Am Mittwoch lief die Frist zur Einreichung von UKW-Radiokonzessionsgesuchen ab. Neben den zu erwartenden Eingaben der bisherigen Lokalradiobetreiber versuchen auch neue Player ihr Glück: Neben Roger Schawinski und Giuseppe Scaglione will auch Oliver Flückiger ein neues Zürcher Radio zu lancieren. Er plant mit "ZüriLive" ein Programm, das mit der traditionellen Radio-Stundenuhr bricht, wie er gegenüber "persoenlich.com" erklärt. Das Interview:
Wie sieht das Programm von "ZüriLive" aus?
ZüriLive bricht die traditionelle Radio-Stundenuhr auf und orientiert sich am Informationsverhalten des Internet-Users. News werden auf ZüriLive jederzeit genau dann ausgestrahlt, wenn sie topaktuell sind live eben. Unsere ZüriReporter sind rund um die Uhr für die Hörer unterwegs und können ihre interessanten Geschichten von überall aus direkt ins Programm einbringen.
Roger Schawinski hat es mit Radio 1 auf die älteren Erwachsenen abgesehen, Sie konzentrieren sich eher auf eine jüngere Zielgruppe. Wie sieht diese genau aus?
Wir richten uns an 15-39jährige Personen aus dem Grossraum Zürich, also eine Zielgruppe, die sich bereits komplett an die neuen Medien gewöhnt hat: Sie konsumiert ortsunabhängig zu jedem Zeitpunkt aktuelle News. Genau dieses Bedürfnis deckt ZüriLive ab. Zudem ist diese Zielgruppe natürlich auch kommerziell hochinteressant.
Denken Sie, dass es Ihnen gelingt, etablierten Sendern wie zum Beispiel Energy Zürich Hörer abzuluchsen?
Unser Programm ist ganz anders aufgebaut als dasjenige von Energy Zürich. Energy ist ein Contemporary-Hit-Radio, wir hingegen konzentrieren uns auf News aus der Region. Zudem bieten wir auch eine Menge Service für die Hörerschaft aus der Region Zürich an. Ich bin überzeugt davon, dass ZüriLive die Zielgruppe erreichen wird.
Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hat 41 Konzessionen für die Verbreitung von Lokalradio-Programmen ausgeschrieben. Wie gross schätzen Sie Ihre Chancen ein, eine Konzession zu erhalten?
Nun, wir haben mit ZüriLive ein starkes Konzept, das sich mit lokalem Service public ganz auf die Menschen im Konzessionsgebiet fokussiert. Unsere Finanzierung ist gesichert und wir sind unabhängig, die Meinungsvielfalt ist mit "ZüriLive" gewährleistet. Mit unseren Konzepten erfüllen wir alle Anforderungen des Bakom. Wenn wir nicht davon überzeugt wären, die Konzession aus guten Gründen zu erhalten, hätten wir das Gesuch nicht eingereicht.
Die RadioJay AG verfügt bereits über eine DAB+-Digitalradio-Konzession für das Programm "RadioJay". Wie sehen die Synergien zwischen den Sendern aus?
"RadioJay" auf DAB+ ist ein völlig eigenständiges Programm und wird sich an die Zielgruppe der 15-24Jährigen richten. Synergien können wir deshalb hauptsächlich im Hintergrund nutzen, beispielsweise beim Know-How, im Marketing, in der Musikredaktion und bei der Vermarktung. Wir haben aber noch einige andere Projekte in der Pipeline, mit denen wir durchaus Synergien und Skaleneffekte erzielen können. Dafür suchen wir derzeit gezielt strategische Partnerschaften.
Wer steht hinter der RadioJay AG?
Ich bin Hauptaktionär. Massgeblich beteiligt ist auch der erfahrene Radiomacher Frederik Stucki, Generalsekretär des Europäischen Privatradioverbands AER und Vorstandsmitglied im Verband Schweizer Privatradios VSP.
Von wem werden Ihre beiden Sender vermarktet?
Wir führen Gespräche mit verschiedenen Vermarktern, schliessen aber auch einen Verkauf in Eigenregie nicht aus.
(Interview: Mark Baer)