Online-Putztrupps säubern Social Web

Facebook - Psychischer Härtetest: Kontroll-Jobs belasten Mitarbeiter.

Das Social Web verlangt zunehmend nach "Online-Putztrupps". Gemeint sind Firmen, die sich tagaus, tagein ausschliesslich damit beschäftigen, Webseiten und Social Networks von illegalen Inhalten zu befreien. Mit dem Boom von nutzergeneriertem Content gelangt auch immer mehr ungeeignetes Material ins Web. Automatisierte Softwarelösungen reichen da häufig nicht mehr aus. Die Inhalte mit müssen von Menschenhand kontrolliert werden.

Abgesehen von grossen Konzernen können viele Internetunternehmen meist nicht die nötigen Ressourcen aufbringen, sämtliche Inhalte firmenintern zu kontrollieren. Daher lagern sie die Arbeit auf externe Dienstleister aus. Diese sorgen dann oft auch mit unterbezahlten Mitarbeitern dafür, dass Fotos, Videos und andere Inhalte mit illegalem Content aussortiert werden.

Das Outsourcing von Kontrollservices findet üblicherweise in Billiglohnländer wie den Philippinen statt, berichtet die "New York Times". Dort werden oft noch sehr junge Mitarbeiter für die Kontrollarbeiten engagiert. "Dann haben wir auf einmal 20-jährige Kids, die Content beaufsichtigen müssen", sagt Hemanshu Nigam, ehemaliger Sicherheitschef bei MySpace. Zunächst herrsche Begeisterung darüber, endlich einmal Pornografisches zu Gesicht zu bekommen. "Die Kids haben jedoch keine Vorstellung davon, wie verabscheuungswürdig viele der illegalen Inhalte sein können und dass es sie ihr Leben lang verfolgen kann, was sie hier zu sehen bekommen", warnt Nigam.

Doch nicht nur junge unerfahrene Arbeitskräfte können unter diesem Job leiden. "Wir unterstützen einander, wenn es um besonders arge Inhalte geht", berichtet der 52-jährige Ricky Bess, Mitarbeiter bei Telecommunications On Demand, einer Firma aus Orlando, die solche Kontrollservices anbietet. Die Belastung geht sogar so weit, dass US-Branchengruppe nun finanzielle Mittel fordert, die zur psychologischen Behandlung der Beschäftigten eingesetzt werden sollen. Das Outsourcing-Problem wird dadurch aber nicht gelöst. Laut Nigam, Co-Chairman der Online Saftey and Technology Working Group, steht den ausgelagerten Firmen in der Regel keine therapeutische Hilfe zur Verfügung. (pte)