Ungewöhnliche Kritik der NZZ an der Israel-Berichterstattung renommierter Publikationen. Unter dem Titel «Westliche Medien fallen auf Terrorpropaganda herein» nimmt Autorin Beatrice Achterberg vor allem die New York Times, eine – wie sie schreibt – der «renommiertesten Zeitungen der Welt» ins Visier. Auslöser war die Explosion im Al-Ahli-Arab-Spital in Gaza Anfang dieser Woche, bei der es Tote und Verletzte gab.
In einer «Breaking News» schrieb die New York Times, dass ein israelischer Luftangriff für das Unglück verantwortlich sei. Später tauchten erhebliche Zweifel an der Darstellung der Täterschaft auf und die Meldung wurde zurückgenommen. Für die NZZ ist dieses Vorgeben unstatthaft. Die New York Times hätte die Behauptung einer Terrororganisation – die zitierte Gesundheitsbehörde stehe unter der Kontrolle der Hamas – ungeprüft verbreitet. Und sie sei in ihrem Versagen nicht allein geblieben. Fazit der NZZ: Erschreckend viele Medienhäuser waren im Eifer der Schlagzeilen bereit, die Propaganda der Hamas zu verbreiten – und dies nur wenige Tage nach dem Überfall der Terroristen auf Israel. Die BBC gehörte ebenso dazu wie die Redaktion der deutschen «Tagesschau».
Keine selbstkritischen Stellungnahmen
Obwohl die Medien, die der Propaganda aus Gaza auf den Leim gegangen seien und ihre ursprünglichen Darstellungen inzwischen korrigiert hätten, so die NZZ, blieben ihre ursprünglichen Beiträge in der Welt. «Wer auf den Strassen von London, Paris oder Berlin Partei für die Hamas ergreifen und Israel als vermeintlichen Kriegsverbrecher anprangern will», befürchtet die Kommentatorin, «kann sich nun auch auf westliche Leitmedien berufen.» Es sei erschreckend, dass es an selbstkritischen Stellungnahmen zu der «misslungenen Berichterstattung» mangle. (ma)

