Nachdem SP-Präsident Christian Levrat den SRG-Interviewmarathon während der Bundesratswahl kritisierte ("Ich muss sagen, ich finde nicht gut, was die SRG macht") und SVP-Bundesrat Ueli Maurer vor laufenden TV-Kameras ein Interview mit SRF ablehnte ("kä Luscht"), äussert gegenüber der Zeitung "Schweiz am Sonntag" auch FDP-Fraktionschef Ignazio Cassis Kritik am Schweizer Fernsehen SRF.
Cassis, der bereits in der Sendung "Classe politique" die Seriosität der TV-Debatte anzweifelte, wirft dem Fernsehen "unnötige Inszenierungen" während und nach der Bundesratswahl vor: "Die Sendung Classe politique hat in allen Details eine Debatte über den Dissenz der Parteien führen wollen. Das hat mich geärgert, weil ich das Gefühl hatte, dass es nur darum gegangen ist, Sendeminuten mit Spektakel zu füllen. Politik als Spektakel mag eine Zielsetzung der Medien sein, ich mache aber auch für die SRG keine Swiss-Award-Politik", sagte der Politiker in der "Schweiz am Sonntag".
Bisher nicht bekannt war, dass SP-Präsident Levrat auf Radio SRF1 bei offenem Mikrofon der Kragen derart platzte, dass er eine "Halbierung der Gebühren" ins Spiel brachte, wie die Zeitung weiter schreibt. Eine Schlappe musste SRF auch bei der Einladung des neugewählten Bundesrats in die traditionelle Parlamentssessions-Sendung "Classe politique" einstecken: Erstmals ist am vergangenen Mittwoch ein frischgewählter Bundesrat der Einladung von SRF nicht gefolgt.
"Kä Luscht" auf Service Public
Statt – wie noch direkt vor der Ausstrahlung in Trailern angekündigt – SVP-Bundesrat Guy Parmelin sass in der Sendung "Classe politique" Politologe Adrian Vatter als Gast im Berner TV-Studio der SRG. Seit der nur äusserst knapp gewonnenen Abstimmung über das neue Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) weht der SRG im Bundeshaus ein spürbar neuer Wind entgegen, sagen langjährige SRG-Mitarbeiter. Die SRG gilt bei manchen Politikern nicht mehr nur theoretisch, sondern inzwischen auch ganz praktisch als verzichtbar.
Dass das Fernsehen mit der Videoberichterstattung der Online-Medien das Bewegtbildmonopol verloren hat, trage zu dieser Entwicklung bei. Sie trifft das Service-Public-Medienunternehmen in einem heiklen Moment. Vergangene Woche ist die "No Billag"-Initiative zur Abschaffung der Radio- und TV-Gebühren eingereicht worden. In der kommenden Woche wird das Parlament in einer Sondersession die künftige Ausgestaltung des Service Public diskutieren – und die neue rechte Mehrheit betont "kä Luscht" auf die SRG demonstrieren. (schwas)