20.02.2002

Privat-TV

Optimismus für neue Projekte nach schwarzem 2001

"Tele 25" und "Züri plus" in den Startlöchern - TV3 vor dem endgültigen Aus.

Der arg gebeutelte private TV-Markt gibt sich nicht geschlagen: Im Grossraum Zürich wollen im Herbst der überregionale Sender "Tele 25" und der Lokalsender "Züri plus" starten ("persoenlich.com" berichtete). Dagegen scheint besiegelt, dass TV 3 nicht wieder auferstehen wird. "Bis Ende April muss das Paket geschnürt und die Konzession eingereicht sein", gibt sich Markus Gilli, früherer Chef des untergegangenen Schawinski-Senders "Tele 24", optimistisch. Er lässt sich auch nicht vom jüngsten Entscheid des Medienhauses Ringier beirren, nicht in den Nachfolgesender "Tele 25" zu investieren.

Nur programmliche Kooperation mit Ringier

Mit mehr als einem Investor sei man noch im Gespräch, sagt Gilli auf Anfrage der SDA, Namen nennt er jedoch nicht. Ziel sei es, mehrere Investoren einzubinden. Für ein Gelingen spreche, dass man statt mit jährlich 24 Millionen ("Tele 24") für ein ähnliches Wiederholungsprogramm beim neuen "Tele 25" mit 18 Millionen Franken Betriebsbudget (90 Angestellte) durchkomme.

Dafür spreche aber auch, dass Interessenten auf sprachregionaler Ebene den Rückfall ins SRG-Monopol verhindern wollten. Hans Jürg Deutsch, bei Ringier Leiter des Bereichs Fernsehen, attestiert den "Tele 25"-Promotoren eine "seriöse Finanzplanung", wie er auf Anfrage sagt. Eine Beteiligung erachte Ringier dennoch als zu riskant. Dagegen habe er Gilli eine programmliche Kooperation zugesichert.

Damit bleibt Ringier seiner Low-Risk-Philosophie im TV-Bereich treu, sich mit programmlichen Inhalten an bestehenden Sendern zu beteiligen ("Presse TV auf SF 2, Engagement bei Sat.1), jedoch keine eigenen Sender zu besitzen. Für Deutsch hat das TV-Debakel von 2001 gezeigt, dass mit Privat-TV in der Schweiz nicht viel zu verdienen ist.

'Züri plus' bäckt kleine Brötchen

Deutlich weniger ambitiös ist das lokale TV-Projekt "Züri plus" um den 39-jährigen TV-Werbeproduzenten und früheren Olympia- Fünfkämpfer Peter Steinmann. Er übernahm die TV-Rechte und die Konzession des konkursiten Hasli-TV, dem ersten Schweizer TV-Lokalsender überhaupt, der von 1984 bis 1998 existierte. Diesem will er jetzt unter dem neuen Label "Züri plus" ab Spätsommer zu neuem Leben verhelfen. Die Strategie des Produzenten des Reise-Werbemagazins "Globe TV", das in der Schweiz auf mehreren Lokalsendern läuft, widerspiegelt die neuerdings vorsichtige Gangart bei TV-Projekten. Geplant ist laut Steinmann ein "einstündiges Wiederholprogramm, das auch die Region Zürich thematisiert". Über Kabel könnten vom Standort Dübendorf aus 1.3 Millionen TV-Konsumierende erreicht werden. An einen zaghaften Ausbau denke er erst, wenn Werbegelder fliessen, erklärt Steinmann.

Niemand will TV3 wiederbeleben

Wenig Grund für Optimismus bietet das Schicksal von TV3. Der Versuch von TV3-Chef Jürg Wildberger, nach der Schliessung im letzten Dezember doch noch Investoren für einen Neuanfang zu finden, scheint definitiv gescheitert. Aufgrund der Hoffnungen auf einen Neuanfang wurde in den letzten Wochen der attraktive Sendeplatz auf dem Kabelnetz "warm" gehalten. Felix Kündig, bis Ende 2001 TV3-Finanzchef, ist zurzeit mit der Liquidation des Senders beschäftigt. Eigentümerin Tamedia suche eine aussergerichtliche Regelung, um den Konkurs zu verhindern, wie er auf Anfrage sagt.

Werbebranche sieht Chance


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