NZZ am Sonntag mit grossem Programm-Check

SRF - Die Hintergrund-Redaktion der Zeitung hat ein Dutzend Kritiken zu Radio-, TV- und Onlineformaten verfasst. Sie zeichneten «ein überraschend positives Bild», lautet das Fazit.

Die Dauerkritik am Programm von Schweizer Radio und Fernsehen ist hinlänglich bekannt und klingt in etwa immer gleich: linkslastig, langweilig, luxuriös ausgestattet. Die NZZ am Sonntag wollte wissen, was wirklich dran ist. In einer «Grossrezension», bestehend aus 14 Sendekritiken, nimmt das Hintergrund-Ressort der Zeitung das SRF-Angebot unter die Lupe.

Insgesamt kommt die NZZ am Sonntag zu einem positiven Fazit: «Die Nachrichtensendungen bieten grösstenteils Relevanz, professionelles audiovisuelles Handwerk und vertiefende Einordnung», schreibt Autor Alain Zucker. Die oft monierte linke Schlagseite habe sich bei den untersuchten Beiträgen nicht bestätigt.

«Kassensturz» und «Echo» schneiden gut ab

Im Programm-Check der NZZ am Sonntag schneiden sowohl traditionelle Radio- und TV-Sendungen gut ab, als auch neuere Onlineformate. Wenig überraschend kommen die Radiohintergrundsendung «Echo der Zeit» und das TV-Konsummagazin «Kassensturz» gut weg.

Ganz angetan zeigt man sich derweil auch vom jungen Reportagenformat «rec.». Damit treffe SRF ins Schwarze: «Es verbindet die authentische Art, wie von Social Media geprägte junge Menschen fernsehen wollen, mit gut recherchierten Geschichten und solidem Handwerk», schreibt Hintergrund-Autorin Rafaela Roth.

Am schlechtesten schneiden zwei Angebote für die junge Zielgruppe ab. Das Jugendradio «Virus» erhält als einziges der untersuchten Formate die minimale Bewertung von einem Stern (von fünf möglichen). Zwar laute der «Virus»-Slogan «Radio, aber anders», aber so anders sei das Musikprogramm dann doch nicht, wenn Billie Eilish, One Republic oder Ed Sheeran gespielt werde, «Mainstream-Sound eben», findet Kultur-Redaktor Linus Schöpfer. Ebenfalls wenig Gefallen findet die Satire von «Studio 404». «Pennälerhumor, professionell produziert, mit anzüglichen Wortspielen», findet Kritiker Alain Zucker zu einer aktuellen Folge.

Mit «rec.» und Instagram die Jungen abholen

Als Kontrast erhalten die SRF-News auf Instagram, die sich auch an ein jüngeres Publikum richten, die Bestnote von der NZZ-am-Sonntag-Redaktion. Dieses Urteil ist auf Aussagen der Medienwissenschaftlerin Dominique Wirz abgestützt, die politischen Journalismus auf Instagram untersucht hat. Zum SRF-Angebot findet Wirz: «Wer hier auf einen Beitrag klickt, wird also tatsächlich informiert.» SRF schaffe es «auf textlicher Ebene nahbar zu wirken». Die Bildsprache sei dagegen zurückhaltend, nicht reisserisch, wie etwa auf den Instagram-Kanälen privater Medien.

Im Urteil der NZZ am Sonntag befindet sich SRF mit Formaten wie «rec.» oder den Instagram-News auf dem richtigen Weg. Hier würden Nachrichten «gekonnt generationengerecht aufbereitet» – und zwar so, dass SRF nicht zu einer «Onlinezeitung wird, die die Privaten konkurrenzieren würde», so die abschliessende Würdigung. (nil)