NZZ enthüllt die Rollen mehrerer Drittpersonen

Affäre Geri Müller - Patrik Müller hätte Chat-Auszüge auf Sacha Wigdorovits' Handy lesen können.

Die Kantonspolizei Bern hat ein Protokoll der Handy-Daten von Geri Müllers Chat-Partnerin erstellt. Die "Neue Zürcher Zeitung" hatte Einblick in den Bericht. Dieser zeige, dass die 33-jährige Chatpartnerin die treibende Kraft hinter der Publikation der Nackt-Selfie-Geschichte gewesen sei, schreibt das Blatt am Mittwoch. Ebenfalls wird laut NZZ deutlich, dass Josef Bollag – ein Gegenspieler von Geri Müller in der Badener Politik – nicht erfreut war über die mehrfachen Anrufe und Nachrichten der Gymnasiallehrerin. Er legte der Frau nahe, "die Sache zu beenden“. Wiederholt riet er ihr zudem, sich in Biel bei der dortigen Staatsanwaltschaft zu melden.

Patrik Müller konnte Chat-Auszüge auf fremdem Handy lesen
Bollag unterschrieb seine Nachrichten jeweils mit dem Namen "Freund eines Freundes". Dieser Freund ist laut NZZ eindeutig PR-Berater Sacha Wigdorovits. Dessen Rolle ist interessant: Zwar wollte er der Frau keine Ratschläge geben und lieber aus der ganzen Affäre rausgehalten werden. Dennoch empfahl er ihr eine Rechtsanwältin in Baden und drei Chefredaktoren, "denen sie vertrauen könne": René Lüchinger ("Blick"), Arthur Rutishauser ("Sonntagszeitung") und Patrik Müller ("Schweiz am Sonntag").

Wigdorovits wehrte sich stets gegen die Behauptung, er habe die Screenshots Medienvertretern weitergeleitet. Aus den Protokollen geht laut der NZZ jedoch hervor, dass Patrik Müller Auszüge aus dem Chat direkt auf Wigdorovits' Handy lesen und sich Notizen machen konnte. Diesen Sachverhalt wollte Patrik Müller auf Anfrage von persoenlich.com nicht bestätigen, er dementierte ihn aber auch nicht. "Ich will zu den Abläufen im Detail keine Auskunft geben", sagte er am Mittwoch.

Valentin Landmann vertritt Wigdorovits
Strafrechtlich von Belang sei dies sowieso kaum, sagt auf Anfrage der NZZ Valentin Landmann, neuerdings Rechtsvertreter von Wigdorovits. Bisher werde gegen seinen Mandanten nicht ermittelt. Noch nicht vollständig ausgewertet ist der Chat-Verkehr zwischen Geri Müller und seiner temporären Partnerin. Auf Papier ausgedruckt soll er rund 1'700 Seiten umfassen. (set/NZZ)

Bild: Keystone, Ennio Leanza