlich.com":
Jeroen van Rooijen. Sie haben das Männermagazin "Gentlemens Report" lanciert. Was beinhaltet es?
Wir wollten ein ästhetisch und inhaltlich attraktives Magazin für den erwachsenen und stil-affinen, aber nicht blind konsumwütigen oder modeverrückten Mann machen. Es geht darin um die Themen, welche die Erlebniswelt eines Mannes prägen: Stil und Mode, Wohnen und Einrichten, Reisen, Mobilität, Wein oder Finanzen. Dieses Themenspektrum, das auch die Produktwelten der am Magazin beteiligten Partner abbildet, ist selbstverständlich für die nächsten Ausgaben frei erweiterbar.
Wer ist Ihre Leser-Zielgruppe?
Wir richten uns an einen ca. 30- bis 65-jährigen erwachsenen Mann mit Stilbewusstsein, der in der Schweiz lebt, doch sehr international orientiert ist. Er steht mitten im Leben, hat möglicherweise eine Familie, ist sicherlich in seinem Umfeld ein Meinungsmacher und einer, der sein Leben zu geniessen weiss.
Wie oft erscheint das Magazin?
In diesem Jahr erscheint das Magazin zweimal: als saisonales Kompendium zum Frühjahr (erschienen am 2. April) und als Stil-Leitfaden in den Herbst (Anfang September 2011). Nächstes Jahr wollen wir vier saisonale Ausgaben drucken. Parallel dazu wird die Website www.gentlemensreport.com laufend aktualisiert. Denn das Magazin ist nur die Einstiegswelt in eine umfassendere Erlebniswelt für Männer.
Wer macht die Redaktion aus?
In diesem Stadium der Entwicklung sind wir ein sehr kleines Grüppchen, das sich zu Brainstormings und Themenabstimmungen trifft. Den Kern bilden als General Manager und Spiritus rector Reto Caprez, der ausserdem als Vertreter des Partnerunternehmens Al Ferano im Kompetenzteam dabei ist; des weiteren Daniel Müri von der Agentur ddcom als Art Director und meine Wenigkeit als Redaktionsleiter und Drahtzieher. Wir treffen uns etwa vier Mal in der Saison mit allen fünf am Magazin beteiligten Unternehmen am runden Tisch, um Themen zu erarbeiten.
Wie finanziert sich der Titel?
Wir haben eine Reihe von Kompetenzpartnern gesucht, die sich alle für diesen erwachsenen, stil-affinen Mann interessieren und ein Interesse daran haben, diesem ihre Themen auf eine intelligente, elegante Art zu vermitteln. Für die Erstausgabe konnten wir fünf renommierte Unternehmen gewinnen, die Kompetenzpartner und gleichzeitig Inserenten im "Gentlemens Report" sind: Al Ferano Mode, Amag Automobile, Mövenpick Weine, Vontobel Private Banking und Zingg-Lamprecht Wohnen. Sie alle zahlen einen Betrag in den Redaktionstopf, aus dem die Inhalte bezahlt und das Magazin gemacht werden. Wir sind also vom ersten Tag an selbsttragend und kostendeckend.
Parallel zur gedruckten Version gibt es auch eine Online-Ausgabe von "Gentlemens Report". Warum soll ich für das Print-Magazin bezahlen, wenn ich das Gleiche im Netz gratis erhalte?
Vorläufig gibt es den "Gentlemens Report" noch nicht im Einzelverkauf oder am Kiosk, sondern nur über das Netzwerk der beteiligten Partner sowie als Beilage zur "NZZ" im Grossraum Zürich. Wir bieten derzeit nur ein Abo an, zwei Ausgaben für 20 Franken. Mit diesem System kommen wir bereits auf eine Auflage von 90'000 Exemplaren. Die Online-Präsenz hilft uns momentan, auch in den langen Pausen zwischen den beiden halbjährlichen Erscheinungsterminen an den Themen dran zu bleiben, ausserdem ist das Portal mittelfristig ein ganz wichtiges Tor zu einer viel umfassenderen Erlebnis-, Dienstleistungs-, Beratungs- und Themenwelt für Männer.
