Serdar Somuncu, ein deutsch-türkischer Comedian, trat an der letzten Ausgabe des Arosa Humorfestival auf. Zusammen mit anderen Künstlern wäre er Teil der "Seléction"-Ausgabe vom SRF über das Arosa Humorfestival gewesen, er wurde dann aber kurzfristig doch rausgenommen. Aus redaktionellen Gründen, wie Rolf Tschäppät, Bereichsleiter Comedy und Quiz, gegenüber "Blick" betont: "Eine redaktionelle Auswahl nach sendungsrelevanten Kriterien zu treffen, ist keine Zensur". Somuncu ist sehr enttäuscht über diese Entscheidung, wie er im Interview gegenüber der Plattform "Watson" erklärt. Er kann das Verhalten des SRF nicht nachvollziehen: "Ich habe dieses Stand-Up gespielt, das bei allen Beteiligten auch sehr gut angekommen ist". Weiter fügt er hinzu: "Jetzt ist mein Beitrag aber entgegen aller Verlautbarungen aus dem Programm gekippt worden“.
Für den Comedian stehen klar "politische Gründe" dahinter, nicht zuletzt, weil sein Programm auch kontroverse Themen beinhaltet. Immer wieder hat er sich mit dem Nationalsozialismus beschäftigt, sein populärstes Stück "Nachlass eines Massenmörders“ haben 250'000 Zuschauer gesehen, wie "Watson" schreibt. Die Auseinandersetzung mit einem immer noch sehr heiklem Thema kommt jedoch nicht überall gut an. "Den Leuten ging es so, als wären sie ins Operhaus gegangen und auf der Bühne stand dann aber eine Punkband", gab auch der Direktor des Arosa-Humorfestivals, Frank Baumann gegenüber "20 Minuten" an.
Somuncu nahm kein Blatt vor den Mund und zeigt die hiesigen nationalistischen Tendenzen auf: Die Schweizer seien "aufrichtige Nazis“ und Christoph Blocher ein "Arsch“ (siehe Video oben). Er wirft dem SRF vor, dass es den Beitrag nicht gesendet habe, weil das ansonsten der SVP sauer aufstosse. Dies kritisiert er scharf: "Was das SRF da macht, ist Meinungs-Diktatur, nennen Sie es, sie wollen, aber es ist eine Diktatur“. Obwohl auch andere Künstler nicht ins "Seléction"-Programm aufgenommen wurden, waren sie trotzdem in der SRF-Mediathek aufgeführt, erklärt Somuncu weiter. "Nur ich werde totgeschwiegen", so sein Fazit.
Das Schweizer Radio und Fernsehen dementiert jedoch die Vorwürfe, sie würden Zensur betreiben. Laut Tschäppät ging es nur um redaktionelle Aspekte: "SRF wählt die Künstler und ihre Auftritte nach verschiedenen Kriterien aus, zum Beispiel Herkunft, Bekanntheit oder Genre. Entscheidend ist schlussendlich ein guter Mix für die Sendungen". Da passte Somuncu wohl nicht rein. (sg)
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