Als der Verwaltungsrat von NW1 am Montag zur Mitarbeiterinformation rief, haben die Mitarbeiter bereits mit der Kündigung rechnen müssen. Soweit kam es allerdings (noch) nicht. Die Schliessung des Senders konnte vorerst verhindert werden -- "weil nun unsere Mitarbeiter im Vordergrund stehen", wie Dominik Baier, Verwaltungsrat von NW1, gegenüber "persoenlich.com" sagt. Dass sich noch ein Käufer für die defizitäre TV-Station finden lässt, ist allerdings unwahrscheinlich.
Bereits haben sämtliche potenziellen Käufer, die mit einer Übernahme der Aktien den Betrieb des Senders sicherstellen könnten, abgewunken. Dabei sei der Preis weniger wichtig gewesen als die Weiterführung des Senders, wie ein Sprecher der Hauptaktionärin, die Elektrizitätsversorgerin Elektra Birseck Münchenstein (EBM) bekannt gab. Derzeit ist NW1 weit davon entfernt, kostendeckend zu funktionieren. 100'000 Franken Verlust soll der Sender laut der Basler Zeitung monatlich anhäufen.
Mitte Februar hatte die EBM bekannt gegeben, dass sie aus dem defizitären Lokalfernsehgeschäft aussteigen will. Anfang März folgte der zweite Hauptaktionär Christian Heeb. Seither wurden Käufer gesucht. Der frühere Lokalradiopionier Heeb, ab Ende 2004 NW1-Verwaltungsratspräsident, ist gemäss dem Communiqué vom Montag am 2. Mai 2006 von seinem Amt zurückgetreten. Er habe damit den Weg frei machen wollen für allfällige Käufer oder Kooperationspartner. Bemühungen, einen Schulterschluss zwischen NW1 und TeleBasel zu erreichen, blieben bislang jedoch unfruchtbar.
Willy Surbeck, Geschäftsführer von Telebasel, sagt gegenüber "persoenlich.com", dass er durchaus offen für Kooperationsgespräche sei: "Ich habe den Mehrheitsaktionär von NW1 letzte Woche gefragt, ob er bereit wäre, über unser Angebot aus dem Jahr 2004 mit uns zu sprechen. Er sagte jedoch, dass man nicht mehr zum damaligen Stand der Entwicklung zurückkehren könne." Telebasel habe Nordwest1, damals noch Nordwest5, 2004 einen Kooperationsvorschlag unterbreitet. Dieser wäre sehr weit gegangen und hätte die Verschmelzung der Programminhalte sowie die Zusammenlegung der technischen Ressourcen vorgesehen. "Der Vorschlag wurde jedoch ohne ein einziges Gespräch mit Telebasel vom Tisch gehauen", so Surbeck weiter.
Laut Branchenkennern sind es vor allem strukturelle Probleme, die eine Rettung des Basler TV-Senders praktisch verunmöglichen. Damit eine lokale TV-Station allein mit Werbe- und Sponsoringgeldern überleben kann, ist die Region Basel zu klein. Was es braucht, ist ein Verlag im Rücken, Gebühren vom Bund oder -- wie im Falle von Telebasel, Gebühren vom Kabelnetzbetreiber. Surbeck: "TeleBasel könnte ohne Einnahmen aus dem Basler Kabelnetz nicht einmal die eigene Existenz sichern." So würde NW1 als zweiter Sender der Region ohne fremde Zuschüsse noch weniger überleben können.
Der letzten Hoffnungen liegen nun auf den Angestellten von NW1. Sie wurden an einer Informationsveranstaltung dazu aufgefordert, Lösungen auszuarbeiten, die den Sendebetrieb wirtschaftlich erfolgreicher gestalten sollen. "Wir werden alle Vorschläge gemeinsam besprechen und prüfen", sagt Dominik Baier, NW1-Verwaltungsrat gegenüber "persoenlich.com". Der Sender ist offen für alle Ideen -- von der Reorganisation bis hin zur Erschliessung neuer Einnahmequellen. Zeichnet sich bis Juni jedoch kein gangbarer Weg ab, zieht die EBM die Notbremse.