Onlinemagazin schafft neues Ressort «Global»

Republik - Die Chefredaktion gründet ein eigenes internationales Ressort mit Leitung und ersetzt ihre bisherige «lose Auslandgruppe». Co-Chefredaktorin Bettina Hamilton-Irvine begründet den Schritt mit den weltweiten Bedrohungen für die Demokratie.

von Christian Beck

Die Republik verstärkt ihre internationale Berichterstattung und sucht eine redaktionelle Leitung für den neu geschaffenen Bereich «Global». Die neue Führungsposition mit 80-Prozent-Pensum soll gemäss Stellenausschreibung per sofort oder nach Vereinbarung besetzt werden.

«Wir beobachten geopolitische Verschiebungen und globale Veränderungen, die uns stärker fordern als früher», erklärt Co-Chefredaktorin Bettina Hamilton-Irvine die Expansion. «Die Weltordnung ändert sich gerade. Die liberale Demokratie ist weltweit bedroht, autokratische Tendenzen wie auch Angriffe auf den Rechtsstaat und die Gewaltenteilung nehmen zu.»

Wachstum ermöglicht Investitionen

Der Ausbau wird durch die positive Geschäftsentwicklung ermöglicht. «Seit mehr als einem Jahr sehen wir einen konstanten Anstieg unserer Mitglieder- und Abonnentinnenzahlen», so Hamilton-Irvine auf Anfrage von persoenlich.com. Das werbefreie Magazin ist vollständig leserfinanziert und zählt mittlerweile über 29'000 zahlende Mitglieder.

«Das zeigt das Bedürfnis vieler Menschen, dem Druck auf Demokratie und Rechtsstaat etwas entgegenzusetzen», interpretiert die Co-Chefredaktorin die Entwicklung. Mit der neuen Position will die Republik diesem Bedürfnis noch besser gerecht werden.

Strategischer Ausbau ohne klassisches Korrespondentennetz

Anders als traditionelle Medien setzt die Republik nicht auf eigene Korrespondentenbüros, sondern auf ein Freelancer-Netzwerk. «Dieses Netzwerk werden wir weiter pflegen, aber auch ausbauen», so Hamilton-Irvine.

Die neue Führungskraft soll dieses Netzwerk koordinieren und erweitern. Zu den Aufgaben gehören die Planung der Auslandsberichterstattung, die Betreuung von Redaktorinnen und Reportern sowie das Verfassen eigener Analysen und Reportagen. Ein besonderer Fokus liegt auf den USA und den Herausforderungen der EU.

«Global» ist nicht «Ausland»

Der Name «Global» ist bewusst gewählt. «Es ist sicher nicht ganz deckungsgleich mit einem konventionellen Auslandressort», erklärt Hamilton-Irvine. «Wir fokussieren weniger auf einzelne Länder im Ausland als vielmehr auf globale Entwicklungen, auf Geopolitik und auf die Rolle der Schweiz in Europa und in der Welt.»

In der Stellenausschreibung ist vom Aufbau «eines neuen Teams» die Rede. Wie gross dieses werden soll, ist noch offen. Hamilton-Irvine: «Zum Team Global werden neben der neu geschaffenen Leitungsposition und einem Netzwerk von Freelancerinnen voraussichtlich auch einzelne bereits bestehende Redaktoren gehören, die aus anderen Bereichen wechseln.»

Organisatorischer Wandel in der Redaktion

Bislang verfügte die Republik über keine klassischen Ressorts. «Als die Republik anfing zu publizieren, hatten wir noch gar keine Ressorts», erklärt Hamilton-Irvine. «Für das Ausland hatten wir bisher kein eigenes Ressort, sondern eine lose Auslandgruppe, die sich sporadisch trifft.»

Die neue Position schafft erstmals eine feste Struktur für die Auslandsberichterstattung. Wie Hamilton-Irvine betont, bleiben die Ressorts aber durchlässig: «Redaktorinnen schreiben auch zu Themen, die nicht klassischerweise in ihrem Ressort angesiedelt wären und arbeiten regelmässig auch über Ressortgrenzen zusammen.

Die Bewerbungsfrist für die Position als «Redaktionelle Leitung Global» läuft bis zum 15. August. Interessierte sollen neben den üblichen Unterlagen auch die Frage beantworten, welche drei Auslandsgeschichten sie in den nächsten zwei Wochen für die Republik organisieren würden.