Wieviele Abonennten konnten Sie schon gewinnen?
Da sind wir natürlich erst am Anfang. Aber immerhin gibt es schon ein paar wenige. Interessanter ist die Leserzahl. Wir haben im ersten Magazin einen Wettbewerb gestartet. Mitgemacht haben bis jetzt schon mehrere Hundert Leser. Das zeigt uns: "Gentlemen's Report" wird rege gelesen.
Wer ist Ihre Konkurrenz und warum ist Ihr Heft besser?
Wir sehen derzeit im Schweizer Markt keinen Mitbewerber, der unserem Profil nahe kommt. Hierzulande sind Männertitel in der Regel nur Supplements mit starkem Anzeigencharakter. Auch im deutschsprachigen Raum gibt es keine Männerzeitungen, die unseren unaufgeregten, "straighten" Ansatz verfolgen. Sie sind entweder ziemlich pubertär, deftig oder dekadent. Wir sind in vielen Dingen anders: nicht glossy, sondern matt. Unser Magazin orientiert sich eher an der Ästhetik von Qualitätszeitungen. Wir haben keine nackten Girls auf dem Cover, und auch nicht im Heft. Wir geben den Texten und Bildern jenen Raum, den sie brauchen und versuchen nicht, alles zu leicht verdaulichen Häppchen zu formen. Wir sind selektiv und pointiert.
Wann kam Ihnen die Idee zur Lancierung des Magazins?
Wir sahen einfach eine Lücke im Angebot: Eine schöne Zeitung zu machen, die sich kompetent mit Stil befasst und an Männer richtet, die selber ein gesundes Mass an Urteilskraft haben und keinen oberflächlichen Einkaufsführer brauchen.
Am 3. April 2011 erschien "Gentlemens Report" zum ersten Mal. Wie fielen die Reaktionen aus?
Ich habe sehr viele positive, ermutigende, ja teils begeisterte Reaktionen erhalten von Männern, die sich freuen, dass es nun auch etwas "Richtiges" für sie gibt. Auch sind unsere Partner sehr zufrieden damit, wie ihre Themen angepackt und umgesetzt wurden. Erstaunlicherweise meldeten sich aber auch viele Frauen, die ihre Hoffnung ausdrückten, man möge eine solch erwachsene, ästhetisch anspruchsvolle und intelligente Stilzeitung auch für Frauen machen!
Sie schreiben auch für die "NZZ". Bleiben Sie dabei oder wollen Sie künftig nur noch Verleger/Chefredaktor sein?
Natürlich nicht. Ich liebe das Haus "NZZ", für das ich seit bald zehn Jahren tätig bin und das mir grosszügigerweise den persönlichen Freiraum gab, dieses Projekt zu entwickeln. Ich schreibe dort weiterhin meine Beiträge und Kolumnen. Als Verleger meines eigenen Titels pflege ich mit der "NZZ", welche als Trägertitel eine wichtige Geburtshelferin des ersten "Gentlemens Report" war, eine freundschaftliche Beziehung, die hoffentlich weiter gedeiht und sich noch intensiviert. Denn wir finden, dass unser Magazin sehr gut zum schönen, klassischen Brand "NZZ" passt.
Welches Ziel verfolgen Sie bis Ende Jahr - was wollen Sie bis dann mit "Gentlemens Report" erreicht haben?
Wir wollen für die zweite Ausgabe im Herbst drei weitere Kompetenzpartner gewinnen: Wir sehen noch Entwicklungspotenzial im Themenbereich Gesundheit, Outdoor, Freizeit, Reisen oder Uhren. Zusammen machen wir dann einen noch besseren, weil noch präziseren, eleganteren und überraschenderen "Gentlemens Report" als unser ohnehin schon recht guter Erstling. Wir wollen ausserdem noch an internationaler Ausstrahlung zulegen, weil es auch aus Deutschland ein reges Interesse an der Erstausgabe gibt.
Interview: Christine Schnyder